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Marktbericht : Dax wieder im Vorwärtsgang - BVB-Aktionäre jubeln

  • Aktualisiert am

Nachdem die Aktie nach der Ankündigung des Abgangs von Erfolgstrainer Jürgen Klopp auf ein Anderthalb-Jahrestief gefallen war, ging es nun wieder mit der Tuchel-Verpflichtung bergauf. Bild: dpa

Der deutsche Aktienmarkt hat wieder den Vorwärtsgang eingelegt. Börsianer sprachen von einer Gegenbewegung nach den Kursverlusten der Vorwoche. Jubel herrschte vor allem unter den BVB-Aktionären.

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          Nach dem zuletzt deutlichen Kursrutsch haben die Dax -Anleger am Montag neuen Mut geschöpft. Einige Investoren setzten auf bessere Geschäfte heimischer Firmen mit China. Der Dax, der in der vergangenen Woche mehr als fünf Prozent verloren hatte, legte 1,7 Prozent auf 11.891 Zähler zu. Der EuroStoxx50  gewann 1,1 Prozent, die Wall Street notierte ebenfalls deutlich im Plus.

          Die chinesischen Geschäftsbanken müssen künftig weniger Geld bei der People’s Bank of China (PBoC) vorhalten und haben somit mehr Spielraum für die Vergabe neuer Kredite. Dadurch soll das Wachstum der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft angekurbelt werden. „Diejenigen, die nach den schwächeren Konjunkturdaten aus dem Reich der Mitte auf geldpolitische Unterstützung gehofft hatten, haben nun Recht bekommen und finden so Argumente für eine Fortsetzung der Rally und für Aktienkäufe“, sagt Andreas Paciorek, Analyst des Online-Brokers CMC Markets.

          Nach Einschätzung von FXCM-Experte Jens Klatt haben die Maßnahmen allerdings auch einen Nachteil, weil sie den chinesischen Aktienmarkt noch heißer laufen lassen. Sollte die Blase hier platzen, seien regelrechte Finanz-Tsunamis zu erwarten, die dann auch den Dax empfindlich korrigieren lassen dürften, meint Klatt. Der Shanghai-Composite hat allein in den vergangenen sechs Monaten fast 80 Prozent zugelegt.

          Dämpfer in der Griechenland-Krise

          Einen Dämpfer könnte die gute Laune in den nächsten Tagen durch die ungelöste Schuldenkrise in Griechenland bekommen. Die Finanzminister der Eurogruppe wollen am Freitag im lettischen Riga erneut über die Reformauflagen für Athen sprechen, die im Gegenzug für weitere Hilfskredite verlangt werden. Bisher hat die griechische Regierung keine Vorschläge gemacht, die die Billigung der Geldgeber finden. Die Regierung in Athen ist dringend auf Geld angewiesen, um ihre Verbindlichkeiten weiter bezahlen zu können.

          Aus Angst vor einer Eskalation der Krise fassten Anleger den Euro nur mit spitzen Fingern an - zeitweise fiel er um fast einen Cent auf 1,0714 Dollar zurück. Getrennt haben sich Investoren auch von griechischen Staatsanleihen. Dies trieb die Rendite der zweijährigen Titel auf 29,148 Prozent von 27,344 Prozent am Freitag. Einige Anleger suchten Schutz im „sicheren Hafen“ Bundesanleihen. Die zehnjährigen Papiere rentierten mit zeitweise 0,063 Prozent nur etwa 0,01 Prozentpunkte über ihrem Rekordtief vom Freitag.

          Für Gesprächsstoff unter den Einzelwerten sorgte eine Milliardenübernahme in Belgiens Mobilfunkbranche. KPN verkauft das Belgien-Geschäft seiner Mobilfunktochter Base für 1,3 Milliarden Euro an Telenet, der zum Kabelanbieter Liberty Global  gehört. Die Übernahme bringt Liberty Global damit auf Augenhöhe mit dem Branchenzweiten Mobistar - dessen Aktien brachen bis zu 17,6 Prozent ein. Das ist der zweitgrößte Kurseinbruch der Unternehmensgeschichte. Mit 14,43 Euro waren die Papiere so billig wie zuletzt vor etwa einem halben Jahr. Telenet stiegen dank des Base-Deals um bis zu 7,6 Prozent auf ein Rekordhoch von 56,49 Euro. KPN legten an der Amsterdamer Börse zeitweise 3,5 Prozent zu. In Erwartung einer anziehenden Nachfrage aus China waren zudem Minenwerte gefragt: die Aktien von Anglo American, Rio Tinto und BHP Billiton legten zwischen 2,7 Prozent und 2,5 Prozent zu. Der Branchenindex gewann 1,7 Prozent.

          Größter Dax-Gewinner waren BASF mit einem Plus von 3,2 Prozent auf 92,03 Euro. Die Barclays-Experten hatten das Kursziel auf 101 (96) Euro erhöht und die Einstufung „Overweight“ bekräftigt. Der starke Dollar sei für die Gewinnentwicklung in der Chemiebranche die mit Abstand wichtigste Triebfeder. Davon dürften die Ludwigshafener, Lanxess sowie K+S am meisten profitieren, schrieben die Analysten.

          BVB-Aktie wieder obenauf

          Bei den deutschen Aktienwerten gehörte Borussia Dortmund (BVB) zu den Favoriten. Der Fußball-Bundesligist verpflichtete Thomas Tuchel als Nachfolger für Trainer Jürgen Klopp. Nachdem die Aktie am vergangenen Mittwoch nach der Ankündigung des Abgangs von Erfolgstrainer Jürgen Klopp auf ein Anderthalb-Jahrestief gefallen war, ging es nun wieder bergauf. Das Papier gewann an der S-Dax-Spitze zeitweise über 3 Prozent. Ab der kommenden Saison wird der ehemalige Mainzer Coach Tuchel die Nachfolge von Klopp übernehmen. Klopp hatte am vergangenen Mittwoch um eine Auflösung seines gültigen Vertrages gebeten. Tuchel unterschrieb nun beim achtmaligen Meister einen Vertrag bis 2018. Außerdem positiv für den BVB: Der stark gebeutelte Bundesligist konnte sein jüngstes Heimspiel gegen den SC Paderborn klar für sich entscheiden. Die Qualifikation für die Europa League rückt damit wieder in Sichtweite. „Dem BVB-Management gelang es, innerhalb kürzester Zeit den Wunschkandidaten für die Nachfolge von Jürgen Klopp zu verpflichten“, schrieb Analyst Thorsten Renner von GSC Research. Hierdurch wurde sehr schnell Klarheit in der Trainerfrage geschaffen. Somit könne Tuchel bereits in anstehende Entscheidungen hinsichtlich des Kaders eingebunden werden. Renner stufte die BVB-Aktie von „Halten“ auf „Kaufen“ hoch und ließ sein Kursziel bei 4,50 Euro.

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