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Aktienanlage : Das halten Analysten von der Apple-Aktie

  • -Aktualisiert am

Apple will mit seinen neuen Produkten an alte Erfolge anknüpfen. Bild: AP

Viele Analysten glauben an eine Kurserholung - und warten mit Spannung auf ein Jubiläum im Jahr 2017. Beim Kursziel gibt es eine große Spanne.

          Die ersten Reaktionen der Wall Street auf die neuen Produkte von Apple waren wenig freundlich. Der Aktienkurs des kalifornischen Technologiekonzerns ging in den zwei Handelstagen nach Vorstellung der neuen iPhone-Generation und einiger anderer Innovationen mit einem Minus von fast 5 Prozent deutlich auf Talfahrt. Da schon in den Wochen vor der Produktpräsentation am vergangenen Mittwoch wichtige Details über das neue iPhone 7 - etwa die fehlende Kopfhörerbuchse - durchgesickert waren, mangelte es der eigentlichen Veranstaltung am Überraschungsfaktor. Es ging fast nur noch um die Bestätigung von Gerüchten, die die Finanzmärkte längst aufgesogen hatten.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Auch aus diesem Grund nahm Analyst Maynard Um von der Bank Wells Fargo seine Kaufempfehlung für die Apple-Aktien zurück und prognostiziert nur noch eine marktneutrale Entwicklung. Die positiven Aspekte des neuen iPhone 7 wie die verbesserte Kamera und die - wegen der verschwundenen Kopfhörerbuchse - nun gewährleistete Wasserdichtigkeit seien bekannt und damit vom Aktienkurs reflektiert gewesen.

          Der Analyst hält den Kurs der Apple-Aktie jetzt nur noch zwischen 105 Dollar und 120 Dollar für richtig bewertet, was nach den Kursrückschlägen der vergangenen Tage immerhin möglichen Kursgewinnen von 2 bis 16 Prozent entspricht. Darüber hinaus sei das Kurspotential allerdings „begrenzt“. Der Aktienkurs von Apple schloss am Freitag bei rund 103 Dollar und ist damit im Vergleich zum Jahresanfang um 2 Prozent gefallen. Dagegen liegt der amerikanische Aktienindex Dow Jones im gleichen Zeitraum trotz jüngster Rückschläge immer noch um fast 4 Prozent im Plus.

          APPLE

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          Wells-Fargo-Analyst Um ist mit seiner skeptischen Haltung allerdings in der Minderheit. Bei den meisten Banken und Wertpapierhäusern steht Apple, das gemessen am Börsenwert größte Unternehmen an der Wall Street, weiter auf der Empfehlungsliste. Das iPhone, von dem seit dem Debüt im Jahr 2007 mehr als 1 Milliarde Stück verkauft wurden, ist das populärste Smartphone der Welt und steuert mehr als die Hälfte zum Umsatz von Apple bei. Die aktuelle Debatte an der Wall Street dreht sich vor allem darum, ob die Innovationen ausreichen, Besitzer älterer Geräte zur technologischen Aufrüstung und zum Kauf eines iPhone 7 zu bewegen.

          Da Apple jedes Jahr im September neue Geräte vorstellt, zirkulieren bereits Gerüchte über ein mögliches iPhone 8 im kommenden Jahr. Da das wichtigste Produkt von Apple dann zehn Jahre alt wird, spekulieren Analysten darauf, dass Apple zum Jubiläum ein bahnbrechendes neues Design präsentieren wird und nicht nur eine Weiterentwicklung der bekannten Modelle wie in diesem Jahr. Analyst Um glaubt, dass mit dem iPhone 8 ein neuer „großer Produktzyklus“ beginnen könnte. Allerdings herrsche „schlechte Sicht“, wie das im Jargon der Wall Street heißt. In anderen Worten: Niemand weiß derzeit etwas Genaues. Um will mit Anlagen in Apple-Aktien erst einmal abwarten. „Wir glauben, es ist zu früh“, schreibt er.

          Die größten Optimisten sehen ein Kursziel von 150 Euro

          Auch die Analystin Katy Huberty von der Bank Morgan Stanley richtete ihr Augenmerk nach der „wie erwartet“ verlaufenden Präsentation in der vergangenen Woche auf ein potentielles iPhone 8. Wie Um glaubt sie, dass das für Apple der Beginn eines neuen „Superzyklus“ sein könnte, vergleichbar der Markteinführung des iPhone 6 und iPhone 6 Plus vor zwei Jahren. Diese iPhone-Generation unterschied sich von den Vorgängern unter anderem durch deutlich größere Bildschirme.

          Die iPhone-7-Modelle bauen auf dem Design der Sechserreihe auf. Huberty glaubt aber, dass die angekündigte längere Batterielebenszeit der neuesten iPhones ein wichtiger Kaufanreiz sei. „In unserer weltweiten Umfrage unter Smartphone-Nutzern wurde am meisten über die Batterielebenszeit geklagt“, berichtet Huberty. Jegliche Verbesserung könnte mehr Nutzer dazu bringen, ihre iPhones zu erneuern. Huberty unterstellt den Apple-Aktien ein Kurspotential von knapp 20 Prozent auf 123 Dollar.

          Apple selbst rechnet mit starker Nachfrage nach dem iPhone 7. Behält der Konzern recht, könnte der in den vergangenen beiden Quartalen negative Verkaufstrend für die internetfähigen Handys ein Ende finden. Für das erste Verkaufswochenende prognostiziert Apple, dass die Nachfrage der Vorbestellungen das verfügbare Angebot übersteigen wird. „Wir wissen, dass das iPhone 7 ausverkauft sein wird“, teilte der Konzern selbstbewusst mit.

          Optimisten an der Wall Street, darunter die Analysten der Bank of America Merrill Lynch, kalkulieren nicht nur mit starkem Interesse am iPhone 7, sondern auch an den anderen neuen Apple-Produkten wie den kabellosen Kopfhörern für 175 Euro. Neben langfristig positiven Geschäftsaussichten für Apple in China rechnen die Auguren auch mit größeren Gewinnmargen wegen der höheren Preise für das iPhone 7. Das kleinere der beiden Smartphones ist in Deutschland ab 16. September für 759 Euro, die Plus-Version ab 899 Euro zu haben. Auch die Analysten der Citigroup glauben, dass die satten Preise für das iPhone 7 und die kabellosen Kopfhörer zu höheren Gewinnerwartungen und zu einer besseren Stimmung der Investoren führen werden.

          Mit zu den größten Optimisten an der Wall Street gehören die Analysten der Credit Suisse, die ein Kursziel von 150 Dollar für die Aktien von Apple ausgeben - das entspräche einem Kursaufschlag von 45 Prozent. Die neuen Produkte signalisierten andauernde Innovationen, verstärkten eine insgesamt solide Produktpalette und seien eine robuste Basis für das wachsende Dienstleistungsgeschäft des Konzerns, heißt es in einem Bericht der Schweizer Bank.

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