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China-Aktien : Keine Spur von Euphorie mehr an Chinas Börse

  • Aktualisiert am

Bange Blicke auf den Index Bild: dpa

Sinkende Aktienkurse in China - auch an diesem Donnerstag. Von Olympia-Euphorie ist schon lange keine Rede mehr.

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          Die chinesische Börse bleibt ihrem Ruf als Zockermarkt treu. Seit Juni 2001 sind die Kurse massiv gefallen und am Donnerstag ging es noch einmal deutlich nach unten. So fiel der Shenzhen B-Index um 5,6 Prozent auf 214,50 Punkte und markierte damit ein neues Elf-Monatstief.

          Die Kursgewinne im Zuge der Boomphase im Jahr 2001 sind damit wieder zunichte gemacht. Und ganz kurzfristig betrachtet gibt es auch keine großen Hoffnungen auf eine wieder bessere Kurstendenz. Gegen steigende Notierungen spricht neben den wieder ins Zwielicht geratenen Bilanzierungsmethoden einiger Unternehmen unter anderem die stattliche Zahl neuer Aktienemissionen. Dieses liquiditätsabsaugende Zusatzangebot wurde schon am Donnerstag für die Kursverluste mitverantwortlich gemacht.

          Hinzu kommt als übergeordnetes Probleme die anhaltende Abwertung des Yen. Dies setzt alle andere asiatischen Währungen unter Druck und gerade beim chinesischen Yuan kursieren immer wieder einmal Gerüchte über eine bevorstehende Abwertung. Über die währungsbedingten Wettbewerbsnachteile gegenüber den japanischen Exporteuren werden diese Gerüchte bestimmt demnächst wieder neu aufleben, zumal vielen chinesischen Unternehmen nach dem Beitritt zur Welthandelsorganisation ohnehin ein schärferer Wind entgegen bläst.

          Hoffen auf niedrigere Zinsen

          Den Markt stützen könnten dagegen Zinssenkungshoffnungen. Um das Ziel zu erreichen, im laufenden Jahr nicht zu weit von der im Vorjahr erzielten Wachstumsrate beim Bruttoinlandsprodukt abzuweichen, dürfte es demnächst zu einer Zinssenkung durch die Notenbank kommen. Zumal die fallenden Verbraucherpreise diesem Vorhaben auch nicht entgegenstehen, sondern vielmehr auf eine nachlassende Konsumbereitschaft hindeuten.

          Niedrigere Zinsen würden, wie es Dick Li, Volkswirt bei Goldman Sachs ausdrückt, "die Zinslast bei Staatsunternehmen etwas lindern." Außerdem wären sie vermutlich eine Stütze für den Aktienmarkt. Zumindest glaubt dies Fang Binyin, Händler bei Guotai Junan Securities: "Je früher die Zinssenkung kommt, umso eher wird sich der Aktienmarkt erholen."

          Enttäuschte Hoffnungen

          Egal wie es nun mit den Kursen weitergeht, die jüngsten Verluste haben bereits all jenen Anlegern einen überraschenden Strich durch die Rechnung gemacht, die im Sog der erfolgreichen Olympia-Bewerbung und dem vollzogenen Beitritt zur Welthandelsorganisation auf Rückenwind für den Aktienmarkt gesetzt hatten. Doch die nachfolgende Kursreaktion beweist wieder einmal, dass an der Börse die plausibelsten Gedankengebilde oft nicht aufgehen. Speziell die chniesische Börse hat in dieser Hinsicht schon oft ihr Eigenleben bewiesen.

          Fazit: Die chinesische Börse ist oft unberechenbar. Wie schon in der Vergangenheit wird es auch zukünftig zu heftigen Ausschlägen, sowohl nach oben als auch nach unten kommen. Die Phasen richtig zu bestimmen ist dabei ausgesprochen schwierig. Wer an die Anlagechancen in China glaubt, und die gibt es bei dem Potenzial des Landes trotz der recht hohen Bewertung vieler Aktien (das Kurs-Gewinn-Verhältnis an der Shanghaier Börse liegt bei über 40) allemal, sollte daher ein Engagement nur langfristig in Betracht ziehen. Und es empfiehlt sich vermutlich als Anlagekonstrukt auf einen Fonds und weniger auf Einzelwerte zu setzen.

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