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Emissionsgeschäft : Gedränge auf dem Weg zur Börse

Schmuck von Elumeo Bild: Elumeo

Das gab es schon lange nicht mehr: Vier Unternehmen versuchen gleichzeitig den Sprung auf’s Parkett. Doch hohe Kursschwankungen erschweren eine Plazierung derzeit.

          Immer mehr Unternehmen reihen sich in die Schlange auf dem Weg zur Börse ein. Nachdem Frankfurt im ersten Quartal hinter anderen Börsenplätzen wie London und Paris zurückstehen musste, scheint jetzt der Knoten auf dem Markt für Börsengänge geplatzt zu sein. Mit dem Modehändler CBR, zu dem die Marken Street One und Cecil gehören, den Startschuss gegeben hat, bieten nun vier Unternehmen gleichzeitig ihre Anteile zur vorbörslichen Zeichnung an.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Den Sprung an die Deutsche Börse geschafft haben in diesem Jahr bisher fünf Unternehmen. Tele Columbus, Ferratum, Windeln.de, Sixt Leasing und Siltronic verkauften durch den Börsengang Aktien für insgesamt 1,3 Milliarden Euro. Der Modehändler CBR möchte nun durch seinen Börsengang 292 Millionen Euro erlösen. Größter Börsenneuling von den vier aktuellen Kandidaten ist das Berliner Wohnimmobilienunternehmen Ado, das Aktien für 520 Millionen Euro verkaufen will. Darüber hinaus bietet der Wind- und Solarparkbetreiber Chorus Clean Energy Aktien für 125 Millionen Euro und der Online-Schmuckhändler Elumeo Aktien für 84 Millionen Euro an. Allerdings machen die gestiegenen Aktienkursschwankungen, aber auch die Qualität mancher Börsenkandidaten manchen Marktbeobachtern Sorge.

          So ist der V-Dax, der die Kursschwankungen am deutschen Aktienmarkt misst, zwar nach zwei freundlichen Börsentagen von 28 auf 22,5 Punkte gefallen. Doch damit liegt der V-Dax noch oberhalb des Schwellenwertes von 20, den Investmentbanker für kritisch halten, um Aktien sicher zu plazieren. Wenn die Kurse schon börsennotierter Konkurrenten stark schwanken, müssen Börsenneulinge den Anlegern oft beim Preis entgegenkommen. Joachim von der Goltz, der für Credit Suisse Unternehmen an die Börse bringt, drückt es so aus: „Wegen der gerade hohen Volatilität am Aktienmarkt entscheiden sich die Anleger sehr kurzfristig, ob sie bei einem Börsenneuling zugreifen. In diesem Käufermarkt müssen die Verkäufer von Unternehmen zu höheren Preisabschlägen bereit sein als noch im ersten Quartal.“

          Chorus im vorbörslichen Handel schwächer

          Für mutige Anleger bedeutet dies, dass sie in rauhen Marktphasen vergleichsweise günstig an Aktien von Börsenneulingen herankommen. Allerdings sind in Europa, angelockt von im April auf Rekord gestiegenen Aktienkursen, derzeit rund 20 Unternehmen auf dem Weg zur Börse, davon eben vier in Deutschland. Ein Vorurteil lautet, dass eine Fülle an Börsengängen eine reife Hausse am Aktienmarkt signalisiert. Skeptiker warnen, die „wirklich guten Unternehmen“ wie etwa zuletzt Douglas würden meist von einem Finanzinvestor zum anderen weiterverkauft, weil so mehr zu erlösen sei als über einen Börsengang. So ist zum Beispiel der für das zweite Halbjahr geplante Börsengang der Deutschen Pfandbriefbank für den Verkäufer nur die zweite Wahl, nachdem zuvor eingeholte Kaufangebote unbefriedigend ausgefallen sind.

          Auch der Modehändler CBR ist in der Hand von Finanzinvestoren, seit Gründer Detlev Meyer ihn vor elf Jahren an die Finanzinvestoren Cinven und Apax verkaufte. Meyer gehört heute die Weinhandelskette Hawesko, CBR seit 2007 im Wesentlichen dem schwedischen Finanzinvestor EQT, der auch nach dem Börsengang die Mehrheit halten wird. Bis zu 19,4 Millionen Aktien werden seit Dienstag bis zum 1. Juli zur Zeichnung angeboten. Die Preisspanne reicht von 14 bis 18 Euro. Beim Börsenhändler Schnigge, der einen vorbörslichen Handel anbietet, zeichnet sich eine passable Nachfrage ab. Außer im Fall von Chorus, wo der Börsengang kein Selbstläufer zu werden scheint. Die Kurse liegen am unteren Ende der von 9,75 bis 12,50 Euro reichenden Preisspanne und mit 9,50 Euro teilweise darunter.

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