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Chemie : Celanese-Aktie nimmt Anlauf gegen Widerstände

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Der Chemiekonzern Celenase überrascht am Mittwoch mit einer deutlichen Gewinnsteigerung im ersten Quartal und bekräftigt die vorsichtig optimistische Prognose. Die Aktie legt daraufhin zu.

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          Unternehmen wie die Celanese AG, die Basischemikalien wie Essigsäure für die weitere industrielle Verarbeitung herstellen, spüren konjunkturelle Schwächen und Stärken sehr deutlich. Doch obwohl die Konjunktur in Amerika, wo Celanese besonders engagiert ist, und in Europa weiter nicht brummt, hat der in Kronberg ansässige Konzern im ersten Quartal sein Betriebsergebnis fast verdoppelt.

          Der Reingewinn ist noch besser ausgefallen, und das bei nur leicht höheren Umsätzen als vor einem Jahr. Unter Börsianern kommen diese Nachrichten gut an. Die Aktie legt bis 10.15 Uhr um 1,95 Prozent auf 18,81 Euro zu.

          Nettogewinn mehr als verdoppelt

          Celanese hat den Umsatz um ein Prozent auf 1,11 Milliarden Euro gesteigert. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) verbesserte sich um 93 Prozent auf 58 Millionen Euro. Um 139 Prozent schnellte der Vorsteuergewinn auf 79 Millionen Euro nach oben. Und das Nettoergebnis kletterte um 112 Prozent auf 53 Millionen Euro.

          Das Ebit profitierte dabei von einer „vorteilhaften Anpassung von Rückstellungen für Wertsteigerungsrechte“. Dahinter verbergen sich am Aktienkurs ausgerichtete Managementvergütungen, die bar gezahlt und für die Rückstellungen gebildet werden müssen. Orientierungsgröße ist dabei der Aktienkurs am Ende des jeweils jüngsten Quartals. Wenn der Aktienkurs am Ende des Folgequartals niedriger ist, hat das Unternehmen zuviel Geld für diesen Zweck zurückgelegt. In einem solchen Fall dürfen die Rückstellungen aufgelöst werden.

          Und dies war bei Celanese der Fall: Ende Dezember kostete die Aktie knapp 22 Euro, Ende März dagegen nur noch 16 Euro. Der daraus resultierende Unterschied, den Celanese auf 17 Millionen Euro beziffert, ist dem Ergebnis zugute gekommen. Vor einem Jahr war der Gewinn umgekehrt nach Kurssteigerungen mit 13 Millionen Euro belastet worden.

          Vor- und Nachteile aus Dollar-Schwäche gezogen

          Dies dürfte nach Meinung von Dennis Nacken, Analyst bei Helaba Trust, auch der Fall sein, wenn das Unternehmen das zweite Quartal bilanzieren wird. Über die Ertragslage im ersten Vierteljahr äußerte er sich, ebenso wie Silke Stegemann von der Landesbank Rheinland-Pfalz, sehr zufrieden: Die Gewinnsteigerung sei besonders positiv zu werten angesichts der nur leicht höheren Umsätze. „Celanese hat operativ einen guten Job gemacht“, sagte Nacken zu FAZ.NET.

          Günstig habe sich auch das Finanzergebnis ausgewirkt, dem die Dollar-Schwäche zugute gekommen sei, da Celanese viele Verbindlichkeiten in Amerika habe. Umgekehrt belaste der niedrige Dollar aber die Erträge, weil mit Verkäufen vor allem in Amerika und Asien weniger verdient werde, wenn die Erlöse in Euro umgerechnet seien. Andererseits seien die in Dollar zu begleichenden Rohstoffkosten weiter recht hoch; Celanese benötigt für die Produktion vor allem Öl und Gas und rechnet mit einem fortgesetzt hohen Preisniveau.

          Daraus ergeben sich nach Einschätzung von Stegemann weiter Risiken für die Geschäftsentwicklung. Nacken führt zudem an, die Läger vieler Kunden seien gut gefüllt. Auch dürften Abnehmer darauf spekulieren, daß sich die jüngst gefallenen Ölpreise günstig auf die Produktpreise von Chemieunternehmen auswirken. So könnte es einer Nachfragedelle kommen. Den Ausblick des Unternehmens, ein besseres Halbjahresergebnis als 2002 vorzulegen, bewertet er gleichwohl als „leicht konservativ“. Während Stegemann die neutrale Einschätzung „Marketperformer“ bekräftigt hat, will Nacken prüfen, ob der die Celanese-Aktie nicht von „Neutral“ hochstuft.

          Aktie orientiert sich wieder nach oben

          Auf jeden Fall kann festgestellt werden, daß Celanese auf dem Weg der Ergebnisverbesserung voran kommt. Auch der Kurs der Aktie, der im Februar stark nachgegeben hatte, ohne daß neue Nachrichten aus dem Unternehmen vorlagen, hat sich deutlich erholt. Der Kurs ist von knapp 13 um rund 45 Prozent geklettert, liegt aber noch unterhalb der 200-Tage-Linie, die den langfristigen Trend anzeigt. Der langfristige Abwärtstrend wäre erst bei etwa 22 Euro überwunden.

          Doch seit Anfang März orientiert sich die - mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 9,6 auch im Branchenvergleich recht günstig bewertete - Aktie nach oben. Ob es weiter aufwärts gehen kann, wird auch davon abhängen, ob sie Widerstandszonen unterhalb von 20 Euro überwindet.

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