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Chemie : Übernahmegerücht beflügelt Celanese-Aktie

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Einem Zeitungsbericht zufolge soll ein Investor 27 Euro je Aktie für Celanese bieten. Der Kurs des Chemiekonzern springt deshalb am Montag an.

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          Die Gerüchteküche um Celanese brodelt. Ein Finanzinvestor will einem Zeitungsbericht zufolge den Kronberger Chemiekonzern übernehmen. Der Investor biete einen Aufschlag von mehr als 50 Prozent auf den gegenwärtigen Aktienkurs des Chemieunternehmens, berichtet die „Financial Times Deutschland“ in ihrer Montagausgabe ohne nähere Quellenangaben.

          Celanese-Vorstandschef Claudio Sonder habe es bislang aber abgelehnt, das Angebot ernsthaft zu überprüfen. Nähere Angaben zu dem Finanzinvestor wurden in dem Bericht nicht gemacht. Ein Celanese-Sprecher wollte auf Anfrage dazu keine Stellungnahme abgeben. „Wir kommentieren Marktgerüchte nicht", sagte der Sprecher.

          Angebot über 27 Euro je Aktie?

          Die im MDax gelistete Celanese-Aktie schloss am Freitag bei einem Kurs von 18,20 Euro. Am Montag sorgt der Zeitungsbericht im Eröffnungsgeschäft für einen Kurssprung von über 23 Prozent auf 22,40 Euro. Den Spekulationen zufolge würde der Finanzinvestor umgerechnet mehr als 27 Euro pro Aktie bieten.

          Die Offerte für die Kronberger liege schon seit Monaten auf dem Tisch, hieß es in dem Bericht weiter. Es sei kein formelles, verbindliches Angebot. Auch gebe es noch keine Verhandlungen. Vielmehr werde versucht, Gespräche mit dem Celanese-Vorstand zu führen. Die Aktionäre seien daher auch noch nicht informiert worden. Auch die Aufsichtsräte hätten bislang nichts gewusst, in den Sitzungen des Gremiums sei die Offerte nicht behandelt worden.

          Größter Aktionär bei Celanese ist die kuwaitische Gesellschaft KPC mit 29 Prozent. Nordamerikanische und europäische instititutionelle Anleger kommen zusammen auf 53 Prozent des Aktienkapitals, zehn Prozent entfallen auf Mitarbeiter und Pensionäre, die restlichen acht Prozent sind im Streubesitz.

          Celanese hat beim aktuellen Kursniveau eine Marktkapitalisierung von rund 900 Millionen Euro. Ein Angebot mit einem Aufschlag von mindestens 50 Prozent käme daher auf 1,35 Milliarden Euro. Die Nettofinanzschulden betrugen zum Ende des dritten Quartals im vergangenen Jahr 656 Millionen Euro. Ein mögliches Angebot für die Kronberger würde sich somit auf insgesamt rund zwei Milliarden Euro belaufen.

          Bewertung macht den Chemiekonzern als Übernahmekandidaten interessant

          Überbezahlt wäre die Gesellschaft bei diesem Preis sicherlich nicht. Schließlich bekäme ein Investor dafür einen Umsatz von rund 4,6 Milliarden Euro. Bei einem Gewinn je Aktie von rund zwei Euro im Jahr 2002 ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis einstellig und bewegt sich damit in moderaten Bahnen. Gelingt den Kronberger zudem die von Analysten erwartete deutliche Gewinnverbesserung in den Jahren 2003 und 2004, würden sich die Bewertungskennziffern noch weiter verbessern.

          Nach den zuletzt scharfen Kursverlusten, die der Aktie seit Ende September einen Kursverlust von über 20 Prozent bescherten, könnte mit den jetzt neu aufkommenden Übernahmespekulationen ein Boden für die Kursnotiz gefunden sein, heißt es. Dass sich Celanese auch nach Einschätzung von Analysten durchaus als Übernahmekandidat eignet, zeigt sich auch an einer im Oktober des Vorjahres vom Bankhaus M.M.Warburg veröffentlichten Studie (M.M.Warburg hält sechs Dax-Aktien für Übernahme- kandidaten). Darin wurde Celanese als einer der wahrscheinlichsten Übernahmekandidaten unter den Vertretern im MDax bezeichnet.

          Allerdings lebt die Aktie derzeit nur von dieser Hoffnung. Operativ wird sich nämlich erst ziegen müssen, um der Chemiekonzern die in Form hoher Gewinnschätzungen vergebenen Vorschusslorbeeren tatsächlich erfüllen kann. Zumindest die Analysten bei Credit Suisse First Boston scheinen diesbezüglich etwas skeptisch zu sein. Sie haben erst vor wenigen Tagen ihre Einschätzung für den Titel von Neutral auf Underperformer zurückgestuft und das Kursziel auf 17 Euro beziffert. Gleichzeitig prophezeihen sie Celanese wegen dem schwachen Dollar und den steigenden Preisen für Naturgas einen schwierigen Geschäftsverlauf im laufenden Jahr.

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