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Sorgen verflüchtigen sich : Dax gewinnt den vierten Tag in Folge

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An der Frankfurter Börse kann der Dax sich weiter vom Brexit-Schock erholen. Bild: Reuters

Die Anleger erweisen sich weiterhin als stressresistent. Sie kaufen eine Woche nach dem schwarzen Freitag Aktien. Vor allem ein Papier ist im Dax zum Wochenschluss sehr gefragt. Spekulationen auf neue Konjunkturhilfen der Notenbanken stützten ebenfalls die Kurse.

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          Am deutschen Aktienmarkt haben sich am Freitag die Sorgen über den Brexit weiter verflüchtigt. Der Dax legte den vierten Tag in Folge zu und übersprang zeitweise wieder die Marke von 9800 Punkten. Mit einem Plus von 0,99 Prozent auf 9776,12 Punkten ging er in das Wochenende und machte inzwischen wieder die Hälfte seines rund zehnprozentigen Kursrutsches nach dem Brexit-Schock wett.

          Auf Wochensicht gewann der deutsche Leitindex 2,3 Prozent, hatte den Monat Juni am Donnerstag aber mit einem Verlust von fast 6 Prozent beendet. Die Halbjahresbilanz fiel mit einem Minus von knapp 10 Prozent noch düsterer aus. Für Impulse sorgten einmal mehr die Notenbanken.

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          Der britische Notenbankchef Mark Carney hatte zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen des Brexit eine mögliche Lockerung der Geldpolitik im Sommer in Aussicht gestellt. "Der Brexit wirbelt also auch die Geldpolitik der Bank of England (BoE) durcheinander, die bis vor einer Woche ja eher an einen ganz langsamen und vorsichtigen Ausstieg aus der ultraexpansiven Geldpolitik gedacht hat", schrieb Commerzbank-Analystin Antje Praefcke in einem Kommentar.

          Die Zinsspekulationen ließen das britische Pfund abtauchen. Es fiel bis auf 1,3262 Dollar und blieb damit in Sichtweite seines 31-Jahres-Tiefs von Montag. Der britische Aktienindex "Footsie" kletterte zeitweise bis zu 0,7 Prozent auf ein Elf-Monats-Hoch von 6550 Punkten. Damit notierte er mehr als drei Prozent über dem Niveau unmittelbar vor dem Brexit-Referendum. Die Renditen kurzlaufender britischer Staatsanleihen gerieten unter Druck.

          Börsianer hoffen, dass auch die Europäische Zentralbank (EZB) noch einmal nachlegt, um die heimische Konjunktur anzukurbeln. Die Frankfurter Währungshüter kaufen bislang Staatsanleihen im Volumen von 80 Milliarden Euro monatlich auf. Von dieser Hoffnung profitierten zeitweise südeuropäische Staatsanleihen: Im Gegenzug fiel die Rendite der zehnjährigen italienischen Titel auf ein Drei-Monats-Tief von 1,218 Prozent. Auch die Renditen der spanischen Papiere gerieten unter Druck.

          Börsianer hoffen wieder auf die EZB

          Allerdings wurden die Spekulationen von seiten der EZB nicht genährt. Insidern zufolge will die Zentralbank nicht am festgelegten Kapitalschlüssel für ihre Bondkäufe rütteln. Dieser besagt, dass die EZB bei ihren monatlichen Käufen verstärkt zu Anleihen der Länder greift, die der Notenbank mehr Eigenkapital zur Verfügung stellen. Sollten die Währungshüter zukünftig von dieser Regel abweichen, könnten verstärkt Anleihen südeuropäischer Krisenstaaten aufgekauft werden.

          Starke Kursschwankungen gab es daraufhin bei italienischen Finanztiteln. Die Aussicht auf Staatshilfen und die Notenbank-Hoffnungen hatten den Aktien der stark verschuldeten italienischen Bankhäusern zunächst Auftrieb verliehen, zeitweise waren sie bis zu sechs Prozent in die Höhe geschossen. Mit dem Nachlassen der Spekulationen auf weitere Anleihekäufe fielen diese allerdings in sich zusammen. Aktien von UniCredit verloren 4,5 Prozent, Ubi Banca und Banco Popolare jeweils mehr als drei Prozent. Die Institute des Landes ächzen unter einem Berg an faulen Krediten im Volumen von rund 360 Milliarden Euro.

          DT. BANK

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          Tags zuvor erneut arg gebeutelte Papiere der Deutschen Bank erholten sich dagegen um über 1,8 Prozent - am Donnerstag waren sie wegen schlechter Nachrichten aus Amerika erneut auf ein Rekordtief gerutscht.

          Der Dax-Favorit waren die Vorzugsaktien von Volkswagen, die um mehr als 4,9 Prozent anzogen.Offenbar vertraue der Autobauer auf eine rasche und einvernehmliche Lösung für alle Klagen wegen manipulierter Diesel-Abgaswerte, sagte ein Börsianer. Die Anteilsscheine der Wolfsburger hatten besonders stark unter dem Brexit-Schock vor einer Woche gelitten. Auch der gebeutelte europäische Branchensektor zeigte sich am Freitag deutlich erholt.

          VOLKSWAGEN VZ

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          Bereits am Dienstag war bei einem Gericht in Kalifornien ein Vorschlag für einen Kompromiss zwischen dem Konzern und amerikanischen Klägern eingegangen, der Strafzahlungen von bis zu 14,7 Milliarden Dollar (13,3 Mrd Euro) vorsieht. Der zuständige Richter Charles Breyer will sich bei der nächsten Anhörung am 26. Juli damit befassen. Er lobte den großen Einsatz der Streitparteien beim Bemühen, sich ohne Eröffnung eines Prozesses auf einen außergerichtlichen Vergleich zu einigen.

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