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Dax 10.000 : Beiersdorf ist bester Wert im Dax, Commerzbank der schlechteste

Bild: F.A.Z.

Beiersdorf ist eines der jüngsten Dax-Mitglieder, aber zugleich auch eines der Erfolgreichsten. Die Commerzbank hingegen ist zwar seit der ersten Stunde im deutschen Leitindex, hat seinen Anlegern aber mehr Verluste eingebracht.

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          Als der Aktienindex Dax geboren wurde, zerbrachen sich die Manager der Beiersdorf AG gerade den Kopf darüber, wie sie die DDR erobern könnten. Der damalige Kosmetikvorstand des Nivea-Konzerns aus Hamburg, Hans-Otto Wöbcke, kam im Frühjahr 1988 von einer Reise ins sozialistische Nachbarland mit der Botschaft zurück, dass Beiersdorf womöglich schon bald grünes Licht für eine eigene Produktion in der DDR bekommen könnte. Bislang durfte der Konzern seine berühmte Creme in der blauen Dose dort nur in sogenannten Intershops verkaufen, also in Devisenläden, in denen die Kunden harte D-Mark auf den Tisch legen mussten. Das konnten natürlich nur wenige. Und deshalb waren die Hamburger sehr interessiert daran, ihre Hautcreme vor Ort mit einem volkseigenen Betrieb als Partner herzustellen und so den Weg in die „normalen“ Supermärkte im Osten zu finden. Tatsächlich kam die Kooperation noch kurz vor der Wende zustande. Der damalige Partnerbetrieb Florena aus Sachsen gehört heute komplett dem Beiersdorf-Konzern.

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          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Von der Liga der 30 wichtigsten börsennotierten Unternehmen in Deutschland war Beiersdorf damals noch weit entfernt. Zwar waren die Hamburger 1988 schon seit sechs Jahrzehnten an der Börse und setzten mit Cremes, Klebestreifen und Medizinprodukten rund 3,5 Milliarden Mark im Jahr um. Doch im Vergleich zu Dax-Gründungsmitgliedern wie Volkswagen, Mannesmann oder Degussa war Beiersdorf ein kleines Licht. Und so dauerte es noch zwanzig Jahre, bis die Hamburger in die Spitzenliga aufstiegen. Erst als der Autozulieferer Continental im Zuge der Übernahme durch Schaeffler im Jahr 2008 aus dem Index flog, rückte der Nivea-Hersteller auf. Beiersdorf gehört damit zu den jüngsten Mitgliedern im Dax. Allerdings hat kein anderes Unternehmen, das heute in dem Index vertreten ist, im zurückliegenden Vierteljahrhundert einen so starken Kursanstieg hingelegt. 1988 kostete die Aktie umgerechnet etwas mehr als 3 Euro. Heute werden die Papiere für gut 74 Euro je Anteilsschein gehandelt. Die Aktie hat also 2200 Prozent an Wert gewonnen. Gemessen am erwarteten Gewinn im Verhältnis zum Kurs (KGV) gehört Beiersdorf zu den am höchsten bewerteten Unternehmen im Dax. Seit der Vorstandsvorsitzende Stephan Heidenreich vor gut zwei Jahren das Ruder übernahm, hat der Kurs kräftig Fahrt aufgenommen.

          Tiefpunkt des Commerzbank-Titels im Juli 2013 bei 5,80 Euro

          Die Aktionäre der Commerzbank haben in 26 Jahren Dax-Zugehörigkeit ihrer Aktien nicht nur gelitten. Aber kein anderes aktuelles Dax-Mitglied der ersten Stunde hat seinen Aktionären über die gesamte Wegstrecke mehr Verluste eingebracht. 213 D-Mark kostete eine Commerzbank-Aktie zum Jahresende 1987. Berücksichtigt man die Währungsumstellung, etliche Kapitalerhöhungen und die im Jahr 2013 erfolgte Zusammenlegung von zehn Commerzbank-Aktien zu einer Aktie, ergibt sich ein bereinigter Anfangskurs für eine Commerzbank-Aktie von 61,69 Euro. Bezogen auf diesen Kurs beklagen Commerzbank-Aktionäre heute einen Verlust von 81 Prozent.

          Dabei entwickelte sich die Commerzbank-Aktie anfangs gut. Die Glanzjahre liegen in der Periode von 1996 bis zum Jahr 2000, als der bereinigte Kurs von 100 auf fast 265 Euro kletterte. Aber auch schon damals war die Commerzbank nichts für schwache Nerven. Als ihr Liquiditätsschwierigkeiten nachgesagt wurden, fiel der Kurs wie ein Stein von 260 auf 32 Euro im März 2003. Bis zum Ausbruch der Krise am amerikanischen Hypothekenmarkt im Sommer 2007 ging es für die Aktie wieder bis auf gut 220 Euro hoch. Zwar wurde der Höchstkurs aus dem Jahr 2000 nicht wieder erreicht. Aber dank einiger Kapitalerhöhungen zuvor erreichte die Commerzbank im Mai 2007 den höchsten Marktwert mit 24,6 Milliarden Euro. Heute kommt die Commerzbank auf einen Börsenwert von 13,2 Milliarden Euro und verdiente im ersten Quartal 2014 exakt 200 Millionen Euro. Dabei ist das im Vergleich zu den Krisenjahren schon eine Verbesserung.

          2007 lag die Übernahme der Eurohypo zwei Jahre zurück, und die Commerzbank suchte nach weiteren Akquisitionsmöglichkeiten. Fast das Genick gebrochen hat der Commerzbank dann der Erwerb der Dresdner Bank für 9,8 Milliarden Euro im September 2008. Nur zwei Wochen nach Bekanntgabe dieses Deals ging Lehman Brothers bankrott, die Finanzmarktkrise verschärfte sich, und die Bundesregierung musste die Commerzbank mit 18,2 Milliarden Euro Staatshilfe im Winter 2008/2009 retten. Die Aktionäre mussten bis zum Juli 2013 warten, bis der vorläufige Tiefpunkt ihres Commerzbank-Engagements erreicht war. Erst nach Absturz auf 5,80 Euro fand der Commerzbank-Kurs Halt. Heute kostet die Aktie rund 12 Euro. Dem Bund gehören noch 17 Prozent. Er ist für 25,88 Euro eingestiegen.

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