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Charttechnik-Training : Warum Profis logarithmische Charts benutzen

  • -Aktualisiert am
Charts: Auf die richtige Darstellung kommt es an
          2 Min.

          Wie kommt es eigentlich, dass ein Chart einer Aktie manchmal zum gleichen Zeitpunkt ganz unterschiedlich aussehen kann? Und wie erklären sich die unterschiedlichen Urteile der Charttechniker bei der Analyse des Dax, wie sie erst jüngst wieder zu beobachten waren?

          Der Grund liegt oft ganz einfach nur in der Darstellungsart der Kursachse. Zwei unterschiedliche Methoden sind fast in jedem Chart-Softwareprogramm zu finden. Zur Auswahl stehen da meist eine lineare Darstellung sowie eine logarithmische. Bemerkbar machen sich die Vor- und Nachteile beider Formen vor allem bei großen Abständen zwischen mehrjährigen Hoch- und Tiefkursen einer Aktie.

          Prozentuale Kursveränderungen berücksichtigen

          Die Unterschiede erklären sich wie folgt: Bei der linearen Darstellung zeigt die vertikale Kursskala gleiche Abstände zwischen den Einteilungen an, die Darstellung erfolgt in Punkten. Der Abstand zwischen den Werten zehn und zwanzig ist genauso groß wie zwischen 90 und 100. Der Nachteil dabei: Es wird übersehen, dass die erste Kursbewegung eine Steigung von hundert Prozent ist, während die zweite nur eine Veränderung von elf Prozent bedeutet.

          Bild: NWP-Börse

          Bei der logarithmischen Darstellung sieht die Sache anders aus. Hier zeigen die Kurse gleiche vertikale Abstände für identische, prozentuale Veränderungen an. Eine Kursbewegung von zehn auf zwanzig entspricht der gleichen Wegstrecke wie für den Anstieg zwischen 50 und 100.

          Der Dax zeigt die Problematik

          Wenn es um Trendlinien geht, kann dieser Unterschied bedeutsam sein. Deutlich wird dies im unten stehenden ersten Chart. Da wurde beim Dax die rote Linie gezogen, als das Chartbild linear angezeigt wurde. Der Analyst musste notgedrungen zu dem Ergebnis kommen, dass der Abwärtstrend Anfang März gebrochen war. Logarithmisch betrachtet sah die Sache ganz anders aus. Der Analyst kommt hier zu dem Urteil, dass es keinen Trendbruch gibt. Der Bedeutungsunterschied unterschiedlicher Skalierungen wird dadurch unübersehbar.

          Und zwar erfolgt im Abwärtstrend der Trendbruch bei linearer Darstellung früher als im logarithmischen Modus. Umgekehrt ist es bei einem länger bestehenden Aufwärtstrend. Der Trendbruch erfolgt als erstes im logarithmischen Chart - erst Tage oder Wochen später bei linearer Auswertung. Zu beobachten war dies im März 2000 ebenfalls beim DAX-Index.

          Logarithmische Charts besser bei starken Kursbewegungen

          Doch das ist noch nicht alles. Wichtig wird die Darstellungsart auch bei großen Kursschwankungen bei einer Aktie. Um solche Aktien auch langfristig analysieren zu können, wird auf Wochencharts zurückgegriffen. Der Unterschied zwischen linear und logarithmisch wird am zweiten Chart, dem Kurs der EM.TV-Aktie deutlich. Im linearen Modus - gleiche Punkte, gleicher Abstand - lässt sich nichts Vernünftiges erkennen. Logarithmisch betrachtet, sind selbst kleine Kursschwankungen gut zu erkennen.

          Schließlich noch ein Tipp: Ist man sich nicht sicher, auf welchem Modus der Chart basiert, der gerade vor einem liegt, reicht ein Blick auf die Kursspalte rechts oder links. Immer gleiche Abstände deuten auf eine lineare Anzeige hin.

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