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Branchenstudie : Aktien französischer Großbanken haben gewisse Reize

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Bild: FAZ.NET

Abgesehen von den jüngsten Rückschlägen konnten die Aktien der französischern Großbanken in den vergangenen Monaten nette Kursgewinne verbuchen. Die Unternehmen haben gute Zahlen vorgelegt, die Aktien sind optisch vernünftig bewertet.

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          Mit den Aktien der französischen Großbanken ließ sich in den vergangenen Monaten gutes Geld verdienen. Sie tendierten alle im Trend deutlich nach oben, bevor es im Rahmen der Korrektur der vergangenen Tage zu deutlichen Rückschlägen kam. Diese haben zumindest kurzfristig deutlichen charttechnischen Schaden angerichtet.

          Die Aktie von BNP Paribas legte seit März des Jahres 2003 bis zu 140 Prozent zu, die der Crédit Agricole bis zu 170 Prozent und die der Société Générale sogar bis zu 190 Prozent. Gleichzeitig scheinen die Papiere auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr noch günstig zu sein. So liegen die Kurs-Gewinnverhältnisse für das laufende Jahr in den oben genannten Reihenfolge bei zehn oder leicht darüber und auch die Dividendenrenditen zwischen 3,15 Prozent bei der Crédit Agricole und 3,88 Prozent bei der Société Générale können sich sehen lassen.

          Unternehmen gut positioniert - verdienen gut

          Das dürfte kaum verwundern. Denn die Unternehmen sind gut positioniert und haben in den vergangenen Monaten glänzend verdient. So konnte BNP Paribas ihren Netto-Gewinn im ersten Quartal überraschend deutlich auf ein Redkord-Niveau gesteigert. Er legte um 17 Prozent auf 2,013 Milliarden Euro zu, wie das Geldhaus am Freitag in Paris mitteilte. Das ist deutlich mehr, als der Markt erwartet hatte. Dazu trug den Angaben zufolge vor allem der Bereich Investment Banking bei, der eine Gewinn-Steigerung von 49 Prozent vorlegte.

          Auch die Société Générale ist dank Zuwächsen im Investmentbanking und im Filialgeschäft mit einem Rekordgewinn ins neue Jahr gestartet. Unter dem Strich sei der Gewinn der ersten drei Monate im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um ein Fünftel auf 1,47 Milliarden Euro geklettert, teilte das nach Marktkapitalisierung fünftgrößte Kreditinstitut der Eurozone am Donnerstag in Paris mit. Auch hier lag das Ergebnis über den Markterwartungen.

          Am Mittwoch hatte Frankreichs größte Filialbank Credit Agricole mit einem Nettogewinn von 1,39 Milliarden Euro ein Rekordergebnis erreicht. Die Franzosen setzen mit ihrem guten Abschneiden die Reihe starker Quartalszahlen im Bankensektor zu Jahresbeginn fort. Goldman Sachs, Lehman Brothers und die Deutsche Bank etwa hatten für die ersten drei Monate 2006 ebenfalls Rekordzahlen ausgewiesen.

          Die weiteren Aussichten scheinen zunächst in einem anhaltend freundlichen Wirtschaftsumfeld nicht schlecht zu sein. Allerdings gibt es auch gewisse Risiken, die ein gewisse Zurückhaltung der Märkte bei der Bewertung der Papiere erklären könnte. Erstens dürfte die Unternehmen der Branche in der jüngeren Vergangenheit von den tiefen Zinsen profitiert haben. Da die Zentralbanken jedoch inzwischen kontraktiver geworden sind, könnten die Impulse aus dieser Richtung abnehmen.

          Günstige Bewertung aufgrund eines günstigen Unmfeldes

          Dasselbe dürfte auch die Entwicklung an den Finanzmärkten gelten, konnten die Banken aufgrund der im Trend steigenden Kurse, den regen Aktivitäten an den Börsen und im Form von Übernahmen und Fusionen davon profitieren. Aber auch hier stellt sich die Frage ob und wie lange sich diese Entwicklung wird fortsetzen können.

          Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob die Unternehmen nicht wieder zu übermütig werden und zu stark in die falschen Bereich investieren, wie das in der Vergangenheit immer wieder einmal beobachtet werden konnte. So konkurriert die Société Générale mit der Citigroup um eine Beteiligung an der chinesischen Guangdong Development Bank und ist an Zukäufen in der Türkei interessiert. Die Bankenkonsolidierung in den Wachstumsmärkten hat nach Einschätzung von Rene Carron, Chairman der Credit Agricole, den Wettbewerb um neue Übernahmeziele verschärft und die Akquisitionskosten erhöht. Die Preise hätten ein Niveau erreicht, bei dem die Kosten gegen die Synergien sorgfältiger aufgewogen werden, so Carron weiter.

          Insgesamt dürften die Papiere in einem anhaltend freundlichen Umfeld unter anderem auch aufgrund der starken Marktstellung, der hohen Rentabilität und auch der relativen Robustheit des Geschäfts im Inland relativ attraktiv bleiben. Allerdings sollten sie aufmerksam betrachtet werden. Denn bei einer Eintrübung der konjunkturellen Verhältnisse dürften sie rasch in die Defensive geraten. Vor allem dann, wenn die Risikoneigung der Anleger weiter zurückgehen sollte. Denn dann können unter anderem teure Übernahmen in Schwellenländern zum Bumerang werden.

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