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American Express : Buffetts Liebling macht weiter Sorgen

  • -Aktualisiert am

Im Sinkflug: American Express macht an der Börse derzeit keine gute Figur. Bild: Reuters

Der Aktienkurs von American Express ist um 20 Prozent gefallen. Damit gehört der Kreditkartenkonzern zu den Schlusslichtern im Dow Jones. Erste Diskussionen über einen Führungswechsel haben bereits begonnen.

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          Warren Buffett glaubt weiterhin an American Express. Der traditionsreiche amerikanische Kreditkartenkonzern, an dem Buffetts Holding-Gesellschaft Berkshire Hathaway fast 15 Prozent der Anteile hält, gehört zu Buffetts größten Aktienpaketen. „American Express ist immer noch ein ganz, ganz besonderes Unternehmen“, sagte Buffett im Mai auf der Hauptversammlung von Berkshire in Omaha. Kenneth Chenault, der seit 2001 amtierende Vorstandsvorsitzende von American Express, habe „sensationelle Arbeit“ dabei geleistet, neue Trends zu erkennen. Es war keine von Buffetts üblichen Lobeshymnen für erfolgreiche Manager in seinem Imperium. Buffett sah sich zu einem Kommentar gezwungen, weil der Aktienkurs von American Express in diesem Jahr ungewöhnlich stark gefallen ist. Die Aktien von American Express notieren aktuell um 20 Prozent im Minus und gehören damit zu den schwächsten Titeln im Dow Jones.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Hauptgrund für die Skepsis von Investoren ist der Ende März auslaufende exklusive Vertrag mit der Warenhauskette Costco Wholesale, dem zweitgrößten amerikanischen Einzelhändler. Die Unternehmen hatten im Februar bekanntgegeben, dass die Kooperation nach 16 Jahren beendet werde. Ab April können Costco-Kunden nur noch mit Visa-Kreditkarten zahlen, die von der Bank Citigroup ausgegeben werden. Nach Medienberichten soll die Citigroup Costco praktisch keine Gebühren in Rechnung stellen. American Express verlangte dagegen 0,6 Prozent vom Umsatz und hielt eine deutliche Senkung wirtschaftlich nicht für vertretbar.

          Analysten bezweifeln starken Gewinnwachstum

          Für American Express ist das ein herber Schlag. Ein Zehntel aller im Umlauf befindlichen Amex-Karten wurden gemeinsam mit Costco herausgegeben. Kartenbesitzer können das Plastikgeld zwar auch außerhalb von Costco benutzen. Aber Analysten wie Matthew Howlett von der Bank UBS kalkulieren, dass American Express rund 8 Prozent seiner Kartenbesitzer und 18 Prozent seines Kreditvolumens verlieren wird. „Wir sehen einfach keinen klaren Weg zu starkem Gewinnwachstum, selbst nachdem sich der Costco-Staub gelegt hat“, schreibt Howlett, der die Aktien zum Verkauf empfiehlt.

          American Express hatte zuletzt die Ausgaben für Marketing und Technologie angehoben, um neue Kunden zu werben. Gemeinsam mit den negativen Auswirkungen eines steigenden Dollarkurses und stagnierenden Ausgaben von Kartenbesitzern trug das im dritten Quartal zu einem gegenüber dem Vorjahr um 14 Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar gefallenen Gewinn bei – was Analysten enttäuschte.

          In den Jahren nach der Finanzkrise hatte der Konzern noch zu den besten Aktien im Dow gehört, weil er mit am stärksten von der konjunkturellen Erholung profitierte. Die Klientel von American Express, die als wohlhabender gilt, war besser durch die Krise gekommen als amerikanische Normalverbraucher. Vorstandschef Chenault bemühte sich zudem angesichts wachsender Konkurrenz von Banken, die sich um die gleiche Klientel bemühen, und den mit den Banken kooperierenden Kreditkartenunternehmen wie Visa oder Mastercard darum, die Verbreitung von Amex-Karten zu stärken. American Express betreibt ein eigenes Netzwerk und vergibt selbst Kredite. Visa und Mastercard vergeben dagegen keine Kredite.

          Costco-Trennung wirft schlechtes Licht auf Chenault

          Erste Analysten fragen sich nun, ob der 64 Jahre alte Chenault noch der richtige Mann an der Spitze ist. „Ich glaube, sie haben einen Vorstandschef, der die Gastfreundschaft überbeansprucht hat“, mutmaßt Moshe Orenbuch von der Bank Credit Suisse. Orenbuch kritisiert, dass American Express seinen Aktionären nicht klargemacht hat, wie viel Geschäft von Kooperationen mit anderen Marken abhängt. Die Fluggesellschaft Jet Blue hatte ihren Vertrag mit Amex ebenfalls gekündigt und entschied sich für Mastercard und die Bank Barclays. Die Fluglinie Delta und die Hotelkette Starwood verlängerten ihre Verträge allerdings.

          Die Trennung von Costco rückte Chenault zudem nicht ins beste Licht. Nach einem Bericht von „Bloomberg Businessweek“ soll Chenault emotional reagiert haben, als Costco-Vorstandschef Craig Jelinek den 1850 gegründeten Konzern in eine Reihe mit Ketchup-Anbietern gestellt hat. Chenault sah sein Unternehmen als „zuverlässigen Partner“ für Costco. Jelinek bezeichnete American Express kühl als einen von vielen Lieferanten für die erst 1983 gegründete Kette. „Wenn ich Ketchup irgendwo billiger bekommen kann, werde ich das tun“, soll Jelinek Chenault am Telefon beschieden haben. Kurioserweise dürfte diese Haltung Buffett und seinem Geschäftspartner Charlie Munger gefallen. Berkshire ist ebenfalls an Costco beteiligt, und Munger sitzt dort im Verwaltungsrat.

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