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Polit-Beben in Brasilien : Aktienmarkt und Real unter Druck

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Auf der Suche nach dem Bestechungsgeld: Brasilianische Polizisten durchsuchen Wohnungen Bild: dpa

In Brasilien spitzt sich die politische Lage zu: Staatspräsident Temer soll geholfen haben, Mitwisser in einem Korruptionsskandal gegen Geld zum Schweigen zu bringen. Landeswährung und Aktienmarkt brechen ein.

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          Die Landeswährung Brasiliens, der Real, ist am Donnerstag wegen politischer Turbulenzen eingebrochen. Auch die Währungen zahlreicher anderer Schwellenländer wie Indien, Mexiko, Russland, Südafrika und der Türkei standen unter Druck, den brasilianischen Real traf es hingegen am stärksten. Die Währung der größten Volkswirtschaft Südamerikas brach gegenüber dem Dollar um bis zu 8 Prozent ein.

          Der Leitindex Ibovespa fiel an der Börse in Sao Paulo um mehr als 10 Prozent, der Handel musste zeitweilig ausgesetzt werden.

          IBOVESPA -- --

          Auslöser der Turbulenzen waren Vorwürfe gegen den brasilianischen Staatspräsidenten Michel Temer. Er soll geholfen haben, Mitwisser in einem riesigen landesweiten Korruptionsskandal gegen Geld zum Schweigen zu bringen. Brasiliens Präsident Michel Temer hat nach den brisanten Enthüllungen alle Termine abgesagt und eine Erklärung angekündigt. Es gibt massive Forderungen nach einem Rücktritt.

          In Brasilia war am Donnerstag nach Bekanntwerden von angeblich stark belastenden Tonaufnahmen von einer „Bombe“ die Rede. Der konservative Politiker hatte erst vor einem Jahr die suspendierte und später des Amtes enthobene linke Präsidentin Dilma Rousseff abgelöst.

          Geldkoffer mit 500.000 Reais

          Dem Portal „O Globo“ zufolge gab es ein Treffen Temers mit Joesley und Wesley Batista - den Brüdern gehört der größte Fleischkonzern der Welt, JBS. Temer soll grünes Licht gegeben haben, den inhaftierten Ex-Parlamentspräsidenten Eduardo Cunha mit einer Geldzahlung zum Schweigen zu bringen. Cunha gilt als einer der bestinformierten Politiker, wenn es um all die Verwicklungen des Lava-Jato-Skandals geht - führende Unternehmen zahlten jahrelang Schmiergelder, um an Aufträge zu kommen.

          Laut „O Globo“ soll anschließend der Abgeordnete Rodrigo Rocha Loures von Temers Partei PMDB dabei gefilmt worden sein, wie er einen Geldkoffer mit 500.000 Reais (146.000 Euro) entgegennahm - er soll von Temer mit dem Lösen der Sache beauftragt worden sein. Das Geld soll von Joesley Batista stammen, hieß es.

          Dieser wiederum hatte die Gespräche mit Temer den Berichten zufolge mitgeschnitten und sich - womöglich um von einer Kronzeugenregelung zu profitieren - an einen Richter des Obersten Gerichtshofs gewandt.

          Brasilien ist eines der größten Schwellenländer der Welt und gehört zu den sogenannten Brics-Staaten, bestehend aus Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika. Nach einer langen Flaute hatte sich die Wirtschaftslage in vielen Schwellenländern zuletzt stabilisiert oder sogar verbessert. Anleger hatten diese Entwicklung goutiert, indem sie wieder mehr Kapital dort anlegten. Am Donnerstag war die Stimmung jedoch sehr schlecht.

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