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Zukunft des Börsenhandels : Chicagoer Börsen verabschieden sich vom Parketthandel

  • -Aktualisiert am

Leben auf dem Parkett Bild: Picture-Alliance

Bis Anfang Juli will sich in Chicago die älteste Terminbörse der Welt vom Parketthandel verabschieden. Auch die Zukunft der berühmten New York Stock Exchange steht in Frage. Die Debatte um die Zukunft des Parketthandels nimmt an Fahrt auf.

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          Das ehemalige Besucherzentrum im Erdgeschoss der New York Mercantile Exchange macht derzeit nicht den besten Eindruck. Hinter den verschlossenen Glastüren stehen Packkartons herum. Buchstaben fehlen an Ausstellungsstücken, und eine Kreidetafel, auf der 1935 die Preise für Terminkontrakte notiert wurden, lehnt abmontiert an einer Wand. Vor dem sechzehnstöckigen, unscheinbaren Hochhaus der Rohstoff-Terminbörse im Süden von Manhattan liegt vereister Schnee. Ein paar Mitarbeiter der Börse stehen in der Kälte und rauchen Zigaretten. Von außen deutet nichts darauf hin, dass hinter der rötlichen Fassade auf dem Parkett der Nymex die globalen Trends für die Preise von Erdöl und Gold gesetzt werden.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Der traditionsreiche Marktplatz, dessen Wurzeln bis zu einer 1872 gegründeten Butter- und Käsebörse zurückreichen, steht vor einer Zäsur. Die Muttergesellschaft der Nymex, die CME Group in Chicago, unter deren Dach sich auch die älteste Terminbörse der Welt, die 1848 gegründete Chicago Board of Trade (CBOT) befindet, will sich bis Anfang Juli weitgehend vom Parketthandel bei allen ihren Tochtergesellschaften verabschieden. Nur der Handel auf den S&P-500-Future bleibt in Chicago auf dem Parkett erhalten.

          Das Handelsparkett wird bald verschwunden sein

          Geschuldet ist der Rückzug vom Parkett dem Siegeszug des elektronischen Handels, für den die Chicago Mercantile Exchange einer der Vorreiter war. Der Handel in den berühmten „Pits“, den Gräben der Handelssäle, in denen wild gestikulierende Händler in bunten Jacken mit besonderen Handzeichen und auf lauten Zuruf Kontrakte auf Weizen, Sojabohnen, Schweine, Rinder und in späteren Jahren auch auf Zinsen, Devisen und Aktienindizes handeln, trug zuletzt nur noch 1 Prozent zum Handelsvolumen bei. „Das hätte auch schon vor einem oder zwei Jahren passieren können“, sagte ein Nymex-Händler mit einem Achselzucken. „Die meisten Transaktionen werden doch schon lange elektronisch abgewickelt.“

          Leo Melamed, der ehemalige Verwaltungsratsvorsitzende der CME, der in den späten achtziger Jahren den Ausbau der elektronischen Handelsplattform forciert hatte, schreibt in einem Beitrag für das „Wall Street Journal“ vom „Ende einer Ära“. Der elektronische Handel wurde an der CME 1992 eingeführt. „Heute ist die CME jede Minute jedes Tages mit der Welt online verbunden“, konstatiert Melamed, der zwar nostalgische Gefühle für den Parketthandel hegt, den technologischen Wandel aber für unausweichlich hält: „Das Handelsparkett – zusammen mit der Kakophonie hektischer, schreiender Händler – wird bald verschwunden sein.“

          Optionshandel bleibt offen

          Die CME hatte 2007 den Lokalrivalen CBOT übernommen. Ein Jahr später kam die Nymex hinzu. Die CME Group, der größte Terminbörsenkonzern der Welt, ist nur die jüngste einer ganzen Reihe von Börsen, die sich vom Parketthandel verabschiedet haben. Das stellt möglicherweise auch die Zukunft des Parketthandels an der größten amerikanischen Aktienbörse, der berühmten New York Stock Exchange (Nyse), in Frage.

          Die Debatte um die Zukunft des Parketthandels war in den vergangenen Jahren immer wieder aufgeflammt, weil es wiederholt Computerpannen gegeben hat. Als im April 2014 der elektronische Handel für Mais und andere Produkte an der CME ausfiel, wurde das Parkett zur Notlösung. Händler, die ihre Büros in der Nähe der Pits hatten und ihre Aufträge normalerweise elektronisch aufgeben, strömten in den Börsensaal und hielten das Geschäft am Laufen. Skeptische Börsenmakler fürchten, dass ohne die Parketthändler eine wichtige Absicherung für den Handel wegbricht.

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