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Commerzbank-Aktie : Eine Frage des Misstrauens

  • Aktualisiert am

Großreinemachen Bild: dpa

Der Kursverlauf der Commerzbank-Aktie bietet derzeit ein Bild des Grauens. Und dennoch drehen die Notierungen nach anfänglichen Verlusten am Montag ins Plus. Doch die Belastungen auf dem Kurs bestehen trotz der Staatshilfe.

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          Quartalsverlust, Staatshilfe, zwei Jahre lang keine Dividende und auch die Übernahme der Dresdner Bank scheint nun gefährdet. Die Aussichten der Commerzbank-Aktie sind alles andere als gut. Seit Tagen war schon darauf spekuliert worden, dass auch der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank Martin Blessing in den Staatstopf greift (Commerzbank sucht Rettung beim Staat).

          Und dennoch gelang es der Aktie, sich im Handelsverlauf am Montagmorgen aus der Minuszone zu befreien. Gut 9 Prozent im Plus bei 9,20 Euro lag die Notierung am Vormittag. Dabei war der Kurs stürzte im vorbörslichen Handel bei Lang & Schwarz um knapp 9 Prozent in die Tiefe gestürzt, nachdem die Aktie schon am Freitag mit einem Verlust von 6,2 Prozent auf 8,43 Euro aus dem Börsenhandel ging. In den offiziellen Börsenhandel ging die Commerzbank-Aktie am Montag mit einem weiteren Abschlag um 6,4 Prozent auf 8,43 Euro.

          „Nicht in die Irre leiten lassen“

          Banken erheben Finanzgeschäfte gerne zu einer Frage des Vertrauens, die Aktie der Commerzbank ist zu einer Frage des Misstrauens geworden. Auch wenn der Staat nun der Commerzbank beispringt, bestehen die Risiken, die auf dem Aktienkurs lasten, weiter. „Dass nun wirklich das Rettungspaket benötigt wird, dürfte die Aktien kurzfristig nochmal belasten“, sagte ein Börsianer laut der Nachrichtenagentur dpa-AFX. „Die Anleger sollten sich von einer kurzfristigen positiven Reaktion nicht in die Irre leiten lassen“, meinte ein anderer. Mit 8,2 Milliarden Euro nimmt die Commerzbank den Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung in Anspruch. Als stille Einlage des Staates soll der Betrag das Kernkapital der Bank stärken. Außerdem wird der Staatsfonds Schuldverschreibungen von 15 Milliarden Euro garantieren.

          „Das beseitigt die letzten Unklarheiten, aber so deutliche Kursgewinne hätte ich auch nicht erwartet“, sagte ein Händler. Analysten zeigten sich über die Höhe der beantragten Hilfe überrascht. Mehr als 8 Milliarden Euro seien außergewöhnlich viel, hieß es bei Merck Finck & Co. Daneben seien die zugleich veröffentlichten Quartalszahlen schwach, kritisierten Analysten. Mit einem operativen Verlust von 475 Millionen Euro seien seine Erwartungen und die des Konsens enttäuscht worden, schrieb LBBW-Analyst Olaf Kayer. Die Kapitalmaßnahmen bezeichnet er als „massiv“.

          Gestärkt aus der Finanzkrise?

          Wie es um die Bank bestellt ist, zeigt auch, dass Blessing die Veröffentlichung der Quartalszahlen ohne Vorankündigung vom Mittwoch auf den Montagmorgen vorziehen musste. Einen Verlust von 285 Millionen Euro erlitt die Bank im dritten Quartal, nach einem Gewinn von 339 Millionen Euro im Vorjahr.

          „Wir werden gestärkt aus der Finanzkrise herausgehen“, hieß es von Seiten der Commerzbank am Morgen. Doch daran kommen aus dem Aktienhandel insofern Zweifel auf, als die Bank nach wie vor an der Übernahme der Dresdner Bank festhält. 9,8 Milliarden Euro will sie der Allianz für diese Transaktion überweisen - für eine Bank, die in den vergangenen Jahren erheblich an Wettbewerbskraft eingebüßt hat.

          An der Börse werden die Zahlen jedoch ganz anders als vom Commerzbank-Vorstand bewertet. Einer ersten Analysteneinschätzung vom Montagmorgen zufolge sind sie deutlich schlechter als erwartet ausgefallen, meinte dpa-AFX. Der von der Nachrichtenagentur nicht namentlich zitierte Experte machte hierfür insbesondere die höheren Verluste durch Lehman Brothers und Island verantwortlich. Auch größere Abschreibungen auf strukturierte Produkte hätten deutlich auf das Ergebnis gedrückt. Die Inanspruchnahme des Rettunsschirms sei zwar keine Überraschung, die Höhe überrasche dennoch. „Das Volumen deutet auf eine größere Schwäche der Kapitalisierung der Commerzbank hin, als bislang gedacht“, wurde dieser Analyst weiter zitiert.

          Übernahme der Dresdner Bank „nicht nachvollziehbar“

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