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Dax 10.000 : Der Dax spiegelt deutsche Wirtschaftsgeschichte

Blick in den Frankfurter Börsensaal mit Händlern im Jahr 1988. Bild: dpa

Von 30 Gründungsmitgliedern sind noch 16 im Index vertreten. Banken mussten hierbei an Bedeutung einbüßen, während Pharmakonzerne an Bedeutung gewonnen haben. Eine Bilanz über Aufstieg und Fall der 30 Dax-Unternehmen.

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          Der Hamburger Sportverein ist der einzige Club, der seit der Gründung der Fußballbundesliga vor 52 Jahren ununterbrochen zu den besten 18 Fußballmannschaften Deutschlands gehört. Im deutschen Aktienindex Dax sind am Donnerstag, als er zum ersten Mal die Schwelle von 10.000 Punkten überschreitet, noch 16 der 30 Gründungsmitglieder vertreten. Wer deshalb meint, im Dax gebe es weniger Auf- und Abstiegskrimis als im Fußball, der möge bedenken: Der Dax startete mit 1000 Punkten erst am 30. Dezember 1987, der Aktienindex ist also mit gut 26 Jahren nur etwa halb so alt wie die Fußballbundesliga. Schaut man auf die Tabellen der Bundesligasaison 1987/88, so stellt man fest: Von den 18 Fußball-Erstligisten von damals sind in der kommenden Saison elf noch (oder wie im Fall des Aufsteigers 1.FC Köln wieder) dabei, also etwas mehr als die Hälfte – ein ähnliches Auf und Ab wie im Dax.

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          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Aufstieg und Fall, Erfolg wie Untergang verkörpern Bundesliga und Dax gleichermaßen. Der Bundesliga in der Saison 1987/88 zur Gründungszeit des Dax gehörten Vereine wie Waldhof Mannheim und KSC Uerdingen an, die längst zumindest von der Fernsehbildfläche verschwunden sind. Seither haben auch etliche Dax-Gründungsmitglieder das Zeitliche gesegnet: Karstadt ging im September 2009 als Arcandor pleite, der Industriekonzern Mannesmann wurde im Jahr 2000 vom britischen Mobilfunkkonzern Vodafone gekauft, und das Chemieunternehmen Hoechst verschmolz 1999 mit dem französischen Konkurrenten Rhône-Poulenc. Der erste Absteiger aus dem Dax, Feldmühle Nobel, steht für eine Branche, die in den Industrieländern seit Jahrzehnten deutlich auf dem Rückzug ist: die Papierindustrie. Diese Beispiele zeigen: Abseits der höchst sportlichen Leistung des Dax für die Anleger – ein Plus von jährlich gut 9 Prozent aus Kursgewinnen und Dividenden – ist ein Blick auf die Veränderungen in seiner Zusammensetzung ein schwungvoller Ritt durch die deutsche Wirtschaftsgeschichte.

          Bedeutungsverlust der Banken

          Augenfällig ist dabei der Bedeutungsverlust, den Banken erlitten haben: Mit Bayerischer Hypo- und Wechselbank und Bayerischer Vereinsbank, die zunächst fusionierten und dann im italienischen Unicredit-Konzern aufgingen, sowie der erst von der Allianz und später von der Commerzbank erworbenen Dresdner Bank sind drei Dax-Gründungsmitglieder aus dem Banksektor verschwunden. Zwischenzeitlich schafften es Deutsche Postbank, Hypo Real Estate und der Anlagenvertrieb MLP in den Dax, konnten sich aber nicht halten. Als einzige Repräsentanten des Banksektors im Dax übrig geblieben sind die Deutsche Bank und die Commerzbank. Letztere ist die schlechteste Aktie aller aktuellen Dax-Mitglieder mit einem Kursverlust in 26,5 Jahren von 80 Prozent.

          Seit dem Rauswurf von MAN aus dem Dax ist die für Deutschland so wichtige Sparte Maschinenbau im Dax gar nicht mehr vertreten. Sie ist überwiegend eine Börsenliga tiefer, im M-Dax versammelt. Auch Technologieunternehmen sind, obgleich der 1995 in den Dax aufgestiegene Softwarekonzern SAP inzwischen zu den fünf wertvollsten Unternehmen gehört, im Dax unterrepräsentiert. Ihre Bedeutung in 26,5 Jahren Dax ausgebaut hat vor allem die Pharmabranche – trotz des Abstiegs von Schering nach dem Kauf durch Bayer und dem Rückzug von Altana. Auf den ersten Blick nahezu unverändert zeigt sich die deutsche Automobilbranche, wenn man davon absieht, dass Daimler vor 26 Jahren noch Daimler-Benz hieß.

          Auf den zweiten Blick zeigt sich allerdings: Der Automobilzulieferer Continental ist zwar derzeit wieder im Dax, zwischenzeitlich musste Conti aber zweimal absteigen. Damit ist der Automobilzulieferer für den Dax, was der 1. FC Nürnberg für die Fußballbundesliga ist: Rekordabsteiger. Der Fußballverein scheiterte nicht weniger als acht Mal daran, sich für eine weitere Saison für die erste Liga zu qualifizieren. Dagegen nimmt sich Contis Abstiegsquote geradezu moderat aus.

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