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Computer : Das Hewlett-Packard-Dilemma

  • -Aktualisiert am

HP-Chefin Fiorina hat allen Grund zur Freude Bild: dpa

Auch wenn die Aktien von Hewlett Packard billig erscheinen, warnt Margaret Popper von BusinessWeek Online vor Euphorie.

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          Seit IBM von einem schwerfälligen Hardware-Koloss zu einem schlanken und eleganten Dienstleistungsunternehmen in der Computerbranche geworden ist, sind die Anleger auf der Suche nach anderen Großkonzernen, die sich erfolgreich in wendige und angriffslustige Konkurrenten wandeln könnten. Leider gibt es nur wenige Erfolgsgeschichten wie die von „Big Blue“. Viele Unternehmen haben bereits eine Neuausrichtung versucht und sind gescheitert - wie etwa Digital Equipment.

          Hewlett-Packard steht an einem ähnlichen Scheideweg wie IBM zu Beginn der neunziger Jahre. Nachdem sich das Unternehmen 60 Jahre lang auf die Produktion von Hardware und Ausrüstung konzentriert hat, versucht es jetzt, sich zu einem Dienstleister zu wandeln. Der Aktienkursentwicklung nach zu urteilen - nach einem moderaten Rückgang infolge der Veröffentlichung der revidierten Gewinnerwartungen des Unternehmens am 26. Juli hat sich der Kurs wieder auf 25 Dollar erholt - scheinen die Investoren daran zu glauben, dass sich Hewlett-Packard neu ausrichten kann.

          Bessere Gewinnaussichten

          Die vor kurzem von Hewlett-Packard vorgelegten Kostensenkungsinitiativen könnten zwar zu besseren Gewinnen in den nächsten Quartalen führen. Das Unternehmen ist jedoch noch lange kein schlanker Hecht im Karpfenteich. Wenn man den niedrigen Aktienkurs als günstige Einstiegsmöglichkeit während der Umstrukturierung ansieht, dann sollte man eines nicht vergessen: Hewlett-Packard ist nicht der einzige Hardware-Produzent, der sich derzeit neu strukturiert. Das Unternehmen hat eine ganze Reihe ernsthafter Konkurrenten. Compaq, das in seinem Kerngeschäft mit PCs mit denselben Herausforderungen konfrontiert war wie jetzt Hewlett-Packard, hat bei der Neuausrichtung seiner Produktpalette bereits deutlich größere Fortschritte gemacht - und bereits die meisten wichtigen kostensenkenden Maßnahmen durchgeführt

          Günstige Bewertung der Aktie

          Beide Aktien sind derzeit relativ günstig bewertet. Hewlett-Packard hat jedoch deutlich weniger Fortschritte mit seiner Neuausrichtung gemacht als Compaq. Wenn Anleger auf der Suche nach dem nächsten Fall einer wundersamen Verwandlung wie bei IBM sind, sollten sie sich überlegen, ob Hewlett-Packard möglicherweise vor ähnlichen Problemen stehen könnte wie derzeit Xerox. Der ehemalige Technologieriese, dessen Aktien früher Überflieger waren und jetzt auf einen Kurs von unter zehn Dollar gefallen sind, ist in der Welt des Internet ernsthaft ins Schlingern geraten.

          Noch lange kein wendiges Unternehmen

          Nach Auffassung von Andrew Neff, Analyst bei Bear Stearns, hat Hewlett-Packard Mitte der neunziger Jahre zu wenig Geld in neue Technologien gesteckt. Da fünf Jahre lang zu wenig investiert worden sei, brauche es jetzt eine gewisse Zeit, bis der Konzern wieder Fahrt aufnehmen könne. Das Unternehmen äußerte sich dazu nicht. Sicherlich ist es sinnvoll, im derzeitigen schwierigen Umfeld nach preiswerten Technologie-Aktien Ausschau zu halten. Aber angesichts der breiten Palette an anderen Möglichkeiten sollten Investoren es sich genau überlegen, bevor sie davon ausgehen, dass Hewlett-Packard nach dem Abflauen des Sturms ein wendiges und angriffslustiges Unternehmen ist

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