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Branchenanalyse : Gute Aussichten für Software-Aktien

  • -Aktualisiert am

Hat Vista auch wirtschaftlich mehr zu bieten als eine neue Optik? Bild: AP

S&P sieht das Kursmomentum und den fundamentalen Ausblick der Systemsoftware-Branche positiv. Zu den Top-Favoriten zählen Microsoft und Oracle.

          Bei Durchsicht der rollierenden 52-Monate-Relative-Stärke-Charts der 138 Branchen des S&P-Composite-1500-Index (der die Aktienwerte des S&P-500, des S&P-MidCap-400 und des S&P-SmallCap-600 umfasst) fielen mir sechs Branchen ins Auge, die nach meiner Einschätzung positive langfristige Trends relativer Stärke aufweisen.

          Die Charts für die Branchengruppen Brennereien und Winzer, Elektrogerätehersteller, Elektronik-Auftragsfertiger, Wasserversorger, Halbleiter und Systemsoftware zeigen allesamt aufwärts gerichtete Trends, die sich oberhalb ihrer gleitenden Neunmonatsdurchschnitte befinden und im Bereich ihrer ersten Standardabweichung liegen (d. h. innerhalb der ersten Standardabweichung über und unter dem 17-Jahres-Mittel der relativen Stärke).

          Systemsoftware sticht hervor
          Aus diesen sechs Branchen sticht jedoch eine hervor: Systemsoftware. Diese Branchengruppe wies innerhalb des S&P-Rankingsystems den höchsten Durchschnittswert auf (4,8 von 5,0 Sternen) und wurde von S&P-Aktienanalysten mit einem positiven fundamentalen Ausblick versehen. Im Jahresverlauf bis zum 7. Dezember stieg der S&P-1500-Branchenindex Systemsoftware um 15,3 Prozent gegenüber einem Anstieg von 6,2 Prozent des S&P-1500. Im Jahr 2006 betrug der Zuwachs des Teilindex' 16,8 Prozent, während der breite Markt um 13,3 Prozent zulegte.

          Besitzt diese Branche noch weiteres Aufwärtspotential? Jim Yin, der die in diesem Index vertretenen Unternehmen für S&P Equity Research analysiert, formuliert einen positiven fundamentalen Ausblick für die Systemsoftware-Branche. Mit Blick auf das Jahr 2008 sieht Yin günstige Perspektiven für die Branchensegmente Internetsicherheit, Datensicherheit für mobile Endgeräte, Desktop- und Server-Virtualisierungssoftware, Datenspeicherung und Wiederherstellung gesicherter Daten. Auf längere Sicht geht S&P davon aus, dass bestimmte positive Trends intakt bleiben, darunter etwa die Aufrüstung bestehender Hardware-Infrastruktur.

          Web-Services als Wachstumsmotor

          Für das kommende Jahr prognostiziert S&P einen Zuwachs der Ausgaben für Systemsoftware zwischen zehn und dreizehn Prozent. Yins positiver Ausblick gründet sich auf eine Steigerung des PC-Absatzes, vorangetrieben durch stärkeres Wachstum der Laptop-, Konsumgüter- und internationalen Märkte. Zwar halten sich Unternehmen beim Umstieg auf das Microsoft-Betriebssystem Windows Vista bislang noch zurück, doch Yin erwartet einen Anstieg der Umstiegsrate, sobald Microsoft das Service Pack 1 für Windows Vista herausgebracht hat (was nach Yins Einschätzung im ersten Quartal 2008 der Fall sein dürfte) und die Unternehmen ihre Software-Kompatibilitätstests abgeschlossen haben.

          Nach Ansicht von S&P wird die Systemsoftware-Branche von der rasanten Entwicklung der Bereiche Internet, Intranet und Extranet profitieren, die eine starke Nachfrage nach Software-Anwendungen und -systemen generieren, die auf diesen Plattformen aufbauen. Viele Software-Anbieter und -Anwender konzentrieren sich auf Web-Services mit besonderem Augenmerk auf die Integration verschiedenartiger Systeme und Anwendungen. Darüber hinaus sieht Yin steigende Wachstumschancen durch die Konvergenz von PC, Handy und Home Entertainment, unterstützt durch Veränderungen unserer Kommunikationsgewohnheiten und der Art und Weise unseres Informationsaustauschs.

          Sicherheitssoftware gefährdet

          Yin ist überzeugt, dass die Systemsoftware-Branche auch von einer Konsolidierung der Branche profitieren wird. Software-Unternehmen wie Oracle übernehmen verstärkt kleinere Anbieter, um ihre Produktpakete zu erweitern. Nach Einschätzung von S&P wird diese Konsolidierung zu höheren Gewinnspannen der Branche führen. Darüber hinaus zeichnen sich die meisten Software-Unternehmen nach Ansicht von S&P durch starke Bilanzen mit hohen Beständen liquider Mittel aus, die bislang auch für Aktienrückkäufe verwendet wurden.

          Bei Sicherheitssoftware rät Yin jedoch zur Vorsicht. Nach seiner Auffassung ist dieses Marktsegment bereits weitgehend gesättigt, auch wenn er bei Sicherheitssoftware für Handys und Handhelds bedingt durch die zunehmende Verbreitung dieser mobilen Endgeräte noch moderate Wachstumschancen sieht. Yin geht zudem davon aus, dass sich Windows Vista aufgrund seiner verbesserten Sicherheitsfunktionen negativ auf den einen oder anderen Anbieter von Sicherheitssoftware auswirken könnte, wenngleich einige Kunden Software von Wettbewerbern vorziehen werden, die einen besseren Schutz vor den wachsenden Online-Bedrohungen bieten.

          Nach Auswertung von S&P bleibt abschließend festzustellen, dass das längerfristige Momentum der Branchengruppe solide und der allgemeine fundamentale Ausblick positiv ist, was auf eine mögliche Fortsetzung der starken Kursentwicklung dieses Branchenindex' schließen lässt. Die beiden in diesem Bericht genannten Unternehmen Microsoft und Oracle werden von S&P mit fünf Sternen (unbedingte Kaufempfehlung) bewertet.

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