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Das Börsenjahr : Prognose-Hokuspokus auf den Finanzmärkten

Da sind Analysten immer noch zuverlässiger. Bild: REUTERS

Prima, der Dax steigt auf 10.000 Punkte: Warum glauben wir Analysten, wenn sie doch fast immer falsch liegen? Das vergangene Jahr wartet mit einigen Extrembeispielen auf.

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          Stellen wir uns mal vor, wir sind auf einem Jahrmarkt. Dort gibt es natürlich neben all den Achterbahnen auch eine Wahrsagerin. Wir haben unsere Anlageentscheidung für das aktuelle Jahr noch nicht getroffen. Warum sich also nicht von der Wahrsagerin helfen lassen? Sie reibt kurz ihre Kristallkugel, der Tisch wackelt kurz und etwas Nebel kommt aus den Ecken des Zeltes – und Überraschung: Der Dax landet bei 10.000 Punkten zum Jahresende 2014. Würden Sie danach ihre Anlageentscheidung ausrichten? Sicher nicht. Denn es ist ja wohl viel sicherer, der Hausbank zu vertrauen.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Schaut man sich aber die Prognosen der Analysten renommierter Banken zum Daxverlauf des vergangenen Jahres 2013 an, kann jedem Anleger nur angst und bange werden. Beispiele gefällig? Die französische Großbank Société Générale schätzte den Dax auf 7.250 Punkte zum Jahresende 2013 – am letzten Handelstag des Jahres schloss er bei 9.552 Punkten. Die Analysten haben sich mal eben um gut 2.300 Punkte verschätzt, um mehr als 25 Prozent lagen sie daneben. Zugegeben, ein Extrembeispiel. Aber selbst der Durchschnitt aller Prognosen der von uns befragten Banken im Vorjahr liegt bei nur 8.069 Punkten. Immer noch deutlich an der Realität vorbeigeschrammt. Noch krasser wird der Unterschied beim Goldpreis. Die Commerzbank sah ihn für das Jahresende 2013 bei 2.000 Dollar. Zum Jahreswechsel hielt er sich mit Not und Mühe über 1.200 Dollar. Der Unterschied zwischen den Analysten und der Wahrsagerin: Die Analysten haben – hoffentlich – nicht Hühnchenknochen geworfen, um ihre Prognose abzugeben.

          Ein Bär wird schneller gefeuert

          Wie können Menschen, die ihren Broterwerb damit bestreiten, Finanzmärkte zu beobachten, so stark danebenliegen? Die Banken haben Millionen und Abermillionen in hochkomplexe Computermodelle investiert, welche die Gewinne und Verluste präzise berechnen, um daraus Prognosen für die Aktienkurse zu ziehen. Es liegt aber in der Natur von Vorhersagen, dass sie umso schwieriger werden, je weiter sie in der Zukunft liegen. Tippt man eine Entscheidung falsch, hat das automatisch Folgen für die nächsten. Pfadabhängigkeit nennen das Wirtschaftshistoriker. Gehen Analysten zum Beispiel davon aus, dass die amerikanische Notenbank Fed ihr Anleihenkaufprogramm im Februar 2014 einstellt und daraufhin die Kurse einstürzen, sind alle Folgeprognosen verzerrt, sollte es nicht so kommen. Andere Ereignisse lassen sich kaum vorhersagen: Kein Beobachter ging 2012 davon aus, dass EZB-Präsident Mario Draghi die „Bazooka“ auspackt und ankündigt, notfalls unbegrenzt Staatsanleihen aufzukaufen.

          Die Frage muss aber erlaubt sein: Warum geben die Banken überhaupt Geld für Jahresprognosen aus, wenn sie doch nie stimmen? Zur Ehrenrettung der Geldhäuser lässt sich anführen, dass dieses Jahr wirklich außergewöhnlich gut verlief. Und um im Positiven zu bleiben: Nicht bei allen Dingen verschätzten sich die Analysten so stark. Den Ölpreis für die Sorte Brent schätzten sie mit 112 Dollar je Barrel sehr präzise ein – er eröffnete am Donnerstagmorgen bei 111,20 Dollar.

          Außerdem fällt auf, dass die von uns befragten Analysten immer optimistisch sind: In den vergangenen 10 Jahren haben sie stets steigende Kurse vorhergesehen. Warum das so ist, dafür hat ein Analyst im „Wall Street Journal“ eine schöne Erklärung gefunden: „Wenn du ein Bulle bist und falsch liegst, wird dir verziehen. Wenn du ein Bulle bist und recht hast, lieben sie dich. Wenn du ein Bär bist und recht hast, wirst du respektiert. Aber wenn du ein Bär bist und falsch liegst, wirst du gefeuert.“

          Wie sollten Anleger nun mit diesen Analysen umgehen? Zuallererst sollten Investoren die Prognosen als das ansehen, was sie sind: Schätzungen und keine Punktlandungen. Bildet man zudem einen Mittelwert aller Prognosen, hat man zumindest einen Anhaltspunkt. Denn auch wenn die Analysten schlecht aussahen: Am Ende sind sie immer noch zuverlässiger als der morgendliche Kaffeesatz, der gelesen wird.

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