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Chance in Zukunftstechnologie : China will Tesla mit eigenen Elektroautos angreifen

Das war 2013. BMw präsentierte sein ersten E-Auto i3 in China. Nun wollen die Chinesen in diesem wichtigen Markt mitreden. Bild: Reuters

Chinas Internetgiganten denken nicht daran, den Amerikanern den E-Auto-Markt zu überlassen. Jetzt hat der Tencent-Konzern das Elektro-Entwicklungsteam eines etablierten Autoherstellers abgeworben – mit Sitz in München.

          Im Herbst 2014 bewarb der Münchener Autohersteller BMW in Chinas Hauptstadt Peking mit viel Tamtam seine drei Jahre zuvor entwickelten Elektroautos der neu gegründeten Untermarke mit dem Kürzel „i“: am Ende einer bombastischen Show, in der allerlei Videos mit begeisterten BMW-Fahrern den Chinesen die lange Geschichte des deutschen Edelherstellers nahe bringen sollten, rollte der i3 mit einem 125 kW starken Elektromotor durch die Menge wie auch der Plugin-Hybrid i8, dessen Elektromotor neben dem Benziner knapp 100 kW schafft.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Eineinhalb Jahre später drehen die Chinesen den Spieß um – und wollen nun mit eigenen Elektroautos in dem zukunftsträchtigen Wachstumsmarkt angreifen. Wie der Nachrichtendienst „Bloomberg“, das „Wall Street Journal“ und das chinesischen Nachrichtenportal „Sina“ berichten, soll BMW sein Kernentwicklungsteam der „i“-Elektroautos an ein Gemeinschaftsunternehmen des chinesischen Internetkonzern Tencent und des taiwanesischen iPhone-Produzenten Foxconn verloren haben.

          Laut den Berichten wechseln die BMW-Manager Dirk Abendroht, Benoit Jacob und Henrik Wenders zu der neu gegründeten Firma „Future Mobility Corporation“. Auch Carsten Breitfeld, der bei BMW demnach für die Entwicklung des Modells „i8“ zuständig gewesen sein soll, wechsle zu dem chinesischen Startup, so die Berichte. Der Münchener Konzern habe den Vorgang nicht kommentieren wollen, jedoch sollen einzelne der scheidenden BMW-Manager ihren Wechsel per Email bereits bestätigt haben, berichtet „Bloomberg“.

          Die als vergleichsweise seriös geltende chinesische Wirtschaftszeitung „21st Century Business Herald“ mit Sitz in der Industriemetropole Guangzhou schrieb im Februar, dass das neue Unternehmen zur Entwicklung von Elektroautos seinen Hauptsitz in der benachbarten Stadt Shenzen haben soll. Aus der für ihre Internetindustrie berühmten Metropole, die auch die Technologiebörse Chinext beherbergt, stammt der Tencent-Konzern. Die Entwicklungszentren der neuen E-Autofirma sollten jedoch nicht in Shenzen aufgebaut werden, sondern in Taiwan und München, zitierte die Zeitung nicht näher genannte Quellen „aus dem Unternehmensumfeld“. Bloomberg berichtet, dass auch im Silicon Valley ein Entwicklungszentrum entstehen solle. Zusammengebaut werden sollen die Fahrzeuge dann im Billiglohnland China.

          Bereits vor zwei Monaten hatte der „Business Herald“ berichtet, dass Tencent derzeit auf der ganzen Welt unterwegs sei, um mit seiner gut gefüllten Kriegskasse Entwicklungsteams anderer Autounternehmen zu Spitzengehältern abzuwerben. Als Beispiel nannte die Zeitung die Luxusmarke Infiniti, die zum japanischen Autohersteller Nissan gehört. Von BMW war noch nicht die Rede gewesen.

          Chinesen wittern bei den neuen E-Autos ihre Chance

          Im März des vergangenen Jahres war Tencent-Gründer Ma Huateng, der auch unter seinem englischen Namen Pony Ma bekannt ist, nach Hunan gereist. Dies ist die Heimatprovinz Maos und auch Sitz des dritten Joint-Venture-Partners Harmony New Energy Auto Holding, die bisher Luxusautos vertreibt. In Hunan traf der Tencent-Gründer auf den Vorstandschef von Foxconn, Guo Taiming. Das chinesische Nachrichtenportal Netease berichtet, die beiden Industrieführer hätten dabei zusammen den Plan ausgeheckt, mit eigenen Elektroautos den amerikanischen Hersteller Tesla anzugreifen.

          Chinas Internetkonzerne, ausgestattet mit gigantischen Mitteln aus ihrem erfolgreichen Geschäft mit den 700 Millionen Internetnutzern des Landes, wollen den Wachstumsmarkt E-Autos nicht dem amerikanischen Hersteller Tesla und dessen möglichem künftigen Wettbewerber Apple überlassen. Die chinesische Regierung hat bereits nicht nur volle Rückendeckung für den Angriffsplan auf die Zukunftsindustrie signalisiert, sondern fordert den Erfolg der heimischen Firmen regelrecht ein – zur Not könnten dabei auch Milliardenkredite der staatlichen Banken nachhelfen. Nachdem das Land es trotz drei Dekaden dauernden Technologietransfers westlicher Autohersteller wie Volkswagen nicht geschafft hat, eine eigene wettbewerbsfähige Fahrzeugindustrie zu schaffen, deren Produkte auf dem Weltmarkt mithalten könnten, wittern die Chinesen bei den neuen E-Autos ihre Chance.

          Tencents schärfster Wettbewerber heißt Alibaba. Der Internetkonzern, den Chinas Wunderkind Jack Ma zum größten Ecommerce-Kaufhaus der Welt gebaut hat, hat ebenfalls längst seine Fühler in die Elektroautoindustrie ausgestreckt. Nach Alibabas phänomenalen Börsengang in New York im Herbst des Jahres 2014 wissen die Alibaba-Manager gar nicht wohin mit den vielen Milliarden, die sie nutzlos auf den Firmenkonten herum liegen haben. Eine Milliarde Yuan (140 Millionen Euro) hat Alibaba gemeinsam mit dem chinesischen staatlichen Autohersteller SAIC aus Schanghai in ein Gemeinschaftsprojekt gesteckt, das Internetautos entwickeln soll. Das Nachrichtenportal Sohu berichtet, den ersten Prototyp des Alibaba-Autos gebe es bei der Automessen in Peking zu sehen. Diese beginnt am kommenden Montag.

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