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Branchenblick : Banken der Industriestaaten unter Druck

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Bild: FAZ.NET

Finanzwerte führen am Mittwoch eine technische Kurserholung an der Börse an. Die Preise der Kreditversicherungen sind in den vergangenen Tagen allerdings deutlich gestiegen. Die westlichen Banken bauen derzeit Schulden ab.

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          Mit deutlichen Kursgewinnen erholen sich am Mittwoch die europäischen Börsen zumindest in Ansätzen vom Ausverkauf der vergangenen Tage. Der Dax legt 1,2 Prozent zu, nachdem er seit Ende April bis zu zehn Prozent seines Wertes verloren hatte. Der Euro Stoxx 50 kann sogar einen Kursgewinn von zwei Prozent verzeichnen, nachdem er in den Wochen zuvor um bis zu 17 Prozent nachgegeben hatte.

          Die deutlichsten Kursgewinne verzeichnen im Tagesverlauf im europäischen Auswahlindex die Finanzwerte. Die Papiere des Versicherungskonzerns Axa legen um knapp sechs Prozent zu, die Aktien des Crédit Agricole um 4,7 Prozent, die der Ing Groep um 4,4 Prozent, die der Société Générale um 3,9 Prozent und die von Aegon, der BNP Paribas und der BBVA um etwas mehr als drei Prozent.

          Technische Kurserholung gegen fundamentale Probleme

          Diese Kurserholungen sind allerdings in erster Linie technischer Natur. Denn die europäischen Finanzwerte stehen schon seit Wochen unter Verkaufsdruck. Einzelne Werte wie die der Intesa Sanpaolo, der BBVA, der Société Générale und der Banco Santander hatten seit Jahresbeginn mehr als 30 Prozent ihrer Werte verloren. Die Kursverluste gehen in Europa auf die akut gewordene Strukturkrise zurück, die bisher nicht bereinigte Ungleichwichte sowie Wachstumsschwächen in den europäischen Staaten gnadenlos offenlegt und die auf notwendige und bisher nicht getätigte Abschreibungen in den Bilanzen der Banken schließen lässt.

          Probleme dieser Art sind nicht auf Europa beschränkt. Das lässt sich aus dem Misstrauen der Rentenmarktanleger ablesen. Die lassen sich von kurzfristigen Stimmungsumschwüngen an den Börsen wenig beeindrucken und verlangen immer höhere Absicherungsprämien gegen mögliche Zahlungsunregelmäßigkeiten im Bankensektor. Die CDS-Spreads sind in den vergangenen Tagen deutlich gestiegen. Allen voran bei Morgan Stanley, bei der RBS, bei der BBVA, bei Lloyds TSB und nicht zuletzt auch bei Goldman Sachs. Der Stress lässt sich auch aus steigenden Libor-OIS-Spreads ablesen, die als Indikatoren für die Sorge über eine mögliche Insolvenz gelten.

          Westliche Banken im so genannten De-Leveraging Status

          Nicht nur die Anleger sind kritisch, sondern auch die Analysten der Independent Credit View AG. Aus der jüngsten Fassung der von ihnen veröffentlichten Studie zur Bonitätseinschätzung von über 50 Bankinstituten in Europa, Amerika, Asien und den Emerging Markets geht hervor, dass die bisherigen Risikomanagementsysteme der Banken versagt haben. Die Verluste seit Mitte des Jahres 2007 summierten sich auf 1,5 Billionen Dollar. Der Druck von Seiten der Politik und Aufsichtsbehörden, mehr Sicherheit ins Bankensystem zu bringen, sei daher immens.

          Banken der so genannten BRIC-Staaten sind Gewinner dieser Analyse, während sich die Mehrzahl der westlichen Banken im so genannten De-Leveraging Status befänden und mit „internen Hausaufgaben“ beschäftigt seien. Zu den Verlierern gehörten Banken der Industrieländer, da sie es 2009 verpasst hätten, die Risikovorsorge den Kreditrisiken entsprechend anzupassen, heißt es weiter. Namentlich zählten zu den Gewinnern der umfangreichen Analyse die Toronto Dominion, JP Morgan und BNP Paribas, während zu den Verlierern Allied Irish, Commerzbank und Alpha Bank gehörten. Die Schweizer Grossbanken schnitten in der Studie gut ab, während die Deutsche Bank im Mittelfeld und Commerzbank auf den Schlussrängen zu finden seien.

          In der Konsequenz seien die Verlierer der Branche kaum in der Lage, ihre Schulden ohne staatliche Hilfen zu restrukturieren. Generell werde sich der Druck auf die Banken im zweiten Halbjahr erhöhen.

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