https://www.faz.net/-gv6-7q1k5

Der Dax 2010 bis 2012 : Die (Euro-)Schuldenkrise

Euro-Schulden-Krise: Ruinen und Ruin in Griechenland Bild: dapd

Die Welt-Finanzkrise begann ab 2010 zur Schuldenkrise und speziell zur Eurokrise zu werden. Für den Dax bedeutete das eine weiter recht volatile Zeit.

          2 Min.

          Harte Wirtschaftskrisen dauern länger. Die Finanzkrise, die im Jahr 2007 begonnen hatte, ging nahtlos in eine Staatsschuldenkrise über. Diese war dadurch gekennzeichnet, dass die Märkte weitgehend das Vertrauen in die Fiskalpolitik der entwickelten Volkswirtschaften verloren, weil sie diese aufgrund der demographischen und strukturellen Prozesse durch das bisher erreichte Schuldenniveau gelähmt sahen.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Speziell entzündete sich 2010 die Krise jedoch im Euroraum. Mit der Hoffnung, dass die Währungsunion die Zahlungsfähigkeit der schwachen Schuldner erhöhen würde und es nicht zu einer krisenhaften Zuspitzung kommen werde, hatten sich die Renditen der Staatsanleihen der Euro-Länder Ende der Neunziger Jahre stark angenähert und waren Anfang 2005 nahezu identisch.

          Öffnen
          30 Jahre Dax : Der bewegte Index Bild: FAZ.NET

          Im Gefolge der Finanzkrise begannen sich diese Renditen wieder auseinander zu entwickeln, nachdem offensichtlich wurde, dass die Euro-Länder unterschiedlich stark von der Krise getroffen würden. Die Krise brachte die Mängel etwa der griechischen Wirtschaftspolitik und die desolaten Staatsfinanzen an den Tag. Nach Neuwahlen räumte die Regierungspartei Pasok am 21. Oktober 2009 ein, dass das griechische Staatsdefizit im laufenden Jahr mit 12 bis 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts mehr als doppelt so hoch wie bisher angenommen ausfallen werde. Später kamen immer mehr Statistikfälschungen ans Licht.

          In der Folgezeit stiegen die Renditen griechischer Staatsanleihen zunehmend, während Wirtschaft und Staatshaushalt immer stärker ins Trudeln gerieten. Am 3. Februar 2010 stellte die EU Griechenlands Haushalt unter Aufsicht, am 25. März sagten EU und IWF Hilfskredite zu, am 23. April wurden diese erstmals beantragt.

          Am 7. Mai begann sich erstmals das Misstrauen der amerikanischen Handelsteilnehmer gegenüber dem Euroraum zu zeigen, als der Dax vor allem wegen Kursverlusten am Nachmittag um 3,3 Prozent fiel. Nach der Errichtung des ersten Rettungsschirms EFSF keimte Hoffnung auf, dass die Krise bewältigt sei und der Dax stieg um 5,3 Prozent über die Marke von 6000 Punkten.

          Doch die Krise schwelte weitere: Irland konnte sein Bankensystem nicht allein retten und  musste im November 2010 um Hilfe bitten, im April 2011 folgte das strukturell schwache Portugal.

          Zwischen Hoffnung und Verzweiflung

          Im August 2011 wurde der Welt vor Augen geführt, dass nicht nur Europa ein Schuldenproblem hat, als die Rating-Agentur S&P das Bonitäts-Rating der Vereinigten Staaten senkte. Dies ließ den Dax am darauf folgenden Montag um 5 Prozent auf 5923 Punkte fallen. Spekulationen um Frankreichs Bonität drückten nur zwei Tage später die Kurse um 5,1 Prozent auf 5613 Punkte.

          Aber es war nicht alles nur schlecht für den Dax. So legte er am 27. September mehr als 5 Prozent zu, nachdem der Plan bekannt wurde, dass der Rettungsfonds EFSF Kredite aufnehmen solle. Damit könnte sein Hilfsvolumen steigen, der Schuldenschnitt in Griechenland und die Ansteckung Italiens vermieden werden, war die Hoffnung, die sich nicht erfüllte.

          Einen Monat später trieb ein europäisches Gipfeltreffen die Kurse abermals um 5,35 Prozent nach oben, weil die erzwungene Umschuldung Griechenlands mittels eines freiwilligen Schuldenschnitts vermieden wurde und so die Hoffnung bestand, Kreditausfallabsicherungen würden nicht fällig werden.

          Mit dem dann doch erfolgten Schuldenschnitt erreichte die Krise am 12. März 2012 ihren Höhepunkt, auch wenn immer wieder Sorgen um die großen Euro-Länder Italien und Spanien und in geringerem Maße Frankreich aufflammten. Trotz der Zypern-Krise im März 2013 erreichten die Sorgen um den Euroraum aber nicht mehr die damalige Intensität, so dass diese aus Sicht des Marktes seit 2012 als überstanden gelten kann.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.