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Brasilien : Ölkonzern Petrobras schafft Rekordemission

  • -Aktualisiert am

Ölplattform von Petrobra vor Rio de Janeiro Bild: REUTERS

Brasiliens Ölgesellschaft Petroleo Brasileiro schafft die bisher größte Aktienemission aller Zeiten und nimmt rund 70 Milliarden Dollar ein. Sie will damit die Erschließung von Off-Shore-Ölreserven bezahlen und den Bau neuer Raffinerien.

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          Brasiliens Ölgesellschaft Petroleo Brasileiro (Petrobras) schafft die bisher größte Aktienemission aller Zeiten. Der staatlich kontrollierte Konzern plazierte im Rahmen einer Kapitalerhöhung neue Aktien in einem Gesamtwert von bis zu 120,4 Milliarden Real (rund 70 Milliarden Dollar).

          Brasiliens Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva feierte die größte Transaktion dieser Art. "Als ich vor zehn Jahren hier an der Türe vorbei kam, hatten die Leute Angst vor mir Kapitalistenfresser", sagte der ehemalige Arbeiterführer. "Und heute realisiere ich die größte Kapitalerhöhung in der Geschichte des Kapitalismus."

          Staatsanteil an Petrobras nimmt zu

          Die Petrobras-Emission fällt nahezu doppelt so hoch aus wie der bisherige Rekord des japanischen Telekommunikationsunternehmens NTT, das bei seinem Börsengang 1987 rund 37 Milliarden Dollar eingesammelt hatte. Gemäß einem Beschluss des Petrobras-Verwaltungsrates werden rund 2,4 Milliarden stimmberechtigte Aktien zu einem Preis von 29,65 Real sowie 1,9 Milliarden Vorzugsaktien zu 26,30 Real je Stück ausgegeben. Das Unternehmen gewährte damit einen Abschlag von jeweils knapp 2 Prozent auf die Schlusskurse der Papiere vom vorangegangenen Handelstag. Nicht alle Aktienzeichner wurden bedient.

          Die Konsortialbank Morgan Stanley hat für dreißig Tage eine Option für die Ausgabe von 188 Millionen weiterer Aktien. Allein die brasilianische Regierung und andere staatliche Einrichtungen, die bisher bereits 39,8 Prozent des Petrobras-Gesamtkapitals und eine Mehrheit der stimmberechtigten Aktien hielten, übernehmen neue Aktien für 75 Milliarden Real. Der Anteil des Staates am Gesamtkapital steigt damit auf 48 Prozent.

          Petrobras will mit dem eingenommenen Geld einen Teil der Erschließung von umfangreichen Off-Shore-Ölreserven bezahlen und den Bau neuer Raffinerien. Insgesamt sollen dafür und für andere Vorhaben 224 Milliarden Dollar bis zum Jahr 2014 ausgegeben werden. Durch die Ausbeutung neuer Ölvorkommen in den sogenannten Pré-sal-Gebieten vor der brasilianischen Atlantikküste will Petrobras seine Produktion in den nächsten zehn Jahren verdoppeln und zu einem der größten Ölförderer der Welt aufsteigen.

          Die brasilianische Regierung zahlt ihre neuen Aktien mit der Übertragung von Öl-Förderrechten an den noch zu erschließenen Tiefsee-Vorkommen an Petrobras. Somit fließen voraussichtlich nur etwa 45 Milliarden Real frisches Geld in die Kassen des Staatskonzerns. Fachleute erwarten darum, dass sich Petrobras in den kommenden fünf Jahren zusätzliche Mittel in Höhe von 90 Milliarden Dollar beschaffen muss. Den Minderheitsaktionären könne darum eine weitere Verwässerung ihrer Anteile drohen.

          Die Verschuldung des Konzerns nimmt zu

          Die Verschuldung des Konzerns hat sich im Verhältnis zum jährlichen Mittelzufluss in den vergangenen Jahren verdreifacht. Die jetzt durchgeführte Kapitalerhöhung wurde erforderlich, weil Petrobras im Falle noch höherer Schulden die gute Kreditwürdigkeits-Bewertung durch die Rating-Agenturen verlieren könnte.

          An der Börse von New York kamen die neuen Petrobras-Zertifikate (ADR) am Freitag in den Handel, an der Börse von São Paulo beginnt der Handel mit den neuen Papiere erst am Montag. Am Donnerstag hatten die Kurse der Petrobras-Aktien überraschend kräftig zugelegt. Der Kurs der besonders liquiden Vorzugsaktien stieg um 3,2 Prozent auf 26,8 Real. Händler vermuteten, dass Anleger befürchtet hätten, bei der Zuteilung leer auszugehen. Vor allem institutionelle Investoren, die sich an Indizes ausrichten, müssen die häufig stark gewichteten Petrobras-Papiere in entsprechendem Umfang zukaufen; durch die Kapitalerhöhung steigt die Marktkapitalisierung von Petrobras auf rund 215 Milliarden Dollar. Im bisherigen Jahresverlauf hatte die Petrobras mehr als ein Viertel ihres Börsenwertes verloren, was Analysten mit dem lange dauernden Prozess der Kapitalerhöhung erklärten und gestiegenen Sorgen über die Ölförderung in der Tiefsee.

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