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Aktienmärkte in Asien : Seitwärts in Korea und Taiwan

Die Aktienbörse in Taiwan hatte bis zuletzt eine recht ordentliche Rally hingelegt. Bild: dpa

Die Abhängigkeit von China und der Weltwirtschaft belastet die Aktienmärkte in Koera und Taiwan. Auch der iPhone-Konzern Apple spielt eine große Rolle.

          Die Angst vor dem Brexit hat die asiatischen Börsen zum Wochenauftakt schwer getroffen. In Südkorea verlor der Kospi-Index 1,9 Prozent auf 1979 Punkte. Der Taiex in Taiwan gab 2,1 Prozent auf 8536 Punkte ab. Die Verluste in Seoul und in Taipeh fielen damit geringer aus als die 3,5 Prozent, die der Nikkei-225-Index in Tokio auf 16 019 Punkte abgab. Der Unterschied erklärt sich dadurch, dass der japanische Yen mehr als ein Prozent gegenüber dem amerikanischen Dollar aufwertete und auch quer durch die Bank gegenüber anderen Währungen an Wert gewann. Der Yen wurde so seiner klassischen Rolle als Fluchtwährung in unsicheren Zeiten gerecht. Der koreanische Won und der Taiwan-Dollar wurden dagegen am Montag schwächer gehandelt.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die Unsicherheit über einen möglichen Ausstieg der Briten aus der EU ist nicht die einzige Gemeinsamkeit, die die Aktienmärkte in Korea und Taiwan trifft. Beide Märkte stehen auch vor dem Risiko, dass der Indexanbieter MSCI chinesische A-Aktien in seinen Schwellenmarktindex aufnimmt. Das würde Kospi und Taiex belasten, weil ihr Gewicht in dem Index sänke und sie damit für institutionelle Anleger weniger attraktiv würden. Das gilt umso mehr, als südkoreanische und taiwanische Aktienwerte wegen der engen außenwirtschaftlichen Verflechtung beider Länder mit China fast natürliche Substitute für chinesische Anteilscheine sind. Die Entscheidung von MSCI steht in dieser Woche an.

          Ein Vergleich beider Indizes für die vergangenen Monate zeigt, dass sie sich recht parallel entwickelt haben. Das spiegelt die große wirtschaftliche Abhängigkeit beider Länder von China und der Weltwirtschaft wider. Taiwan zeigt dabei größere Ausschläge als Korea. Seit Jahresbeginn hat der Taiex 2,4 Prozent gewonnen, der Kospi 0,9 Prozent.

          Im Vergleich zum Stand vor einem Jahr liegt der Kospi im Gegenzug nur 1,9 Prozent im Minus, der Taiex dagegen 4,6 Prozent. Die Spekulationen um eine Zinserhöhung der amerikanischen Notenbank Federal Reserve sind dabei für die Aktienmärkte beider Länder eine zweischneidige Sache. Die größere Zinsdifferenz dürfte Kapital abfließen lassen. Andererseits signalisierte eine Zinserhöhung ein robusteres Wachstum in den Vereinigten Staaten, was auch Korea und Taiwan zugutekäme.

          Die Aussichten für beide Aktienmärkte sind wenig prickelnd. Die DBS Bank aus Singapur etwa empfiehlt, Korea und Taiwan in Portfolios unterzugewichten. Der Kospi-Index sei wahrscheinlich vorerst in einer Spanne von 1950 bis 2050 Punkten gefangen. Damit er sich dauerhaft bei mehr als 2000 Punkte etabliere, müssten die Investoren schon mehr Vertrauen in das weltwirtschaftliche Wachstum gewinnen.

          Zuletzt sah man in Taiwan eine recht ordentliche Rally

          Die überraschende Zinssenkung der Bank von Korea in der vergangenen Woche von 1,5 auf 1,25 Prozent hat dem Kospi keinen Auftrieb gegeben. Der Ökonom Christiaan Tuntono von Credit Suisse erwartet wie viele andere, dass die Zentralbank noch vor Jahresende die Zinsen weiter senken könnte. Mit dem Ende finanzpolitischer Impulse dürfte die Binnennachfrage weiter schwach bleiben.

          Die Volkswirtschaft belasten dürfte im zweiten Halbjahr vor allem die von der Regierung angestoßene Umstrukturierung von Industrien wie den Werften oder Reedereien, die Tausende Arbeitsplätze kosten dürfte. Damit verbundene Kapitalspritzen könnten die Aktienkurse der betroffenen Unternehmen gleichwohl steigen lassen. Credit Suisse wie auch die DBS Bank erwarten für dieses Jahr ein Wachstum von 2,6 Prozent und liegen so unter den Prognosen der Bank von Korea oder der Regierung.

          Die Aktienbörse in Taiwan hatte bis zuletzt eine recht ordentliche Rally hingelegt. Seit dem jüngsten Tief Mitte Mai gewann der Taiex-Index rund 8 Prozent. Damit hat die Börse in Taipeh den Apple-Schock vorerst überstanden. Ende April hatte der amerikanische Computerhersteller berichtet, der Absatz sei in den ersten Monaten des Jahres das erste Mal seit 2003 gesunken. Für Taiwans Wirtschaft, die als Zulieferer eine wichtige Rolle in der iPhone-Ökonomie spielt, war das ein Alarmsignal. Ausländische Investoren zogen in der Folge vermehrt Kapital aus dem Land ab.

          Was hat seither die Wende zum Besseren bewirkt? Für eine gewisse Entspannung sorgte, dass die neue Präsidentin Tsai Ing-wen in ihrer Inaugurationsrede am 20. Mai sich moderater gegenüber Festland-China gab als von manchen erwartet. Tsai besteht demonstrativ auf der Unabhängigkeit Taiwans und sieht das Ein-China-Prinzip als überholt an. Zugleich stützten zwischenzeitliche Berichte, dass Apple für das im Herbst erwartete iPhone-Modell deutlich mehr Bestellungen als bisher prognostiziert aufgegeben habe, nicht nur die Schwergewichte im Taiex, Taiwan Semiconductor Manufacturing (TSMC) und Hon Hai Precision Industry.

          Die Regierung hat die Wachstumsprognose von 1,5 auf 1,1 Prozent reduziert. Die DBS-Bank in Singapur erwartet nur noch ein Wachstum von 0,9 Prozent. Ende Juni könnte Taiwans Notenbank den Diskontsatz weiter von derzeit 1,5 Prozent senken. DBS erwartet wie andere Finanzhäuser, dass die Gewinne taiwanischer Unternehmen in diesem Jahr sinken werden.

          Die Skepsis, ob Apple und andere Smartphone-Hersteller in einem gesättigteren Markt neue Verkaufserfolge erlangen werden, ist groß. Zu alledem ist unklar, ob und wie die Volksrepublik auf Tsais Kurs weg von China reagieren wird. In einer Bloomberg-Umfrage Ende Mai schätzten die Beobachter im Durchschnitt, dass der Taiex das Jahr mit 8650 Punkten beenden werde.

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