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Charttechnik : Nasdaq-Biotech-Index hat kurzfristig noch Potential

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Biotechwerte am der Nasdaq haben kurzfristig noch etwas Luft. Aber mittelfristig zeichnet sich ein Rückschlag ab. Beim Dax sind die Dinge im Lot . Technische Analyse von Wieland Staud.

          Für die einen ist es Teufelszeug, für die anderen eine der wenigen echten Hoffnungen der Menschheit. Der eine erhofft sich den Sieg über Krebs, Aids, Ebola und den Hunger der Welt, der andere beklagt die völlig neuen, ungeklärten ethischen Fragestellungen, die durch diese neuen Möglichkeiten hervorgerufen werden. Es ist klar: An den Biotechnologieaktien scheiden sich die Geister. Sicher ist nur, daß in den letzten beiden Jahrzehnten eine völlig neue Gruppe von Unternehmen entstanden ist, deren Produkte und neu geschaffenes Wissen höchstwahrscheinlich in unser aller Zukunft eine gewaltige Rolle spielen werden.

          So gesehen steht das Urteil für die Aktien dieser Unternehmen eigentlich schon fest. Langfristig und vor allem fundamental betrachtet, wird es wohl kein Fehler sein, die eine oder andere Biotech-Aktie im Depot zu haben. Irgendwo schlummern wahrscheinlich auch noch heute die neuen Microsofts, Intels, Ciscos, Oracles und SAPs der Biotechnologie. Aber genau das soll an dieser Stelle ja nicht die Aufgabe sein. Es geht weder um eine langfristige noch eine fundamentale, sondern eine kurz- bis mittelfristige technische Einschätzung. Und da sieht das Urteil momentan ein wenig anders aus.

          Aber fangen wir erst einmal mit den analytisch begrüßenswerten Dingen an. Seit dem Baissetief bei 397 Punkten im Juli 2002 hat sich der am meisten beachtete Biotech-Index der Welt, der "Nasdaq Biotechnology", exakt verdoppelt und notiert momentan nur unwesentlich unterhalb seines bisherigen Erholungshochs von 801 Punkten. Eine Entwicklung, die erstens ziemlich genau der des breiten Nasdaq-Composite-Indexes entspricht und die zweitens ebenso wie dessen Entwicklung in technisch rundherum zufriedenstellenden Bahnen verlief.

          Gegenwärtig gibt es allerdings zwei nennenswerte, nicht ganz unwesentliche Haken an der Biotech-Geschichte. Zum einen erstreckt sich zwischen rund 800 und 870 Punkten ein entscheidendes, massiv ausgeprägtes Widerstandsband, von dem nicht erwartet werden darf, daß es jetzt überwunden werden kann. Zum anderen vollzog sich der Aufwärtstrend in einer klar fünfteiligen Struktur der "Elliott Waves", deren letzter Aufwärtsschub wahrscheinlich noch nicht ganz abgeschlossen ist.

          Einerseits eine wirklich gute Nachricht. Denn damit sind weitere deutliche Kursanstiege möglicherweise sogar bis in die Nähe der alten Rekordhochs eigentlich nur eine Frage der Zeit. Einer initialen Struktur von fünf aufeinanderfolgenden Wellen im Aufwärtstrend folgen im Regelfall weitere "fünfe" in die langfristig eingeschlagene Richtung. Andererseits aber fordert ein solches Muster eine vorgelagerte, räumlich und zeitlich ziemlich weit ausgedehnte Konsolidierungs-, vielleicht sogar Korrekturphase gegen diesen Haupttrend; im Idealfall eine "Elliott A-B-C"-Phase. Die gilt es abzuwarten, bevor der Blick auf neue Ziele gerichtet werden kann.

          Der Nasdaq-Biotech-Index hat damit kurzfristig zwar die Chance auf neue Erholungshochs und könnte im bestmöglichen Fall sogar die Obergrenze des genannten Widerstandsbandes von 870 Punkten erreichen. Früher oder später droht dieser Aufwärtstrend aber in eine volatile Seitwärtsphase überzugehen, deren Entwicklung den im Chart skizzierte Verlauf nehmen und den Index wieder in Bereiche um 670 Punkte zurückführen sollte.

          Nach dem vor zwei Wochen in leichten Molltönen gezeichneten Ausblick für die Halbleiterwerte sind die Biotechs damit schon die zweite wichtige Branche im Nasdaq-Gesamtindex, der für die nähere Zukunft keine weiteren signifikanten Kurssteigerungen mehr prognostiziert werden können. Wie verträgt sich das mit einem insgesamt doch ziemlich positiven Ausblick für den Nasdaq-Composite-Index, dem Optimisten einen Anstieg von derzeit 2075 bis auf 2530 Punkte vorhersagen?

          Das muß kein Widerspruch sein. Denn erstens ist ja beim Biotech-Index noch ein wenig Luft nach oben, zweitens erfassen die beiden Subindizes Biotech und Halbleiter nicht die im Nasdaq Composite hoch gewichteten Branchen Telekommunikation und Software. Drittens ist der Nasdaq-Index nicht mehr das reine Hochtechnologie beziehungsweise "New Economy"-Barometer, das er einmal war, viertens wird sich sein weiterer Anstieg nur schrittweise, begleitet von Konsolidierungen, vollziehen. Fünftens schließlich werden auch die Halbleiter- und Biotech-Titel ihren Beitrag zum weiteren Anstieg des Nasdaq-Index leisten - nur eben nicht jetzt.

          Der Deutsche Aktienindex Dax bewegt sich auf den vorgezeichneten Bahnen. Die Dinge sind im Lot, und damit ist auf keinem Zeithorizont eine Neuorientierung in irgendeiner Form nötig. Bei einer Perspektive von 5000 Punkten bis zum Ende des Jahres bleibt es auch beim Nahziel von 4400 bis 4500 Punkten. Darüber hinaus darf es als sehr wahrscheinlich angesehen werden, daß sich der Beginn der Fastenzeit nicht nur vorteilhaft auf unsere Gesundheit, sondern auch ebenso angenehm auf die Kursentwicklung des Dax auswirken wird. Neue Jahreshochs stehen an.

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