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Charttechnik : Wenige Hindernisse für eine Aktienrally

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Welche Signale geben die Charts? Bild:

Die Börsen boomen. Auch dem S&P-500 dürfte es nicht allzu schwer fallen, das Februar-Hoch zu übertreffen, so Markttechniker Mark Arbeter von Standard & Poor's Equity Research. Allerdings stellt es einen gewissen Chartwiderstand dar.

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          Die wichtigsten Aktienindizes setzten ihre Aufwärtsbewegung in der vergangenen Woche fort, nachdem sie gegen Ende der vorangegangenen Woche die Unterstützung rasch nach oben verließen. Die durch Feiertage verkürzte Woche verzeichnete leichten Handel, wir gehen jedoch davon aus, dass der S&P-500 keine allzu großen Schwierigkeiten haben dürfte, das Februar-Hoch zu übertreffen. In den kommenden Monaten könnte der Index sogar zum Sturm auf sein Allzeithoch ansetzen.

          Das Handelsvolumen schwächte sich im Wochenverlauf ab und sank am 5. April an NYSE und Nasdaq auf den niedrigsten Stand seit dem 2. Januar. An beiden Börsenplätzen lag das Volumen an jedem Tag der vergangenen Woche unterhalb des 50-Tage-Durchschnitts. Angesichts der bisherigen positiven Entwicklung und möglicher weiterer Aufwärtsbestrebungen des Marktes könnte das äußerst geringe Volumen Anlass zur Besorgnis geben. Unter Berücksichtigung der beiden Feiertage stufen wir diese geringe Beteiligung am Handel jedoch als undramatisch ein.

          Chartwiderstand beim Februar-Hoch von 1.460 Punkten

          Der S&P-500 durchbrach das Schlusshoch vom 26. März nach oben und beendete die Woche bei 1.443,76 Zählern, weniger als 16 Punkte unter dem Februar-Erholungshoch bei 1.459,68. Von größerer Bedeutung ist indes, dass der S&P-500 nur 83,7 Punkte oder 5,8 Prozent vom Allzeithoch im März 2000 bei 1.527,46 Zählern entfernt ist. Wenn der Index den seit dem Tief Mitte März verzeichneten Steigungswinkel seiner Aufwärtsbewegung halten kann, würde er voraussichtlich Mitte Mai auf ein neues Allzeithoch vorstoßen.

          Sollte sich dieser relativ steile Kursverlauf des S&P-500 fortsetzen, würde dies in unser Szenario einer Kursexplosion nach oben münden. Ein konservativerer Ansatz, das Erreichen eines Allzeithochs zu prognostizieren, ist die Durchführung einer linearen Regression durch den Kursverlauf der Aufwärtsbewegung ausgehend von den Juni-Tiefs 2006 und eine Verlängerung der Regressionsgeraden zur weiteren Trendermittlung. Unter Anwendung dieses Ansatzes würde das Allzeithoch in der zweiten Junihälfte erreicht.

          Bevor wir jedoch etwas zu euphorisch werden, sollten wir unseren Blick auf einige mögliche Widerstandsbereiche richten, die dem S&P-500 bei seinem Gipfelsturm in die Quere kommen könnten. An vorderster Front steht hierbei der vom Februar-Hoch bei 1.460 Punkten abgeleitete Chartwiderstand. Der Abstand ist zwar nicht mehr allzu groß, doch legt der Index bei Erreichen eines früheren Hochs nicht selten zumindest eine Verschnaufpause ein.

          Put/Call-Ratios sind noch vergleichsweise hoch

          Bei dem kurzfristig sehr wahrscheinlichen Vorstoß auf ein neues Erholungshoch kommt die erste Fibonacci-Extension ins Spiel. Diese basiert auf der Spanne der letzten Rückkehrbewegung. Wir können das Potenzial auf zweierlei Weise messen, zum einen unter Rückgriff auf die Schlusskurse, zum anderen unter Verwendung der Tageshochs und -tiefs. Wir entscheiden uns für die Tageskurse, da die Projektion dem Hoch im März 2000 sehr nahe kommt. Die Spanne der Rückkehrbewegung zwischen Tageshoch und -tief betrug 97,59 Punkte. Multipliziert mit 0,618 erhält man 60,31 Punkte. Addiert man diesen Wert zu dem Tageshoch im Februar, ergibt sich ein potenzielles Ziel von 1521,88 Zählern, weniger als sechs Punkte vom Allzeithoch entfernt. Wir sehen uns also drei guten Gründen für eine Rückkehrbewegung bei Annäherung an die Höchstmarken des Jahres 2000 gegenüber: Chartwiderstand, psychologischer Widerstand und Fibonacci-Widerstand.

          Nach unserer Auffassung scheinen Optionsanleger die gegenwärtige Aktienmarktrally nicht gerade mit offenen Armen zu empfangen, was aus entgegengesetzter Sichtweise als positives Zeichen zu werten ist. Put/Call-Ratios sind historisch gesehen nach wie vor auf hohem Niveau; das Put/Call-Ratio an der Chicagoer Optionsbörse (CBOE) schnellte am 3. April, dem stärksten Tag der vergangenen Woche, auf fast 1,13 nach oben. Wir gingen zunächst davon aus, dass dies auf die Glattstellung verlustbringender Put-Positionen seitens der Optionsanleger zurückzuführen ist. Dies schien jedoch nicht der Fall zu sein. Die gesamten offenen Put-Positionen stiegen an jenem 3. April nämlich auf über 1,7 Millionen Kontrakte, was den Schluss zulässt, dass Anleger neue Put-Positionen eröffneten. Wenn sie ihre schwächelnden Put-Positionen glattgestellt hätten, wäre die Gesamtzahl offener Put-Positionen an jenem Tag gesunken

          Das zehntägige CBOE-Put/Call-Ratio beendete die Woche bei 1,02 - im historischen Vergleich ein noch immer hoher Wert. Das zehntägige Put/Call-Ratio hat eine Reihe niedrigerer Hochs und niedrigerer Tiefs ausgebildet, ein bullisches Zeichen dafür, dass der Pessimismus teilweise abzuebben beginnt. Das CBOE Put/Call-Ratio auf 30-Tage-Basis beträgt nun 1,07 und verzeichnet ebenfalls ein niedrigeres Hoch und ein niedrigeres Tief. Das Nachlassen dieser Baissestimmung gegenüber dem Aktienmarkt ist in unseren Augen positiv und könnte sich als starke Triebfeder für Kurssteigerungen in den kommenden Monaten erweisen.

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