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Branchenanalyse : Rohstoffpreise können Margen der Reifenhersteller gefährden

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Die Unternehmen in der Reifenindustrie konnten die Gewinne auf Grund von Restrukturierungen deutlich steigern, die Aktienkurse steigen. Hohe Rohstoffpreise könnten aber bald die Margen beschneiden, so eine Studie von S&P.

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          Mit satten Kursgewinnen und zum Teil eindrucksvollen Aufwärtstrends machten in den vergangenen Monaten die Aktien der Reifenhersteller auf sich aufmerksam. Angefangen von Michelin, Bridgestone, Goodyear Tire & Rubber, Pirelli, Sumitomo Rubber, Yokohama Rubber, Cooper Tire & Rubber, Toyo Tire & Rubber, Kumho Industrial bis hin zu Continental.

          Die beispielhafte Entwicklung bei Continental dürfte kaum verwundern. Denn das Unternehmen konnte nach eher stagnierendem Geschäft in den vergangenen Jahren und gar einem happigen Verlust im Jahr 2001 in die Gewinnzone zurückkehren und im vergangenen Jahr den Gewinn auf Grund von Kostensenkungsmaßnahmen und Restrukturierungen deutlich verbessern. Für das laufende und die kommenden Jahre werden von vielen Analysten weitere deutliche Gewinnsteigerungen unterstellt.

          Restrukturierungen führten zu steigenden Gewinnen ...

          So dürfte es kein Wunder sein, daß die Aktie im Jahr 2003 nicht nur den langfristigen Abwärtstrend überwand, sondern in einem steilen Aufwärtstrend seit März des vergangenen Jahres satte 293 Prozent auf zuletzt 46,44 Euro zulegte. Dieser Aufwärtstrend zeigt weiterhin nach oben. Auf Basis der Gewinnprognosen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr scheint die Aktie mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 12 und zehn nach wie vor vergleichsweise günstig zu sein.

          Allerdings ist es immer gefährlich, solche Entwicklungen einfach linear in die Zukunft fortzuschreiben. Dagegen spricht nicht nur der gesunde Menschenverstand, sondern in Bezug auf die Branche auch eine Analyse von S&P. „Reifenhersteller waren im laufenden Jahr in der Lage, steigende Rohstoffkosten über Produktivitätsgewinne, Preisanpassungen und Kostensenkungen auszugleichen. Aber das wird im Jahr 2005 schwieriger werden,“ so S&P-Analyst Martin Amann, einer der Autoren der Studie.

          Die Branche sei gekennzeichnet durch eine hohe Kapitalintensität. Denn die Unternehmen seien konfrontiert mit hohen Fixkostenblöcken wie Arbeitskosten, großen, teuren Fabrikationsanlagen, stetigen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten und nicht zuletzt den volatilen Rohstoffkosten. Die großen Unternehmen hätten zwar die kritische Größe, um erfolgreich wirtschaften zu können. Allerdings seien sie permanent gezwungen, ihre Produktivität zu verbessern.

          ... aber steigende Rohstoffpreise könnte die Margen bald dämpfen

          Das führe nicht selten zur Schließung von Werken und dem damit verbundenen Abbau von Arbeitsplätzen einerseits und zur zunehmenden Auslagerung von Aktivitäten in Länder mit geringeren Kostenstrukturen. Regionen wie Osteuropa, Südamerika und Asien sein ideal, da sie nicht nur tiefere Kosten, sondern auch Wachstumsmöglichkeiten böten.

          Grundsätzlich haben Conti und Cooper Tire nach S&P-Einschätzung die beste Kostenstruktur. Gleichzeitig zahle sich bei Conti die Konzentration auf hochwertige Produkte mit unterdurchschnittlicher Preissensitivität in Form guter Margen ebenso aus, wie der zunehmende Anteil der Produktion in Ländern mit niedrigen Kosten. Allerdings bleibt auch hier das Risiko der Rohstoffkosten.

          Sie sind für 20 bis 30 Prozent der Umsätze der Branche verantwortlich. Im Jahr 2003 sind sie um durchschnittlich 20 Prozent gestiegen, in der ersten Hälfte des laufenden Jahres um weitere 15 Prozent und auch in der zweiten Jahreshälfte dürften sie weiter steigen. Diese Entwicklung trifft zwar alle Hersteller gleichzeitig. Sollten sie allerdings auf Grund des harten Wettbewerbs die steigenden Kosten nicht an die Kunden weitergeben können, dürfte es zu Lasten der Margen gehen.

          Aus diesem Grund dürfte es auch für Anleger ratsam sein, die Wachstumsentwicklung im Auge zu behalten. Denn sollte die Nachfrage - rund 75 Prozent der Umsätze kommen aus dem Ersatzgeschäft - nachlassen, dann dürften die Reifenhersteller früher oder später Probleme bekommen, die hohen Gewinnerwartungen zu erfüllen. Das würde sich wiederum bei den Aktienkursen bemerkbar machen. Bei Gefährdung oder gar Bruch der Trends ist folglich eine genauere Betrachtung nötig.

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