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Carl Icahn vs. Apple : Sind die Tech-Aktien in Schwierigkeiten?

Computerplatine von Apple Bild: Reuters

Der einflussreiche New Yorker Hedgefondsmanager Carl Icahn verkauft sein Apple-Aktienpaket. Aber ist das wirklich ein schlechtes Zeichen für den weiteren Trend von Technologieaktien?

          Erst Netflix, dann Apple: Carl Icahn hatte in den vergangenen Jahren ein glückliches Händchen in der Technologiebranche. Der berühmte amerikanische Investor, dessen Vermögen von der Zeitschrift „Forbes“ auf 17,7 Milliarden Dollar beziffert wird, stieg in beiden Fällen zu einem günstigen Zeitpunkt ein und verkaufte mit stattlichem Gewinn. Im vergangenen Jahr stieß er seine Anteile an Netflix ab und machte mit seinem Engagement bei der Online-Videothek insgesamt zwei Milliarden Dollar. Jetzt hat er sich beim Elektronikkonzern Apple wieder zurückgezogen, dessen Aktien er fast drei Jahre gehalten hat. Wieder beziffert er seinen Gewinn auf rund zwei Milliarden Dollar.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Wenn der 80 Jahre alte Investor Kasse macht, heißt das nicht unbedingt, dass er nicht mehr an ein Unternehmen glaubt. Als er seinen Netflix-Anteil abbaute, sagte er zum Beispiel, er habe gelernt, Gewinne mitzunehmen. Und nach seinem jüngsten Aktienverkauf sagte er dem Fernsehsender CNBC, er halte Apple noch immer für ein „großartiges Unternehmen“, Vorstandsvorsitzender Tim Cook leiste „großartige Arbeit“, und die Apple-Aktie sei noch immer billig.

          Aber eine „idiotensichere Wette“ oder ein „No-brainer“, wie Icahn seine Investition einst nannte, ist Apple nach seiner Auffassung offenbar nicht mehr. Und er meldete konkrete Sorgen zum China-Geschäft des Unternehmens an, das sich zuletzt erheblich abgeschwächt hat. Icahn fürchtet, die chinesische Regierung, die kürzlich einige Online-Dienste von Apple gesperrt hat, könnte dem Unternehmen weitere Steine in den Weg legen.

          Der Icahn-Ausstieg trug dazu bei, dass die Apple-Aktie weitere 3 Prozent an Wert verlor. Und das kam nur einen Tag nachdem der Kurs nach enttäuschenden Quartalszahlen um 6 Prozent gefallen war. Die Marktkapitalisierung von Apple ist nun wieder unter 500 Milliarden Dollar gerutscht. Apple musste erstmals seit dem Jahr 2003 einen Umsatzrückgang vermelden, und zum ersten Mal überhaupt schrumpften die Verkaufszahlen für das iPhone-Handy - das mit Abstand wichtigste Produkt des Konzerns, das für fast zwei Drittel des Gesamtumsatzes steht.

          Kann Apple noch Bahnbrechendes liefern?

          Die aktuelle iPhone-Generation brachte gegenüber den Vorgängermodellen wenig Neuheiten, und das hat die Nachfrage schwinden lassen. Das iPhone ist nicht der einzige Schwachpunkt, denn auch das Geschäft mit einigen anderen Produkten wie dem Tabletcomputer iPad oder dem Macintosh-Personalcomputer war rückläufig. Dringlicher denn je stellt sich jetzt die Frage, ob Apple unter Cook noch bahnbrechende Innovationen liefern kann, so wie dies einst unter dessen verstorbenem Vorgänger Steve Jobs der Fall war.

          Apple steht jetzt nicht nur unter großem Druck, sich für die im Herbst erwarteten neuen iPhone-Modelle einiges einfallen zu lassen. Cook ist auch bislang einen Beweis schuldig geblieben, dass er Apple mit Erfolg in ganz neue Geschäftsfelder führen kann. Die vor einem Jahr herausgebrachte Computeruhr Apple Watch hat bislang nichts an der Abhängigkeit des Konzern vom iPhone geändert.

          Einige Analysten an der Wall Street reduzierten nach Veröffentlichung der Quartalzahlen ihren Kursziele für Apple, hielten aber weitgehend an den Kaufempfehlungen fest. „Die Geschäftsführung hat unsere Ansicht bestätigt, dass Apple eine loyale Kundenbasis hat“, kommentierten die Analysten der japanischen Bank Mizuho. Apple ziehe neue Nutzer in sein „Ökosystem“ und nehme Wettbewerbern, die das konkurrierende Betriebssystem Android nutzen, Marktanteile ab.

          Eine Serie von schlechten Nachrichten

          Die Analysten gehen zwar davon aus, dass Apple-Kunden möglicherweise nur noch alle drei Jahre ihr aktuelles Apple-Gerät gegen ein neues, verbessertes Produkt tauschen werden. Dieser sogenannte „Upgrade-Zyklus“ beträgt derzeit zwei Jahre. Dennoch prognostizieren die Mizuho-Analysten ein Kursziel von 110 bis 130 Dollar für die Aktien von Apple, die aktuell um 94 Dollar notieren.

          Apple kann sich damit trösten, nicht für die einzige Enttäuschung in der Technologiebranche gesorgt zu haben. Die Quartalssaison brachte eine ganze Serie von schlechten Nachrichten. Der Halbleiterhersteller Intel kündigte den Abbau von 12.000 Arbeitsplätzen an. Der Technologiekonzern IBM erlitt seinen sechzehnten Umsatzrückgang in Folge.

          Das Geschäft des zum Verkauf stehenden Internetunternehmens Yahoo ist im freien Fall. Und der Kurznachrichtendienst Twitter meldete eine unerwartet deutliche Abschwächung in seinem Werbegeschäft. Auch der Softwarekonzern Microsoft, der zuletzt auf dem aufsteigenden Ast zu sein schien, verfehlte diesmal die Erwartungen.

          Zwei Lichtblicke

          Selbst für vormalige Börsenlieblinge gab es Rückschläge: Die Alphabet-Holding um den Internetkonzern Google machte weniger Gewinn als erwartet, und Netflix gab eine unerwartet schwache Prognose für sein künftiges Nutzerwachstum. Der Netflix-Kurs ist nach dem Quartalsbericht unter den Wert gefallen, zu dem Carl Icahn seine Aktien verkauft hat.

          Immerhin gab es aber in vergangenen Tagen noch zwei Lichtblicke. Das soziale Netzwerk Facebook legte dank sprudelnder Werbeeinnahmen viel bessere Zahlen als erwartet vor, und der Aktienkurs bewegt sich nun in der Nähe seines Allzeithochs. Der verpatzte Börsengang im Jahr 2012 ist für Facebook mittlerweile nur noch eine entfernte Erinnerung.

          Eine positive Überraschung lieferte auch der Online-Händler Amazon, der den größten Quartalsgewinn in seiner Geschichte auswies und dafür am Freitag mit einem kräftigen Kursgewinn belohnt wurde. So scheint eine ansonsten desolate Quartalssaison doch noch ein versöhnliches Ende zu finden.

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