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Bankenlandschaft : „Deutsche Banken sind besonders ertragsschwach“

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Emmerich Müller, persönlich haftender Gesellschafter, zuständig für das Privat Banking, der Frankfurter Privatbank B.Metzler. Bild: Frank Röth

Das Bankhaus Metzler sieht sich auf gutem Wege, ist aber besorgt für die deutsche Finanzbranche insgesamt.

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          Bilanzpressekonferenzen des Frankfurter Privatbankhauses Metzler geben traditionell einen unvollständigen Einblick in die Geschäftslage des Hauses. Seit vielen Jahren schüttet Metzler konstant eine Dividende von 2,3 Millionen Euro aus, während die stillen Reserven um einen unbekannten Betrag dotiert werden. Immerhin, ein offen ausgewiesenes Eigenkapital von gut 200 Millionen Euro und eine im Branchenvergleich sehr hohe Eigenkapitalquote von mehr als 20 Prozent deuten auf eine gute Gesundheit hin. „Wir können ihnen wiederum über ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2015 berichten“, sagte Emmerich Müller aus dem Partnerkreis der Bank. „Wir hatten einen guten Start ins neue Jahr.“

          Gar nicht optimistisch äußerte sich Müller über den Zustand des Bankgewerbes insgesamt. Zwar sei es durch zusätzliche Eigenmittel und eine niedrigere Verschuldung insgesamt stabiler geworden. Aber die Grundprobleme wie hohe Regulierungskosten und das Niedrigzinsumfeld blieben. „Die europäischen Banken sind im globalen Kontext wenig profitabel“, führte Müller aus, der anschließend darauf hinwies, dass innerhalb Europas das deutsche Kreditgewerbe besonders ertragsschwach sei.

          „Dafür gibt es unter anderem historische Gründe“, sagte Müller, der auf eine „extreme Zersplitterung“ mit vielen kleinen Banken und Sparkassen in Deutschland verwies sowie auf die Unfähigkeit, bis heute Zusammenschlüsse über die Grenzen von Privatbanken, Genossenschaftsbanken und Sparkassen hinweg zu organisieren. Als wirtschaftliches Grundübel unserer Zeit bezeichnete Müller den jahrzehntelangen Aufbau einer zu hohen öffentlichen und privaten Verschuldung, die auf der Weltwirtschaft laste.

          Müllers Kollege Michael Klaus äußerte sich kritisch gegenüber der expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Sie stelle für das Bankgewerbe insgesamt eine Belastung dar und bedrohe auf die Dauer die Existenz der Anbieter privater Altersvorsorge und die Lebensversicherer, sagte Klaus. „Die Schmerzgrenze haben wir schon lange hinter uns gelassen“, konstatierte Klaus, der auf längere Zeit keine Änderung der Situation erwartet.

          Auch wenn das Bankhaus Metzler, in dem das Zinsgeschäft traditionell keine bedeutende Rolle spielt, von der Geldpolitik weniger nachteilig betroffen sein mag als andere Banken, sind dort die Folgen spürbar. „Wir können uns nicht uneingeschränkt freuen, wenn wir Vermögen zur Verwaltung erhalten, denn ein Teil des Vermögens soll in Form von Geld gehalten werden“, betonte Klaus. In einer Welt negativer Zinsen werde die Liquiditätssteuerung aber zu einer schwierigen Aufgabe. „Wir legen in der Regel kein Geld über Nacht bei der EZB zu einem negativen Zins an“, sagte Klaus. „Wir nutzen andere Instrumente, die sich am Markt bieten, wie die Wertpapierleihe, Repo-Geschäfte oder zinsgesicherte Wertpapierportfolios.“

          In der Bankbranche seien viele Fehler gemacht worden, aber die Banken trügen auch nicht für jede Fehlentwicklung die Verantwortung, stellte Müller fest, der für Metzler festhielt: „Wir haben kein Cum-Cum, wir haben kein Cum-Ex und wir haben keine Panama-Gesellschaften.“ Natürlich sei Metzler auch von bekannten Anwälten angesprochen worden, die für Kunden Cum-Cum-Geschäfte anbieten wollten. Metzler habe dies abgelehnt, aber es gelte auch: „Wir wollen uns nicht moralisch über andere erheben.“

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