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Chemie : Celanese-Aktie muss noch durch eine weitere Prüfung

  • Aktualisiert am

Noch setzt Celanese weniger um als im Vorjahr Bild: dpa

Celanese überrascht den Markt mit ordentlichen Zahlen. Von einem Turnaround zu sprechen, ist aber verfrüht.

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          Solche Fälle hat die Börse gerne, zumal in schwierigen Zeiten: Der Chemiekonzern Celanese ist unerwartet gut ins Jahr gestartet. Umsatz und Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) nahmen im ersten Quartal 2002 im Vergleich zum Vorquartal deutlich zu, der Umsatz um vier, das Ebitda vor Sonderaufwendungen mit 115 Millionen Euro sogar um 74 Prozent.

          Nach dem seit vergangenen Sommer deutlich eingetrübten Geschäft, das 2001 zu einem herben Verlust von 385 Millionen Euro führte, ein erfreuliches Hoffnungszeichen. Das Ebitda ohne Sonderaufwendungen soll nun im ersten Halbjahr über dem Niveau des zweiten Halbjahres 2001 (154 Millionen Euro) liegen, so Celanese-Chef Claudio Sonder. Die Aktie reagiert am Montag bis 17.30 Uhr mit einem Plus von 7,2 Prozent auf 23,70 Euro, nachdem sie im Vorfeld der Zahlen kräftig eingebrochen war.

          Analysten positiv überrascht

          Laut Morgan Stanley lagen die Zahlen zum Teil deutlich über den eigenen und auch den Konsensschätzungen. Ähnlich äußert sich Dennis Nacken von Helaba Trust. „Es scheint, dass Celanese den Turnaround geschafft hat", meint der Analyst, der die Aktie mit „Übergewichten“ einstuft. Mittlerweile würden die Kostensenkungsmaßnahmen greifen. Auch die Analysten der Deutschen Bank sehen sich durch die „extrem ermutigenden“ Zahlen bestätigt und bekräftigen ihre Kaufempfehlung mit Kursziel 28 Euro. Die Zahlen reflektierten die fortgesetzten Restrukturierungsbemühungen des Unternehmens, meinen die Analysten.

          Diese sollen nach Angabe Sonders im Gesamtjahr zu einem Ebitda ohne Sonderaufwendungen von rund 420 Millionen Euro führen, was etwa dem Niveau des vergangenen Jahres entspricht. Auch die ominösen „Sonderaufwendungen“, die etwa in Buchwertabschreibungen auf das Beteiligungsportfolio bestanden, dürften in diesem Jahr geringer ausfallen.

          Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer

          Dabei darf nicht vergessen werden, dass Celanese noch mitten in der Umstrukturierung steckt. Im ersten Quartal 2001 lag das Ebitda ohne Sonderaufwendungen immerhin noch um 14 Prozent höher, und Celanese setzte damals noch elf Prozent mehr um.

          Für das zweite Quartal rechnet Celanese selbst mit einem niedrigeren operativen Ergebnis als im Auftaktquartal. Ein wunder Punkt sind dabei die das zweite Quartal belastenden Rohstoffpreissteigerungen. Gerade diese haben auch zu dem guten Ergebnis im ersten Quartal beigetragen, da viele Kunden von Celanese in Erwartung steigender Rohstoffpreise ihre Lager mit Basischemikalien aufgebaut haben, wie Bernd Schnarr von der WGZ-Bank erläutert. Auch drücken niedrigere Verkaufspreise in den stark konjunkturabhängigen Segmenten weiter auf die Margen.

          „Turnaround“-Definition noch strapaziert

          Daher wird die Definition eines geschäftlichen „Turnarounds“ im Falle von Celanese noch ziemlich strapaziert und muss erst noch mit weiteren positiven Fakten bestätigt werden. Die Aktie erscheint bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13 auf Basis der Gewinnschätzungen für 2003 durchaus nicht mehr teuer; allerdings sollten Aktionäre auch die herbe Enttäuschung des vergangenen Jahres nicht vergessen.

          Folgerichtig raten die Analysten von AC Research Anlegern, vor dem Kauf der Aktie abzuwarten, ob die Gesellschaft den positiven Trend weiter festigen könne. Eine Einschätzung, die FAZ.NET teilt.

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