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Chemie : Aussicht auf Squeeze-out dürfte Celanese-Aktie weiter antreiben

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Die Celanese-Aktie hat sich binnen Jahresfrist und nicht zuletzt seit der Übernahme des Konzerns durch Blackstone sehr gut entwickelt. Und sie dürfte mittelfristig weiter hochlaufen, da Blackstone Celanese von der Börse nehmen will.

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          Wer die Aktie von Celanese im vergangenen Frühjahr erworben und gut ein Jahr später an den amerikanischen Investor Blackstone weitergereicht hat, kann sich freuen. In dieser Zeit konnten Aktionäre nämlich gemessen am Übernahmeangebot von 32,50 Euro einen Kursgewinn von mehr als 130 Prozent einstreichen. Und zwar steuerfrei. Noch mehr freuen können sich indes jene Anteilseigner, die gepokert und das Übernahmeangebot ausgeschlagen haben.

          Denn sie haben sich nicht verspekuliert. Im Gegenteil: Seitdem Celanese an Blackstone übergegangen ist, ist der Kurs der Aktie des Kronberger Chemiekonzerns um mehr als 14 Prozent gestiegen. Somit steht ein Jahresplus von knapp 74 Prozent zu Buche. Zum Vergleich: Der MDax hat binnen Jahresfrist um 39 Prozent zugelegt und um 3,5 Prozent in den vergangenen drei Monaten.

          Und die Aussichten, sich weiter besser zu entwickeln als der Gesamtmarkt, stehen für die Celanese-Aktie nicht schlecht. Denn zum einen ist sie trotz des jüngsten Kursanstiegs auf Rekordniveau weiter recht günstig zu haben. Die charttechnische Lage ist komfortabel. Zudem sieht die Konzernspitze nun Anzeichen für eine Geschäftsbelebung. Kursdämpfend dürfte sich zwar die anstehende Herausnahme aus dem MDax auswirken, die dem stark verkleinerten Streubesitz geschuldet ist. Am Mittwoch gibt der Kurs um 1,3 Prozent oder 50 Cent auf 37,20 Euro nach, wobei der Dividendenabschlag einen Teil der Verluste ausmacht. Doch mittelfristig bestehen gute Chancen auf einen weiteren Kursanstieg aufgrund der Aussicht auf einen Squeeze-out, bei dem die restlichen Aktionäre zwangsabgefunden werden.

          Halbjahresprognose aufrechterhalten

          Wie die Konzernspitze von Celanese auf der Hauptversammlung am Dienstag sagte, sieht sie Anzeichen für eine Geschäftsbelebung. „In vielen Märkten, die wir beliefern, sehen wir Zeichen einer Erholung und erwarten für dieses Jahr eine allgemein positive Auswirkung durch Mengenzuwächse", sagte Finanzchef Perry Premdas am Dienstag den Aktionären. Allerdings ließen sich die Auftragslage, die Entwicklung der Rohstoffkosten und die Wechselkursentwicklung nur schwer abschätzen.

          Celanese gehe für 2004 weiter von einem schwachen Dollar aus, sagte Premdas. „Zudem sehen wir einen starken Anstieg der Rohstoffkosten, insbesondere für Erdgas, im zweiten Quartal und erwarten ein weiterhin hohes Niveau", ergänzte er. Celanese wolle sich daher weiter auf die Verbesserung der Profitabilität und auf den Kostenabbau konzentrieren.

          Im ersten Quartal hatten die Kronberger vor allem wegen hoher Rohstoffpreise operativ deutlich an Gewinn eingebüßt. Durch den Verkauf seines Acrylategeschäfts konnte der Konzern sein Ergebnis unter dem Strich aber steigern. Für das erste Halbjahr erwartet Celanese nach wie vor ein Betriebsergebnis unter dem Niveau der ersten sechs Monate 2003. Eine konkrete Geschäftsprognose für das Gesamtjahr gab Celanese-Chef Claudio Sonder nicht ab.

          Blackstone braucht weitere Celanese-Aktien für Delisting

          Vertreter der Kleinaktionäre kritisierten insbesondere die vom neuen Großaktionär Blackstone beantragte Kürzung der Dividende für 2003 von 44 Cent auf zwölf Cent je Aktie. Dadurch rutschte die ohnehin nicht sonderlich attraktive Dividendenrendite von 1,1 Prozent auf 0,3 Prozent ab. Blackstone hatte Celanese für insgesamt 3,1 Milliarden Euro übernommen und will vor diesem Hintergrund möglichst viel Geld im Konzern halten. Ziel von Blackstone ist es, Celanese vollständig von der Börse zu nehmen. Das Delisting an der Börse in New York erfolgte Anfang Juni, aus dem MDax wird Celanese in wenigen Tagen ausscheiden. Blackstone hält mittlerweile rund 85 Prozent der ausstehenden Celanese-Aktien.

          Daraus läßt sich eine gewisse Squeeze-out-Phantasie saugen. Denn will Blackstone den Plan wahrmachen, muß der Investor weiter Aktien aufkaufen. Ein Squeeze-out ist möglich, wenn Blackstone 95 Prozent der Celanese-Aktien hält. Anleger, die Spaß an solchen Wetten und Zeit haben, dürften folglich mit diesem Papier ganz gut bedient sein. Dessenungeachtet ergibt sich aus der bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12,4 und einer Relation von Börsenwert zum Umsatz von 0,5:1 günstigen Bewertung noch Kurspotential, vor allem aufgrund der etwas aufgehellten Prognose des Unternehmens.

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