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Charttechnik : Auf amerikanische Aktienindizes warten hohe Hürden

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Noch befinden sich die führenden amerikanischen Aktienindizes im Aufwind. Doch laut S&P Charttechniker Mark Arbeter wird die Liste möglicher Hindernisse auf dem Weg nach oben immer größer.

          Der Aktienmarkt in Amerika tendierte auch in der vergangenen Woche weiter fest, so daß man allmählich versucht ist, an eine nie endende Welle des Optimismus zu glauben. Der S&P 500 sowie der Dow Jones Industrial Average konnten mittlerweile bereits die achte Woche in Folge zulegen, während der Nasdaq Composite Index seit nunmehr sechs Wochen eine Glücksträhne verzeichnet.

          Der Strom an positiven Nachrichten setzt sich mit nahezu unverminderter Kraft fort; überdies zeichnen die ersten Ergebnishinweise für das im Dezember abgelaufene Quartal ein sehr vielversprechendes Bild.

          Markt ist kurzfristig überkauft

          Die führenden amerikanischen Aktienindizes haben während ihrer Glücksträhne einen Aufwärtstrend gebildet - trotz der in der letzten Woche zu beobachtenden kurzen Verschnaufpause. Der S&P 500 ist dabei aber auf einen ziemlich wichtigen Trendlinienwiderstand im Bereich von 1.137 bis 1.177 Punkten gestoßen. Diese bedeutende Hürde dürfte zumindest dafür sorgen, daß die führenden Indizes demnächst eine Verschnaufpause einlegen werden.

          Zumal die kurz- als auch die mittelfristigen technischen Indikatoren auf den seit Jahren höchsten Überhang an Kaufpositionen hindeuten. Obwohl dies sicherlich ein Zeichen von Stärke und bezeichnend für einen Haussemarkt ist, lehrt uns doch die Vergangenheit, daß zur Entschärfung einer derart extremen Überkaufsituation eine Konsolidierung bzw. ein entsprechender Pullback von Nöten ist.

          Überhang an Kaufpositionen

          Für einen Überhang an Kaufpositionen sprechen auch die Volumenzahlen der Indizes. Der gleitende Zehn-Tage-Durchschnitt der Umsätze bei den Aktien an der Nasdaq, die steigen und denen (Down-Up-Volumen) die fallen, hat sich kürzlich in die Nähe von 0,5 und damit auf ein Niveau nach unten bewegt, auf das für gewöhnlich ein Bruch des Aufwärtstrends folgt. Der gleitende Zehn-Tage-Durchschnitt des NYSE-Down-Up-Volumens ist angesichts des jüngsten Rückgangs auf nahe 0,6 ebenfalls „überkauft“.

          Diese Werte haben wenigstens zu einer Konsolidierung sowohl in den Bullen- als auch in den Bärenmärkten geführt. Sie sind der Beweis für den sehr geringen Verkaufsdruck in der letzten Zeit (was bis zu einem gewissen Grad als „bullish“ zu bezeichnen ist), aber auch dafür, daß die Anleger in zunehmendem Maße einfach auf den fahrenden Zug aufspringen und nach Aktien jagen, weil diese weiter aufwärts tendieren. Ein solches Verhalten wird früher oder später zur Gefahr.

          Historische Betrachtung von Belang

          Auf kurze Sicht ebenfalls von Belang für die Märkte, ist das historische Muster eines entweder kurz- oder mittelfristigen Hochs jeweils zu Jahresbeginn. Einige dieser Hochpunkte waren kleiner, andere dafür recht ausgeprägt. In einer Reihe von Jahren hat der Markt wenigstens eine Verschnaufpause eingelegt. In den Jahren 2003, 2002, 2001, 2000, 1998, 1992 und 1990 war dem Markt jeweils im Januar entweder ein kleineres oder größeres Hoch beschieden; 1997 und 1994 wurde der Höchststand im Februar markiert. Zu Beginn der Jahre 1999, 1996, 1993 und 1991 zog sich der Markt indes in eine Handelsspanne zurück.

          Diesen Warnungen zum Trotz tanzt der Markt nach seiner eigenen Pfeife, und der alte Spruch, wonach ein bewegter Körper dazu neigt, in Bewegung zu bleiben (erstes Newtonsche Gesetz), ist vorläufig weiterhin zutreffend. Bis zu dem Zeitpunkt, wo der Kurstrend einen Bruch vollzieht, und zwar einen erheblichen, stellen diese anderen potentiellen Hindernisse nichts weiter als ein Geräusch im Hintergrund dar.

          Fundamentaldaten stützen die Kurse

          Neben den stabilen Kurstrends werden die höheren Kurse auch weiterhin von den Fundamentaldaten der einzelnen Märkte getragen. So markieren die Advance-Decline-Linien (Verhältnis von Aktien die steigen und denen die fallen) der NYSE nach wie vor ein neues Erholungshoch nach dem anderen, und was wahrscheinlich von ebenso großer Bedeutung ist: die Kursgewinne werden über die unterschiedlichsten Branchen hinweg erzielt.

          Die prozentuale Netto-Marktveränderung an NYSE und Nasdaq präsentiert sich mit entsprechenden Bullentrends in puncto Kursbefestigungen (advances) minus Kursrückgängen (declines) ebenfalls stark. Die neuen 52-Wochen-Hochs, gemessen als Prozentsatz der umgesetzten Titel, befinden sich historisch gesehen auf einem nach wie vor sehr hohen Niveau - sowohl an der NYSE als auch an der Nasdaq. Daran zeigt sich ebenfalls, wie breit ausgelegt der aktuelle Aufwärtstrend ist.

          Anleihemarkt dürfte den Zenit bald erreicht haben

          Der Markt für Staatsanleihen legte in der vergangenen Woche ebenfalls kräftig zu, während die Renditen zehnjähriger Papiere zum ersten Mal seit Ende September kurzzeitig unter die Marke von vier Prozent fielen. Obwohl der langfristige Trend bei den Anleihen nach wie vor als bullish einzuschätzen ist, glauben wir, daß der Markt nun bald seinen Höchststand erreicht haben wird.

          Da die Hausse am Treasury-Markt im Zuge der seit 1981 sinkenden Renditen nun bereits seit Jahrzehnten anhält, dürfte eine Umkehr dieses Trends entsprechend Zeit in Anspruch nehmen. Um wenigstens den seit 2000 anhaltenden Trend zu brechen, müßten die Renditen wieder auf ein Niveau von über 4,4 Prozent steigen.

          Das gegenwärtige Marktumfeld läßt sich am besten mit einem alten Fachbegriff aus der Tenniswelt beschreiben: dem sogenannten „Sweet-Spot“ (es handelt sich hierbei um den elipsenförmigen Bereich der Schlägerzone, der dem Ball optimale Kontrolle und Beschleunigung verleiht). Diesen Begriff haben in letzter Zeit viele Marktkommentatoren verwendet, um deutlich zu machen, daß sich beinahe alles zum Besten entwickelt.

          Können die Anleiherenditen auf einem niedrigen Niveau verharren, während die Wirtschaft ein starkes Wachstum verzeichnet, der Dollar fällt und die Rohstoffpreise steigen? Nun, genau dieser Trend ist momentan zu beobachten - allerdings rechnen wir nicht damit, daß er von langer Dauer sein wird.

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