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Branchenblick : Finanzwerte sind nicht aus dem Schneider

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Viele Banken können zumindest auf dem Papier wieder riesige Gewinne ausweisen. Amerikanische Finanzunternehmen tragen sogar 35 Prozent zu den Unternehmensgewinnen bei. Dagegen stehen Europäische Banken vor weiteren Abschreibungen, erklärt die EZB.

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          In den vergangenen Monaten konnten zwar weltweit viele Banken zumindest auf dem Papier wieder riesige Gewinne ausweisen. Allerdings kamen und kommen solche Zahlen nur aufgrund verschiedener Sonderfaktoren zustande.

          Denn die Unternehmen der Branche wurden und werden zumindest in den Industriestaaten gepäppelt mit Garantien, extrem tiefen Zinsen, Wertpapierkäufen durch die Zentralbanken und nicht zuletzt auch durch gelockerte Bilanzierungsrichtlinien. Auf diese Weise werden sie förmlich dazu ermuntert, wieder risikofreudiger zu verhalten, obwohl gerade das in die Krise geführt hat.

          Amerikanische Banken tragen 35 Prozent zu den Unternehmensgewinnen bei

          In den Vereinigten Staaten lag der Anteil der Gewinne von Finanzunternehmen an den Unternehmensgewinnen insgesamt zuletzt bei etwas mehr als 35 Prozent und damit deutlich über jenem Niveau, welches vor dem Aufblühen und Aufblähen der Finanzbranche vor der Deregulierung üblich war. Das deutet darauf hin, dass die gegenwärtig amerikanische Administration daran interessiert ist, statistisches Wachstum auf diese Weise gut aussehen zu lassen, währen sie auf der anderen Seite massive Steuermittel einsetzt, um die Fehler dieser Branche auszubügeln und zu kaschieren.

          Nur so lässt sich erklären, dass die amerikanische Zentralbank verbriefte Kredite schwacher Qualität in großem Stile aufkauft, während gleichzeitig die tief defizitären, verstaatlichten Hypothkarriesen Fannie Mae und Freddi Mac ermächtigt wurden, unbegrenzt Hypothekarpapiere zu übernehmen. Amerikanische Banken können sich so gleichzeitig auf mehreren Wegen auf Kosten der Steuerzahler sanieren, statt in ihre Grenzen gewiesen zu werden. Ohne Sanktionen für Anteilseigner, Gläubiger und Manager der Finanzunternehmen bleibt die Verlockung groß, sich so einseitig zu positionieren wie in der Vergangenheit.

          In Europa sieht die Lage nicht viel besser aus. Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten, die sich durch eine starke Konzentration sehr großer Banken auszeichnen, gibt es in Europa viel zu viele Banken. Ausgehend von kleinen Binnenmärkten mit knappen Margen versuchten sie in der Vergangenheit um jeden Preis im internationalen Geschäft zu wachsen und gingen dabei unkalkulierbare Risiken ein. Diese zeigten sich in den vergangenen Monaten nicht nur in Form der Pleite der IKB und der HypoReal Estate, sondern auch im enormen Abschreibungsbedarf bei vielen anderen Unternehmen der Branche. Unter anderem auch bei den miserabel geführten Landesbanken.

          Europäische Banken stehen vor weiteren Abschreibungen

          Diese Lage ist längst noch nicht bereinigt. Denn europäischen Banken werden in diesem Jahr mehr Kredite als im Jahr 2009 abschreiben müssen, erklärt die Europäische Zentralbank in ihrem am Montagabend vorgelegten Stabilitätsbericht. Gleichzeitig dürfte die Fähigkeit der Geldinstitute, Anleihen aufzulegen, durch die Anstrengungen der Regierung zur Finanzierung ihrer Defizite gebremst werden.

          Die Rentabilität im Bankensektor werde kurz- bis mittelfristig „bescheiden“ bleiben, erklärte die EZB und verwies auf die Aussichten weiterer Kreditverluste, einem andauernden Druck auf den Sektor, die Verschuldung zu reduzieren, sowie die Markterwartungen höherer Finanzierungskosten. Mögliche Folgen einer stärkeren Regulierung oder Besteuerung wurden nicht erwähnt. Allerdings stellen auf sie ein deutliches Ertragsrisiko dar.

          Die Banken des Euroraums dürften im Jahr 2010 Abschreibungen auf Kredite und Wertpapiere von 90 Milliarden Euro verzeichnen, ist in der Studie zu lesen. Solange sich die Rentabilität auf dem Niveau der letzten Jahre bewege, sollten die Kreditinstitute keine größeren Probleme haben, diese zu verkraften. Für das 2010 veranschlagt die EZB den Rückstellungsbedarf für notleidende Kredite auf 105 Milliarden Euro.

          Insgesamt kann kaum verwundern, dass die sechs schlechtesten Werte im Euro Stoxx 50 im laufenden Jahr Finanzwerte sind. Angefangen von den Papieren der spanischen BBVA, der italienischen Intesa Sanpaolo, der französischen Société Générale, des Crédit Agricole und der Banco Santander bis hin zur italienischen Unicredit.

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