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Branchenrotation : Die besten Aktien für den Aufschwung

Bild: F.A.Z.

Die Wirtschaft läuft, der Dax steigt weiter. Ganz billig sind die Aktien nicht mehr. Doch Bau- und Chemiewerte könnten sich immer noch lohnen.

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          Es wird weiter aufwärtsgehen am Aktienmarkt. Darin sind sich die Analysten einig. Bis zu 8.000 Punkte oder weitere 20 Prozent mehr erwarten Optimisten für den Dax - kein Wunder, denn die deutsche Wirtschaft brummt so stark wie seit langem nicht mehr.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Am Aktienmarkt können Anleger in dieser Situation gutes Geld verdienen. Geht es der Wirtschaft gut, sprudeln auch die Unternehmensgewinne. Und die sind der Haupttreiber für die Aktienkurse. „Obwohl die Märkte schon seit vier Jahren haussieren, sind die Aktien insgesamt noch nicht zu teuer“, sagt Johannes Reich, der für das Bankhaus Metzler das Aktiengeschäft leitet. Metzler gehört wie einige andere kleine deutsche Institute zu den Beobachtern, die den deutschen Markt am treffsichersten analysieren.

          Welche Branchen sind gefragt?

          Für Reich könnten die deutschen Aktien bis zur Jahresmitte weiter klettern, bevor eine zeitweilige Korrektur einsetzt. „Insgesamt traue ich dem Dax in diesem Jahr ein einstelliges Wachstum zu.“ Das wären bis zu 7.300 Dax-Punkte. „Viele Anleger haben aus übertriebener Vorsicht noch nicht investiert. Holen sie das nach, klettern die Kurse“, glaubt Reich. Hinzu komme, dass die Leitzinsen in diesem Jahr noch nicht so hoch stiegen, dass sie die Wirtschaft und damit die Aktienkurse bremsten, begründet er seinen Optimismus.

          Und was heißt das für die Aktienauswahl? Welche Branchen sind gefragt? In der klassischen Anlagetheorie begünstigt jede Phase des Wirtschaftszyklus Aktien aus bestimmten Sektoren (siehe Grafik). Geht es bergab, sind konjunkturunempfindliche defensive Werte wie Pharmaaktien oder Nahrungsmittelhersteller gefragt. Schließlich werden Medikamente auch gekauft, wenn es der Wirtschaft schlecht geht. Vom Aufschwung hingegen profitieren besonders Zykliker wie Maschinenhersteller, Chemieunternehmen oder Rohstoffproduzenten. Da die Aktienmärkte die Wirtschaftsentwicklung schon mit einigen Monaten Vorlauf vorwegnehmen, müssen Anleger bereits auf Zykliker achten, wenn die Konjunktur noch gar nicht richtig brummt.

          Übernahmekandidaten können kaufenswert sein

          Alleiniges Auswahlkriterium sollten die Zyklen freilich nicht sein. „Die Branchenrotation funktioniert nicht mehr so wie früher. Aktien können auch gefragt sein, wenn sie aus dem vermeintlich gerade falschen Sektor stammen“, warnt Reich. So ist die Telekom interessant, weil eine erfolgreiche Restrukturierung dem Kurs enormen Auftrieb geben könnte, aber nicht, weil sie von einer starken Konjunktur profitiert.

          Auch Unternehmen, die als Übernahmekandidaten gelten, können kaufenswert sein, unabhängig von der aktuellen Wirtschaftslage. Wie im Fall von TUI oder Schering kann das den Kurs eine Weile stützen.

          „Unser Favorit ist Hochtief“

          Auf der anderen Seite spricht der Preis oft gegen ein Engagement. So werden Stahlunternehmen zwar derzeit durch die hohe Nachfrage verwöhnt. Doch die Aktien sind in den vergangenen Jahren bereits kräftig nach oben geschossen. Thyssen-Krupp hat sich im vergangenen Jahr glatt verdoppelt und war Sieger im Dax. Im Bereich der konjunkturabhängigen Unternehmen fällt der Blick daher auf andere Titel, Bauwerte etwa. Auch die sind schon gut gelaufen, aber es gibt noch Luft.

          In Deutschland finden sich diese Unternehmen im M-Dax. „Unser Favorit ist Hochtief. Der Auftragsbestand ist auf einem Rekordwert“, begründet Horst Soulier, Leiter der Aktienanalyse der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). „Das Unternehmen profitiert vor allem vom massiven Ausbau der Infrastruktur.“ In den Wachstumsregionen Osteuropa und Asien sowie der Pazifikregion besitze es eine besonders starke Marktposition.

          LBBW setzt auf Linde

          Im Bereich der Chemiewerte, die auch schon eine gute Entwicklung hinter sich haben, empfehlen einige Analysten BASF-Aktien. Die LBBW setzt wiederum auf Linde. Nach der Übernahme des britischen Gasherstellers BOC ist Linde Weltmarktführer bei Industriegasen. Der Markt wachse jedes Jahr um sieben Prozent.

          Die meisten Analysten haben aber nach sieben Monaten Kursaufschwung schon die erwartete Korrektur der Aktienmärkte im Hinterkopf. „Wenn sich zeigt, dass die Dynamik der Weltkonjunktur nachlässt, könnte es zu Kursverlusten kommen“, sagt etwa der Leiter der Aktienstrategie bei HSBC Trinkaus & Burkhardt, Volker Borghoff. Das muss auch die Dax-Unternehmen interessieren, die im Durchschnitt nur noch knapp 50 Prozent ihres Gewinns - manche sogar deutlich weniger - in Deutschland erwirtschaften.

          Defensive Pharmatitel als Favoriten

          Eine Korrektur werde wohl noch nicht sofort stattfinden, weil die Bekanntgabe der guten Zahlen für 2006 noch einmal für Schub am Markt sorgen dürfte, erwartet Borghoff. Doch im zweiten Quartal könnte es brenzliger werden. Eine defensivere Ausrichtung des Depots sei dann empfehlenswert.

          So sieht das auch Michael Kopmann, Aktienstratege in der DZ Bank. Er rechnet mit einer Korrektur bis auf 6.200 Punkte in den kommenden Monaten und schichtet sein Depot entsprechend um. Defensive Pharmatitel wie Fresenius oder Stada oder der Sportartikelhersteller Puma sind daher Favoriten der Bank. Allzu pessimistisch ist er aber nicht. „Nach einem Rückgang dürfte der Dax bis Jahresende wieder bis auf 6.800 Punkte steigen.“

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