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Chemie : Celanese-Aktie rauscht auf Allzeittief

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Belastende Nachrichten aus dem Chemiekonzern gibt es zwar nicht, doch hat die Celanese-Aktie ihr neues Allzeittief markiert - gedrückt von Sorgen um steigende Rohstoffpreise und einen sinkenden Dollar.

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          Ohne wesentliche neue Nachrichten aus dem Unternehmen im Hintergrund, hat die Celanese-Aktie heute die „rote Laterne“ im MDax inne. Und nicht nur das: Mit Kursverlusten von bis zu zehn Prozent hat sie im Verlauf des Dienstag Vormittags ihr Allzeittief markiert.

          Gegen 12.30 Uhr notiert sie mit 13,76 Euro. Dies bedeutet einen Abschlag von 8,6 Prozent gegenüber dem Vortageskurs. Auch dieser Wert liegt unterhalb des bisherigen Allzeittiefs von 14,15 Euro.

          Sorge um steigende Rohstoffpreise

          Dem in Kronberg bei Frankfurt ansässigen Konzern wird am Dienstag offenbar eine wesentliche Folge der Furcht vor einem möglichen Krieg gegen den Irak zum Verhängnis: die Sorge um steigende Rohstoffpreise vor allem bei Gas sowie ein schwächelnder Dollar. Dabei hat der Ölpreis am Dienstag Vormittag in London leicht nachgegeben, während der Dollar gegenüber dem Euro leicht verliert.

          Celanese stellt auch und gerade aus Gas und Öl Chemikalien her, die für Farben, Bekleidung und Filme benötigt werden. Nicht zuletzt ist der Konzern der größte Hersteller von Acetat in Zigarettenfiltern auf der Welt. 52 Prozent seiner Umsätze macht er in den Vereinigten Staaten und anderen Teilen Amerikas. Fällt der Dollar, schwächt dies die Ertragslage, was verstärkt wird, wenn Celanese für Rohstoffe mehr bezahlen muss.

          Analyst: Kurzfristige Reaktion

          Analysten wollten die harsche Reaktion der Celanese-Aktie auf hohe Gaspreise und einen niedrigen Dollarkurs aber nicht überbewertet wissen. Es handele sich um eine kurzfristige Reaktion, meinte M.M. Warburg-Vertreter Sven Dopke. Keinen Einfluss für den Kursverfall wird offenbar dem am Montag bekanntgegebenen Wechsel an der Spitze der Celanese-Tochter Ticona in Kelsterbach zugeschrieben.

          Andere Stimmen sagten, die Aktie verliere auf Grund von sogenannten Short-Spekulationen, bei denen Anleger auf fallende Kurse setzten, das Papier verkauften und sich nach dem Kursverfall wieder damit eindeckten. Am Ende bezahlten sie weniger für dieselbe Anzahl Aktien, die sie zuvor auf den Markt geworfen hätten, so die Spekulation. Mit Unternehmensdaten seien die Verluste nicht zu begründen; zuletzt hatte Celanese den Sprung zurück in die Gewinnzone geschafft und Erwartungen sogar übertroffen. Und zu Monatsbeginn erhielt das Unternehmen den Zuschlag für den Bau einer Essigsäure-Anlage im Wachstumsmarkt China, was dem Unternehmen gut tun sollte, wie Analysten sagten.

          Aktie durch Phantasien bewegt

          Spekulationen hatten schon im Februar die Aktie massiv bewegt. Jedoch nach oben (Übernahmegerücht beflügelt Celanese-Aktie). Diese Phantasie hat den Kurs aber nicht nachhaltig stützen können. Nun scheint das Papier in freien Fall. Charttechnisch gibt es keine Unterstützungszonen mehr, was für weitere Verlust spricht.

          Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 6,9 erscheint das Papier günstig bewertet zu sein. Allerdings auf Basis eines für 2003 geschätzten Gewinns je Aktie von 2,04 Euro, nach 2,23 Euro im Vorjahr. Der Celanese-Vorstand hat sich im Februar zwar einer Prognose enthalten, aber sich zugleich verhalten optimistisch geäußert. So scheint der prognostizierte Gewinn je Aktie zunächst nicht übertrieben zu sein. Allerdings dürfte sich die Konjunktur erst deutlich erholen müssen, bevor man sich als Anleger zu stark darauf verlassen sollte.

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