https://www.faz.net/-gv6-8wrnj

Wochenausblick : Das Rückschlagsrisiko wird größer

  • Aktualisiert am

Die verkürzte Karwoche könnte an den Börsen politisch beeinflusst werden. Bild: dpa

In der verkürzten Karwoche steht die Börse unter dem Eindruck geopolitischer Risiken. Für den Dax, der sich noch in der Vorwoche seiner zwei Jahre alten Rekordmarke genähert hatte, wird die Luft ohnehin dünner. Die Gründe sind vielfältig.

          3 Min.

          Das geopolitische Umfeld könnten diese Woche an den Aktienmärkten bestimmend sein. Neben der unsicheren weltpolitischen Lage und drohender Handelskonflikte mit den Vereinigten Staaten könnten auch klare Signale einer strafferen Geldpolitik Amerikas die Anleger von neuen Engagements fernhalten.

          „An den Finanzmärkten ziehen kurz vor Ostern Wolken auf", sagt ein Marktteilnehmer. Zwar sei die Zeit vor den Feiertagen traditionell eher gut, so dass der Dax einen zweiten Versuch auf sein Rekordhoch starten könnte. Doch was danach komme, sei zunehmend politisch beeinflusst. Ein mögliches Einschreiten Amerikas beim Krieg in Syrien und eine Konfrontation mit Russland könnte die Börsen wieder sehr politisch machen. Angesichts der Fallhöhe, die Dax und Dow Jones aufgebaut haben, steigen die Risiken am Markt.

          Auch Marktkenner Ulf Krauss von der Helaba sieht die fragile geopolitische Lage mit dem Raketenangriff auf das syrische Militär noch unübersichtlicher werden: „Die zeitweise gute Stimmung zwischen Russland und der neuen amerikanischen Administration hat sich eingetrübt." Zudem sei unklar, ob es gelinge, das nuklear aufstrebende Nordkorea unter Kontrolle zu bringen. „An den Aktienmärkten sind die politischen Unsicherheiten bislang weitgehend ignoriert worden - dies könnte sich nun ändern", so Krauss. Auch das Risiko eines Handelskrieges zwischen den Vereinigten Staaten und China sei trotz der aktuellen Entspannungsphase wohl noch lange nicht gebannt.

          „Das Vertrauen in Aktien schwindet"

          Patrick Hussy, Geschäftsführer des Forschungsunternehmens Sentix, sieht nach dem jüngsten Höhenflug des Dax die Gefahr einer kurzfristigen Korrektur um 5 bis 10 Prozent. „Das Vertrauen in Aktien schwindet", stellte Hussy fest und verwies darauf, dass Präsident Donald Trump aktuell bei vielen Anlegern als Treiber von Konjunkturerwartungen und Aktienkursen erst einmal an Wirkung verloren habe.

          DAX ®

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Auch die Analysten der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) sehen ein zunehmendes Rückschlagrisiko. Zwar seien die Fundamentaldaten weiterhin positiv: "So steht die Dividendensaison bevor und auch die Unternehmensgewinne entwickelten sich zuletzt besser als erwartet." Allerdings deuteten quantitative Analysen darauf hin, dass die Hausse in einer reifen Phase angelangt sei und die Börsen bereits viel Positives eingepreist hätten, schrieben die LBBW-Experten.

          EUR/USD

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Aus Sicht von Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers, tut die Verschnaufpause zwischen 12.000 und 12.400 Punkten dem Dax gut. „Europas Börsen bleiben attraktiver als die Wall Street", ist sich Greil sicher.

          Konjunkturell steht die Karwoche im Zeichen neuer Inflationsdaten. Am Dienstag werden die Verbraucherpreise für Großbritannien, am Mittwoch für China, am Donnerstag für Deutschland und am Freitag für die Vereinigten Staaten veröffentlicht. Hinzu kommen eine Reihe von Produzenten-Preisdaten. Zudem stehen am Dienstag in Deutschland die ZEW-Konjunkturerwartungen und in Euroland die Industrieproduktion auf der Agenda. Hinzu kommen am Donnerstag in Amerika das Michigan-Verbrauchervertrauen und am Freitag die Einzelhandelsumsätze.

          Berichtssaison läuft wieder an

          Aus Unternehmenssicht stehen bereits einige Zahlen zum ersten Quartal vor der Tür, kaum dass die Jahresabschlüsse für 2016 veröffentlicht sind. „Positive globale Wirtschaftsdaten, anhaltendes Wachstum der M1-Geldmenge, anziehende Geschäfte in China und ein im Vergleich zum Vorjahresquartal niedrigerer Euro-Dollar-Kurs sollten dafür sorgen, dass die Berichtssaison positiv verläuft", glaubt Aktienmarktexperte Markus Wallner von der Commerzbank. Dies dürfte sich Wallner zufolge positiv auf die Gewinnerwartungen der Analysten bei vielen Dax- und M-Dax-Unternehmen auswirken.

          In Deutschland geht es erst nach Ostern mit den Quartalszahlen los, aus der Eurozone berichten aber bereits der französische Luxusgüterkonzern LVMH (Montag), der schweizerische
          Duftstoffhersteller Givaudan (Dienstag) und der französische Handelsriese Carrefour über ihre Umsatzentwicklung im ersten Jahresviertel. In den Vereinigten Staaten veröffentlichen am Freitag die Großbanken JPMorgan, Citigroup und Wells Fargo ihre Quartalsberichte.

          Euro weiter unter 1,06 Dollar

          Der Euro hat sich am Montag kaum von seinen jüngsten Verlusten erholen können. Im asiatischen Handel kostete die Gemeinschaftswährung im Tief 1,0570  Dollar. Das war der niedrigste Stand seit etwa einem Monat. Am Morgen erholte sich der Euro auf 1,0590 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Freitag auf 1,0630 Dollar festgesetzt.

          Zum Wochenstart dürften die Impulse seitens Konjunkturdaten sehr begrenzt bleiben. Zahlen aus der ersten Reihe, die zu regelmäßiger Marktbewegung führen, werden nicht veröffentlicht. Am späten Abend
          wird Amrikas Notenbankchefin Janet Yellen an einer öffentlichen Diskussionsrunde teilnehmen. Es könnten Äußerungen zur aktuellen Geldpolitik fallen. Zuletzt profitierte der Dollar vom moderaten Straffungskurs der Fed.

          Weitere Themen

          EZB mahnt Banken zu Vorsicht

          Lascher Umgang mit Risiken : EZB mahnt Banken zu Vorsicht

          Die Geldhäuser des Euroraums haben aus Sicht der Bankenaufsicht die Krise bislang relativ glimpflich überstanden. Allerdings gebe es Schwachstellen hinsichtlich der Kreditrisiken.

          Topmeldungen

          In der Schusslinie: Kölner Erzbischof Woelki könnte in einem Missbrauchsfall besser im Bilde gewesen sein, als er zugibt (Archivbild).

          Missbrauch in der Kirche : Verantwortliche ohne Namen

          Hat der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki 2015 einen Missbrauchsfall vertuscht? Der Verdacht wurde nach Rom gemeldet. Doch der Vatikan ließ die selbstgesetzte Antwortfrist verstreichen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.