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Bankaktien : Nur eine Verschnaufpause für Banken

Zurückhaltung gefordert: Am Anleihemarkt kann die Deutsche Bank noch nicht glänzen. Bild: dpa

Die Kurse von Aktien und Anleihen haben sich wieder erholt - das haben die Banken der EZB zu verdanken. Die Zweifel an der Ertragslage sind damit aber nicht aus der Welt. Das hat Gründe.

          Das Schlimmste haben die Bankaktien wohl hinter sich. Zu dieser Hoffnung geben die deutlich erholten Aktienkurse Anlass, aber auch die wieder besseren Bewertungen an den Anleihemärkten. Die Banken haben einen Teil des verlorenen Vertrauens wiedergutgemacht, aber die Investoren zweifeln weiter an der künftigen Ertragslage.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Verschnaufpause haben die Banken der Europäischen Zentralbank (EZB) zu verdanken. Die Notenbank will die Banken im Rahmen von Sonderfinanzierungsgeschäften (TLRO) derart günstig finanzieren, dass sie bei entsprechend hoher Kreditvergabe sogar zu einem negativen Zins Mittel aufnehmen können. Dann müssten sie weniger zurückzahlen, als sie von der EZB an Geld erhalten haben. Die Analysten der DZ Bank werten diese Finanzierungsgeschäfte der EZB als Unterstützung des Bankensektors.

          Deutsche Bank wieder stabiler

          Das spiegelt auch die Risikoprämie der Deutschen Bank wider. Die Prämie für eine Kreditausfallversicherung auf die Deutsche Bank hat sich deutlich verringert. Die Absicherung einer Forderung von 100.000 Euro kostet eine jährliche Prämie von 1430 Euro nach 2160 Euro vor der Ankündigung der EZB-Maßnahmen. Auch der Aktienkurs hat sich seitdem um 5 Prozent Euro erhöht, auch wenn es am Dienstag bergab ging.

          Nun traut sich die Bank wieder an den Anleihemarkt und will einen dreijährigen Titel über 1,5 Milliarden Euro begeben. Dass die Märkte bestimmten Banken wieder vertrauen, bewies nun die Schweizer Großbank UBS. Sie begab besondere Risikoanleihen zur Verlustabdeckung, sogenannte „Coco Bonds“ (Contingent Convertible Bonds), im Volumen von 1,5 Milliarden Dollar. Es sind die ersten Nachrangtitel dieser Art, die eine europäische Bank seit Mitte Januar plaziert hat. Die Investoren fragten den UBS-Titel mit 8 Milliarden Dollar nach. Auch andere Banken dürften sich nun ermutigt fühlen.

          Deutsche Bank räumt Kommunikationsschwierigkeiten ein

          Die Deutsche Bank wird sich hier wohl noch zurückhalten, obwohl sie bis zum Jahr 2020 weitere Coco-Anleihen über 4 Milliarden Euro zur Stärkung des Kapitals begeben will. Bislang hat sie schon solche Titel über 4,6 Milliarden Euro begeben. Aber Anfang Februar war der Vorstand gezwungen, den Investoren zu versichern, dass diese Titel bedient werden können. Der Ko-Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, John Cryan, führte im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung die Verunsicherung am Markt auf die gesetzliche Vorgabe zurück, dass die Ausschüttung für die Coco-Anleihen aus den Rücklagen der HGB-Bilanz erfolgt. Die deutsche Rechnungslegung sei ausländischen Investoren nicht geläufig.

          Der für Bankenaufsicht zuständige Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret erklärt die deutlichen Kursausschläge bei den vergleichsweise neuen Kapitalinstrumenten mit der noch geringen Erfahrung an den Märkten mit dieser Anleiheform. Nun will die EU-Kommission prüfen, ob die Banken bei der Bedienung mehr Spielraum erhalten. Die Bankenaufseher der EZB hatten darauf hingewiesen, in welche unangenehmen Situationen Banken geraten, wenn die Märkte nicht erkennen können, ob die Coco-Anleihen bedient werden dürfen. Die Deutsche Bank räumt ein, dass es nicht gelungen sei, die sehr technischen Aspekte der neuen Haftungsregeln klar und deutlich zu kommunizieren.

          Neue Haftungsregeln sorgen für Verunsicherung

          Doch für die Skepsis an den Märkten gibt es noch andere Gründe: Die Analysten von Morgan Stanley und die Berater von Oliver Wyman erwarten in einer gemeinsamen Studie, dass die europäischen Banken in den kommenden zwei Jahren ihre Bilanzsumme weiter um rund 10 Prozent reduzieren müssen. Die extrem niedrigen Zinsen verschärften das Problem der geringeren Liquidität an den Finanzmärkten. All das belaste die Erträge. Europas Banken würden deshalb nicht profitabel genug sein, um ihre Kapitalkosten zu verdienen. Das ist eine Folge der härteren Regulierung.

          Darüber hinaus sorgen die neuen Haftungsregeln für Verunsicherung statt für klare Verhältnisse. Die Ko-Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Cryan und Jürgen Fitschen, verwiesen dabei auf die voreilige Umsetzung in Deutschland, wodurch die Anleihen deutscher Banken zwar zum Haftungskapital in einer Schieflage hinzugezählt werden, dafür aber am Markt als riskanter wahrgenommen werden. In anderen europäischen Ländern sind ähnliche Gesetze in Vorbereitung, aber noch nicht verabschiedet worden. Die fehlende Harmonisierung ist ein Problem. Nun versuchen Länder wie Frankreich und Italien die in der Abwicklungsrichtlinie verabschiedeten Haftungsregeln wieder aufzuweichen. In Deutschland wird das abgelehnt. Die Bundesbank steht nach den Worten Dombrets voll hinter dem neuen Regelwerk für Kreditinstitute. Es nach seinem Inkrafttreten in Frage zu stellen, wäre das falsche Signal.

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