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Chemie : Engelhard belastet BASF-Aktie mehr als gemischte Ergebnisse

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Das Herz der BASF-Gruppe ist das Stammwerk in Ludwigshafen Bild: BASF

Gemischt waren die Ergebnisse, die der Chemiekonzern BASF am Mittwoch den Anlegern präsentierte. Sie konnten dem Aktienkurs auch nicht weiterhelfen, der von den Schwierigkeiten bei der geplanten Übernahme von Engelhard belastet wird.

          Unternehmenszahlen sind oftmals Ansichtssache. Und da zählt dann wieder, ob einer das Glas halb voll oder halb leer sieht. Die Aktienanleger entschieden sich am Mittwoch, daß das BASF-Glas wohl zunächst halbvoll war, aber im Lauf der Zeit leerer wurde. Jedenfalls drehte die Aktie von einem Prozent Plus 0,25 Prozent ins Minus.

          Dabei hat der weltgrößte Chemiekonzern das Jahr 2005 mit einem Rekordergebnis beendet und zeigt sich für das laufende Geschäftsjahr zuversichtlich. Im vergangenen Jahr sprang der Jahresüberschuß um 50 Prozent auf drei Milliarden Euro. Der Umsatz legte unter anderem aufgrund von Preiserhöhungen um 14 Prozent auf 42,7 Milliarden Euro zu.

          2005 war ein gutes Jahr...

          Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern sowie Sondereinflüssen (Ebit) stieg um 17 Prozent auf 6,1 Milliarden Euro. Vorstandschef Jürgen Hambrecht zeigte sich für das laufende Geschäftsjahr zuversichtlich: „Wir wollen weiterhin stärker als der Markt wachsen, beim Ebit vor Sondereinflüssen an den Erfolg des letzten Jahres anschließen und erneut eine Prämie auf unsere Kapitalkosten verdienen.“ Die Auftragslage sei unverändert gut.

          Gut verdient im Gashandel: BASF-Transportleitung in Feuerland

          Das Betriebsergebnis habe ebenfalls von höheren Produktpreisen in fast allen Segmenten profitiert. Vor allem das Segment Kunststoffe habe sein Ergebnis trotz der hohen Volatilität der Rohstoffpreise deutlich steigern können. In den Bereichen Öl und Gas sowie in der Sparte Chemikalien habe man einen höheren Absatz erzielen können, auch habe der Bereich Öl und Gas den Gewinn dank der höheren Ölpreise stark verbessern können.

          Die eingeleiteten Restrukturierungsmaßnahmen wie das in diesem Jahr abgeschlossene Standortprojekt Ludwigshafen hätten sich ebenso ausgezahlt. Seit 2003 seien die Fixkosten am Stammsitz um 480 Millionen Euro jährlich gesenkt worden. Zusätzlich habe BASF in der Region Nordamerika (NAFTA) die Kosten früher als erwartet reduzieren können. Das Ziel, die Fixkosten dort bis 2006 um 250 Millionen Dollar jährlich zu senken, sei bereits Mitte 2005 erreicht worden. Insgesamt hätten die Restrukturierungsmaßnahmen zum Anstieg des Ebit um zwölf Prozent auf 5,83 Milliarden Euro beigetragen.

          ... das vierte Quartal aber nicht so ganz

          Soweit das, was im Glas drin war. Leer erschien den Anlegern dagegen das Schlußquartal, in dem das Unternehmen auf Grund hoher Rohstoffkosten und der Folgen der Wirbelstürme in den Vereinigten Staaten einen leichten Gewinnrückgang im operativen Geschäft verzeichnete.

          Das Ergebnis lag aber über den Schätzungen der Analysten. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern (Ebit) und Sonderposten sank um 1,6 Prozent auf 1,59 Milliarden Euro, wohingegen Analysten in einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters mit einem Ebit vor Sonderposten von 1,52 Milliarden Euro gerechnet hatten. Auch die großen amerikanische Rivalen Dow Chemical und DuPont hatten für das vierte Quartal Gewinnzahlen veröffentlicht, die durch die Wirbelstürme belastet waren.

          Um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, würden die Restrukturierungsmaßnahmen fortgesetzt. Dazu soll das Portfolio weiter „optimiert“ werden. Der Konzern plant dazu auch Akquisitionen in wachstumsstarken Bereichen, die „das Portfolio sinnvoll ergänzten“. Jüngste Beispiele hierfür seien das Barangebot zum Erwerb der Engelhard Corp sowie das Interesse an der Bauchemie von Degussa.

          Außerdem sollen Prozesse an veränderte Anforderungen angepaßt werden. Dies beinhalte die Fortsetzung von Restrukturierungsmaßnahmen zur weiteren Kostensenkung, erläuterte der Chemiekonzern.

          Überraschungen & Enttäuschungen

          Ähnlich unentschieden gaben sich die Analysten. „Gemischt“, nannte sie Dennis Nacken von der Helaba. Das Ebit vor Sonderposten habe mit 1,591 Milliarden Euro über den von ihm geschätzten 1,489 Milliarden Euro gelegen, das Netto-Ergebnis seine Erwartungen nicht erreicht. Der Ausblick sei „etwas verhalten“, da der Konzern davon gesprochen habe, er wolle an das 2005er Ergebnis „anschließen“.

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