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Der Dax 2000 - 2003 : Die Technologie-Baisse

Telekom-Chef Sommer hatte 201 viel zu erklären Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Die Baisse nach der Technologie-Blase war typisch. Erst wollte es keiner glauben, dann wurde es schön geredet und erst als alle die Hoffnung verloren hatten, ging es wieder nach oben.

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          Am 10. März 2000 erreichten sowohl der Dax als auch der Neue Markt ihre damaligen Allzeithochs. Berücksichtigt man die Dividenden nicht, wie es außer beim Dax bei allen anderen Indizes Praxis ist, so liegt dieses Hoch auch heute noch in weiter Ferne. Nur drei Tage nach dem damaligen Rekordhoch begann die Stimmung zu kippen, wie man aber an diesem Tag noch nicht wissen konnte. Am Tag des Börsengangs der Siemens-Halbleiter-Tochter Infineon gewann dann zwar deren Aktie rund 100 Prozent gegenüber dem Emissionspreis hinzu, der Dax aber fiel um 3,5 Prozent. Die Stimmung sei eingetrübt, dem Markt fehle es an Impulsen.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Von da an ging es für Jahre stetig weiter bergab. Am 30. November 2000 um 3,4 Prozent. Da hatte die T-Aktie hat nach ihrem Kurshoch von 103 Euro im März rund 60 Prozent an Wert eingebüßt. Am 20. Dezember 2000 ließ eine Warnung der amerikanischen Notenbank vor einer Abschwächung des Wirtschaftswachstums den Dax um 3,56 Prozent fallen. Die Hoffnung auf eine Jahresendrally ging verloren.

          Im Juli 2002 war man schon fast 2000 Punkte tiefer. Von einer tiefen Vertrauenskrise war die Rede. Der Dollarkurs fiel, der Euro kletterte erstmals seit Februar 2000 wieder über den Kurs von einem Dollar. Weiter lieferten Technologiekonzerne schwache Geschäftszahlen.

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          Bisweilen ging es aber auch steil nach oben. So etwa am 29. Juli 2002 um 7,85 Prozent. Zuversicht kam aber nicht mehr auf. Eine Woche später ging es auch schon wieder knapp 6 Prozent nach unten. Am nächsten Tag ging es dann aber um mehr als 7 Prozent nach oben, als die südamerikanische Finanzkrise sich einer Lösung näherte. Dennoch sorgte man sich mehr um eine Rezession oder Deflation.

          Im Oktober 2002 schienen sich die Märkte endlich zu erholen. Zunächst war von einer technischen Reaktion die Rede, dann hieß es Schnäppchenjäger machten sich zunutze, dass einzelne Titel in der allgemeinen Hysterie übertrieben nach unten geknüppelt worden seien. Schon wurde auf eine Trendwende bei den Unternehmensgewinnen spekuliert. Und die Hoffnung wuchs.

          Letztlich aber blieb es bei einer Bärenmarkt-Rally und 2002 wurde mit einem Minus von 44 Prozent das schlimmste Jahr für den Dax. Selbst 2009 erreichten die Kursverluste dieses Ausmaß nicht. Kein einziger Dax-Wert schloss 2002 mit einem Gewinn ab. Gleichzeitig gab der Dax zum ersten Mal in der Nachkriegszeit drei Jahre hintereinander nach.

          Besonders die hohen Verluste der im Index stark gewichteten Finanz- und Technologiewerte sorgten dafür, dass der deutsche Index im internationalen Maßstab besonders schlecht abschnitt. Der Kurs der Allianz-Aktie fiel im Jahresverlauf um zwei Drittel, der der Münchener Rück nur etwas weniger stark. Markthistoriker trösteten die Anleger damit, dass man schon siebzig Jahre zurückgehen müsse, um vier aufeinanderfolgende Börsenjahre mit Kursverlusten zu finden. Eine Garantie dafür, dass 2003 ein positives Vorzeichen haben werde, sei dies aber freilich nicht, schrieb die FAZ. Und dennoch sollte es die Wende werden.

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