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Branchenanalyse : Luft- und Raumfahrtaktien wachsen keine Flügel

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Flugzeugbauer haben es momentan nicht leicht. Weder in der zivilen Luftfahrt noch in der staatlich dominierten Raumfahrt läuft es rund. Den Aktien von Boeing und EADS hat dies einen Blindflug beschwert.

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          Der Luft- und Raumfahrtindustrie werden derzeit etwas die Flügel gestutzt. Von Himmelstürmern kann jedenfalls momentan nicht mehr die Rede sein. Das räumt auch der Branchenverband ein. Dessen Päsident Rainer Hertrich sagte am Mittwoch, die Krise werde frühestens 2004 zu Ende sein.

          Für die Aktionäre von Branchenführer Boeing und dem Kronprinzen EADS sind das keine guten Nachrichten. Deren Aktien befinden sich ohnehin schon seit einiger Zeit auf Sinkflug. Zur Wochenmitte setzt sich diese Fahrt fort. Dabei verliert Boeing 1,04 Prozent auf 29,53 Dollar und EADS 2,78 Prozent auf 8,75 Euro, was ein neues Rekordtief bedeutet.

          Luftfahrt leidet unter großen Problemen

          Zu dem etwas eingetrübten Bild passen auch die Meldungen, die in dieser Woche zu EADS selbst kamen. Demnach hat das Unternehmen wie prognostiziert zwar beim Gewinn vor Steuern und Zinsen einen Wert von 1,4 Milliarden Euro nach 1,7 Milliarden Euro im Jahr zuvor erzielt. Doch der um 49 Prozent auf 31 Milliarden Euro gesunkene Auftragseingang deutet an, wie schleppend es derzeit läuft.

          Das Produktionsziel von 300 Fahrzeugen bei der Tochter Airbus scheint den neuesten Angaben zufolge in diesem Jahr nur mit Mühe zu erreichen zu sein. Was der Branche zu schaffen macht sind die dämpfenden Impulse, die auf den Reiseverkehr durch den Terror und die politischen Unsicherheiten ausgehen. Dies führt zu einem sinkenden Luftfracht- und Geschäftsreiseaufkommen.

          Bei dieser Konstellation verzichten die Fluglinien natürlich auf die ein oder andere Bestllung neuer Flugzeuge. Zumal die Fluglinien in den USA bei einem im Vorjahr insgesamt eingeflogenen Verlust von rund neun Milliarden Dollar momentan ganz andere Sorgen haben. Die nur schleppende Nachfrage hat den ohnehin schon mit harten Bandagen geführten Konkurrenzkampf zwischen Boeing und EADS noch weiter verschärft.

          Raumfahrt muss Dämpfer verkraften

          Selbst von der Raumfahrt gehen in dieser misslichen Lage keine Impulse aus. So hatte die deutsche Raumfahrtindustrie im Jahr 2002 beim Umsatz nach sechs Jahren mit Wachstum ein Minus von 7,9 Prozent auf 15,3 Milliarden Euro zu verkraften. Hier machen sich die kleiner gewordenen Finanztöpfe in den Staatshaushalten ebenso negativ bemerkbar wie ein angesichts der Krise in der Telekombranche schrumpfender Satelliten-Markt. Hinzu kommt die Tatsache, dass das europäische Ariane-Programm derzeit auf Eis liegt und der Absturz der US-Fähre Columbia den Ambitionen der USA einen Dämpfer versetzte.

          Angesichts dieser trüben kurzfristigen Ausgangskonstellation wollen sich die Anleger dezeit offenbar auch nicht von dem mittel- und langfristig vom Verbandspräsidenten zur Schau getrogenen Optimismus verlassen. Zwar rechnet mit einem jährlichen Wachstum von rund fünf Prozent beim Passagieraufkommen und von sechs bis sieben Prozent beim
          Luftfrachtaufkommen, doch ein Kaufargument leiten die Anleger daraus momentan noch nicht ab.

          Intakte Abwärtstrends

          Ein kleiner Trost ist es für die Aktionäre von Boeing und EADS aber immerhin schon einmal, dass ihre Aktien mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von knapp zehn bereits günstig bewertet erscheinen. Zum Kauf bieten sich die Titel aber erst dann an, wenn charttechnisch gesehen die unverändert gültigen Abwärtstrends ad acta gelegt werden.

          Den zu überwinden dürfte für EADS insbesondere bei einem weiter steigenden Euro aber ein Problem darstellen. Für 2003 ist die Währung den Angaben zufolge zwar abgesichert, aber die Zukunftsprojekte wie das Großraumflugzeug A380 und der Militärtransporter A400M sind auf einer Kursbasis von 1,12 Dollar berechnet, so dass hier der Puffer mittlerweile nicht mehr sehr groß ist. Deshalb sollten vorsichtig agierende Anleger weder bei der auf Rekordtief notierenden EADS noch bei der an wichtigen Unterstützungen kratzenden Boeing schon jetzt auf ein Ende des Blindflugs hoffen.

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