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Corporate Governance : Aktionäre wollen über Gehälter abstimmen

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Bild: F.A.Z.

Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger verurteilt den "Schweigepakt" der Dax-Unternehmen über Managerbezüge und fordert ein Mitbestimmungsrecht der Aktionäre. Angeprangert werden auch „räuberische Großaktionäre".

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          Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) fordert ein Mitbestimmungsrecht der Aktionäre über die Managergehälter. "Die Eigentümer sollen jährlich in der Hauptversammlung über die Vergütungen der Vorstandsmitglieder abstimmen", verlangte SdK-Vorstandsmitglied Willi Bender am Dienstag in Frankfurt.

          Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) solle zudem eine gesetzliche Pflicht schaffen, sämtliche Vergütungsbestandteile zu veröffentlichen. Der Anlegerverband verurteilte den "Schweigepakt" von Dax-Unternehmen, die entgegen den Empfehlungen des Deutschen Corporate Governance Kodex die Vorstandsbezüge nicht individuell offenlegen.

          "Den Fall Mannesmann hätte es dann nie gegeben", sagte Bender. Die Vergütungen seien in den vergangenen Jahren im Verhältnis zum Gewinn und den Dividendenausschüttungen vielfach überproportional gestiegen - "in Größenordnungen, die für Aktionäre teilweise nicht mehr akzeptabel sind". Negativbeispiele seien vor allem Daimler-Chrysler und die Deutsche Bank. Solche "Auswüchse" gebe es nur in anonymen börsennotierten Publikumsgesellschaften ohne starken Großaktionär.

          Präsenzquote an der Hauptversammlung sollte gestärkt werden

          SdK-Vorstandsmitglied Harald Petersen erinnerte an Vorwürfe des Landgerichts Düsseldorf, Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann habe als Mannesmann-Aufsichtsrat "eklatante Verstöße gegen das Aktienrecht" begangen. Deshalb müsse mit Ackermann "ein sehr ernstes Gespräch" über seine Kenntnisse des deutschen Aktiengesetzes geführt werden: "Es kann nicht sein, daß Aufsichtsräte so besetzt sind."

          Die Vereinigung bedauert, daß immer weniger Aktionäre an den Hauptversammlungen teilnähmen und die Präsenzquote weiter gesunken sei. Im vergangenen Jahr habe sie bei den 30 Dax-Gesellschaften im Schnitt nur noch bei 45,3 Prozent gelegen. Investmentfonds und andere Kapitalsammelstellen hielten zwar 65 Prozent der Aktien, beteiligten sich aber nur selten an Abstimmungen. Die Aktionärslobby SdK fordert daher eine gesetzliche Pflicht für in Deutschland zugelassene Fonds, ihre Macht zu nutzen. Sie sieht jedoch deutsche Fondsgesellschaften oft in einem Interessenkonflikt gegenüber den jeweiligen Bankhäusern, denen sie gehören. "Sie sind nicht so unabhängig, wie sie gerne vorgeben", sagte SdK-Vorsitzender Klaus Schneider.

          Die ausgeprägte Länge weniger Aktionärstreffen rechtfertige nicht die von der Bundesregierung geplante Gesetzesreform, nach der Versammlungsleiter die Wortbeiträge leichter beschränken können. Ein "Exzeß" sei allerdings die zweiundzwanzigstündige Hauptversammlung von Celanese gewesen, räumte Schneider ein. Dort sei das Rede- und Fragerecht "über Gebühr" strapaziert worden.

          "Dreiste Machenschaften räuberischer oder erpresserischer Großaktionäre"

          Die Anlegervereinigung prangert überdies "dreiste Machenschaften räuberischer oder erpresserischer Großaktionäre" an. Gemeint sind Streitigkeiten bei der Mannheimer Holding, bei Primacom, W.E.T., HIT Herlitz International Trading sowie Scholz & Friends. "Räuberischen Charakter" hätten oft auch die Bedingungen, zu denen Minderheitsaktionäre durch einen Zwangsausschluß (Squeeze-out) hinausgedrängt würden. Als "skandalöses" Beispiel nennt die Organisation die Thüga. Dort habe der Hauptaktionär Eon versucht, den Börsenkurs, der für die Barabfindung der Anteilseigner maßgeblich ist, durch Aktienverkäufe nach unten zu drücken.

          Immer wieder würden diese Abfindungen zu niedrig angesetzt, kritisierte Schneider. Denn Wirtschaftsprüfer nähmen als Gutachter im Auftrag der Unternehmen Schätzungen "willkürlich" vor. Die sogenannten Spruchverfahren vor Gericht endeten daher stets mit einer Aufbesserung. Eine Diskrepanz bestehe ferner zu dem Preis, der bei den häufig vorangegangenen Übernahmeangeboten geboten werde. Dieser liege noch unter dem Squeeze-out-Angebot, weil die gesetzlichen Bewertungsmethoden unterschiedlich seien. Ausländische Fonds machten sich das etwa bei Wella und Celanese zunutze, indem sie noch schnell einstiegen und den Ausschluß blockierten.

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