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Brennstoffzellen : Spekulation auf eine große Zukunft

  • Aktualisiert am

Noch länger im Test: Das Brennstoffzellenauto Bild: AFP

Einmütig wird der Brennstoffzelle eine große Zukunft zuerkannt. Doch beginnen soll diese erst in einigen Jahren. Noch wird mit technischen und wirtschaftlichen Problemen gerungen, sind die Einsatzfelder begrenzt.

          Brennstoffzellen gelten als Technik der Zukunft. Das kann auch kaum überraschen, würden sie doch einen großen Beitrag dazu leisten, sowohl die Energie- als auch die Umweltschutzprobleme zu lösen. Mit einem hoher Wirkungsgrad von bis zu 80 Prozent bei einem gleichzeitig umweltfreundlichen Emissionsverhalten, scheinen sie die Antwort auf so manches Gebet zu sein.

          Viele kleine und große Hersteller und Entwickler tummeln sich auf dem Markt von morgen. So übernahm der Chemiekonzern BASF erst im Dezember die Frankfurter Pemeas Fuel Cell Technologies, die das Brennstoffzellengeschäft von Hoechst und Celanese weiterentwickelt.

          Noch keine großen Umsätze

          Ursprünglich hatte Permeas an die Börse gehen wollen, doch daraus wurde dann nichts. Den Schritt auf das Parkett haben andere Firmen gewagt: Amerikas Fuelcell Energy und Pacific Fuel Cell sind bereits seit 2000 bzw. 2001 börsennotiert, die australische Ceramic Fuel Cells in Sydney seit 2004, die britische CMR Fuell Cells seit Ende 2005 in London. Deutsche Firmen haben noch keine so lange Börsengeschichte. SFC Smart Fuel Cells kamen im Mai diesen und die Heliocentris Fuel Cells im Juni des vergangenen.

          Große Umsätze macht keines der Unternehmen, am ehesten noch Fuelcell Energy und SFC Smart Fuel Cells. Fuelcell baut Brennstoffzellen für die Stromerzeugung und konnte im ersten Halbjahr einen Umsatz von 18,2 Millionen Dollar generieren, von dem aber nur 75 Prozent aus dem Produktverkauf stammten. Immerhin lag dieser damit um 45 Prozent über der Vorjahresperiode. Analysten rechnen bis 2008 mit einem Umsatzanstieg auf 100 Millionen Dollar. Gewinne macht man allerdings keine und auch 2008 rechen Analysten noch mit einem operativen Verlust von 61 Millionen Dollar.

          SFC verbuchte im ersten Halbjahr einen Umsatz von 7,5 Millionen Euro verbuchten, die immerhin zu mehr als 80 Prozent aus dem Produktverkauf stammten, vorwiegend der EFOY für den Einsatz im Freizeitbereich, konkret in Wohnmobilen, aber auch Booten. Auch der Power Manager, der die Energienutzung bei militärischen Einsätzen verbessert, erzielt dank eines Auftrags der amerikanischen Armee höher Umsätze.

          In den roten Zahlen

          Indes fiel gleichzeitig ein operativer Verlust von mehr als zwei Millionen Euro an, der damit um 125 Prozent über dem der Vorjahresperiode lag. Zwar spielten dabei auch Sondereinflüsse durch die Ablösung von stillen Beteiligungen und Aktienoptionen eine Rolle, doch verschlechterte sich das Betriebsergebnis auch ohne diese Sondereinflüssen um 32 Prozent auf minus 1,47 Millionen Euro.

          Immer noch einen Millionenumsatz verbucht die australische Ceramic Fuel Cells (CFC), die im Ende Juni zu Ende gegangenen Geschäftsjahr 4,4 Millionen australische Dollar (2,7 Millionen Euro) erlöste. Indes stammten neun Prozent aus Feldversuchen, dagegen 90 Prozent aus Zinsen.

          Ceramic Fuel Cells ist ein Entwicklungsunternehmen und versucht seine Zellen zu perfektionieren, die derzeit noch immer ein Großteil der Energie in Wärme umsetzen. Daher will man aus der Not eine Tugend machen und einem Bericht des Handelsblatts zufolge bereits 2009 damit Häuser zu konkurrenzfähigen Preisen heizen und mit Strom versorgen.

          Technische und wirtschaftliche Probleme

          Doch Optimismus gab es im Brennstoffzellenbereich bereits viele. Bereits 1997 sah der damalige Daimler-Benz-Forschungsvorstand Klaus-Dieter Vöhringer die grundlegenden Probleme der Technologie in Verbindung mit Wasserstoff als gelöst an und wollte den Prototypen zügig zur Serienreife bringen.

          Doch noch kostet der Prototyp kostet so viel „wie eine Luxusvilla in München“, sagte Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche auf der IAA und sei damit „noch nicht ganz wettbewerbsfähig“. Auch die Lebensdauer ist verbesserungsfähig. Erst 2010 soll ein Serienfahrzeug auf den Markt kommen. Und damit wären sie noch die ersten: General Motors rechnet damit erst Mitte des kommenden Jahrzehnts, ebenso wie Ford.

          Ähnliches gilt auch für den Heizungsbereich. Vaillant, Viessmann oder Baxi Innotech arbeiten ebenfalls an Lösungen, werden diese aber nicht vor 2010 auf den Markt bringen. Ein Massenprodukt sind Brennstoffzellen-Heizungen damit aber immer noch nicht.

          Im Entwicklungs- und Aufbaustadium

          Der zweite börsennotierte deutsche Brennstoffzellenhersteller Heliocentris sieht sich als „Pionier bei der Serienproduktion von Brennstoffzellenprodukten“. Indes dienen die Zellen des Unternehmens vor allem in Lehre und Forschung.

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