https://www.faz.net/-gv6-wfwx

Branchenanalyse : Autoaktien rasen bald wieder auf der Überholspur

  • Aktualisiert am

Volkswagen und Martin Winterkorn - die Gewinner des Jahres? Bild: Reuters

Der Automarkt in Amerika wird 2008 nicht wachsen. So schockte der Chef von General Motors, Rick Wagoner, die Börse. Doch die Autohersteller stellen sich darauf ein. Sie senken die Kosten und steigern die Effizienz. Gut für die Kurse.

          3 Min.

          An der deutschen Börse ging es vergangene Woche für Autotitel deutlich abwärts. Daimler verloren 11,0 Prozent, Porsche 11,9 Prozent, BMW 3,4 Prozent und VW 4,4 Prozent. Grund: Die Autohersteller wurden von den Absatzzahlen des vergangenen Jahres eingeholt. 2007 sind in Deutschland so wenig Autos verkauft worden wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Im Dezember wurde ein Fünftel weniger Neuwagen ausgeliefert als vor Jahresfrist. Nur dank der starken Auslandsnachfrage erreichten die deutschen Hersteller 2007 dennoch neue Produktionshöhen.

          Aber nun ziehen gerade im Autoparadies Amerika Rezessionswolken herauf. Neben dem hohen Ölpreis wirkte sich auch die anhaltende CO2-Debatte negativ aus. Es sei derzeit völlig unklar, auf welche Auflagen sich die Industrie einrichten müsse, monieren Branchenkenner.

          GM-Chef Wagoner schockt die Branche

          Schlechte Konjunkturaussichten und steigende Inflationssorgen dämpfen bekanntlich die Konsumlust der Amerikaner. Eine Folge: Der amerikanische Automarkt wird 2008 nicht wachsen. Mit dieser Aussage brachte der Chef von General Motors, Rick Wagoner, den Kern mehrerer Prognosen auf den Punkt. An der Wall Street geriet nicht nur die eigene Aktie unter Druck. GM gaben in der ersten Börsenwoche des neuen Jahres um 6,5 Prozent nach.

          Die VW-Aktie ist aktuell teuer, die Dividendenrendite sogar schlecht. Die Gewinne entwickelten sich zuletzt unerwartet gut. Der Konzern profitiert von Kostensenkungen und Effizienzverbesserungen, die in den vergangenen Jahren eingeleitet worden sind.
          Die VW-Aktie ist aktuell teuer, die Dividendenrendite sogar schlecht. Die Gewinne entwickelten sich zuletzt unerwartet gut. Der Konzern profitiert von Kostensenkungen und Effizienzverbesserungen, die in den vergangenen Jahren eingeleitet worden sind. : Bild: F.A.Z.

          Toyota überholt Ford in Amerika

          Ford verloren 8,5 Prozent. Der bisherige Branchenzweite wurde 2007 in seinem Heimatmarkt vom japanischen Wettbewerber Toyota überholt. Ob GM seinen Status als Platzhirsch hält, werden endgültige Produktions- und Absatzdaten in diesem Monat zeigen. Um das kriselnde Geschäft in den Vereinigten Staaten zu sanieren, kann vor allem Ford jeden Dollar brauchen. Da trifft es sich gut, dass in der kommenden Woche wohl die entscheidenden Gespräche mit dem indischen Konglomerat Tata über den Kauf der britischen Automarken Jaguar und Land Rover stattfinden werden. Die Inder, die bisher nur kleine und billige Fahrzeuge produzieren, sollen zwischen 1,8 und 2,2 Milliarden Dollar für die beiden Prestigemarken geboten haben.

          Warum Auto-Aktien nun interessant sind?

          Autoaktien steckten jahrelang in der Sackgasse. Das ändert sich nun. Denn die Autohersteller haben sich auf die schwachen Verkäufe eingestellt. Daimler trennt sich von Chrysler, Volkswagen senkt die Kosten. Die Gewinnmargen sollen steigen - unabhängig davon, ob die Leute mehr Autos kaufen oder nicht. Die deutschen Hersteller haben dabei eine Vorreiterrolle übernommen. Das hat ihren Aktienkursen gut getan - die haben in den vergangenen Jahren bereits kräftig zugelegt.

          Ein Blick auf die Franzosen lohnt sich

          Renault und Peugeot sind an der Börse derzeit unbeliebt. Ihre Aktienkurse pendeln deutlich unter den Höchstständen, und aus den Konzernen kommen weitere Krisensignale: schlechte Zwischenbilanzen und Rabattrekorde. Doch Krisen und Kursverluste führen zu attraktiven Einstiegsmöglichkeiten. Renault wird nun viel günstiger bewertet als BMW oder Daimler - und deutlich besser als die teuren Volkswagen-Aktien. Das gilt nicht nur beim Blick auf die Gewinnaussichten für dieses Jahr, sondern auch für das nächste.

          Wie ist die Branche bewertet?

          Autoaktien sind attraktiv: Erstens werden Fahrzeughersteller im Durchschnitt billiger gehandelt als große Standardaktien. Das deutet immer noch darauf hin, dass die Branche von den Anlegern vernachlässigt wird. Zweitens könnte die gesamte Branche bald davon profitieren, dass die Autofahrer wieder mehr Neuwagen kaufen. Inzwischen erwarten viele Londoner Analysten, dass das in Europa geschehen wird. Das Kalkül: Irgendwann - nach 13 oder 14 Jahren - müssen Autos verschrottet werden. In Europa haben einige Autofahrer ihre Wagen zuletzt länger behalten als früher. Doch eines Tages geht trotzdem nichts mehr, ein neuer Flitzer muss sein. Viele Chinesen, Inder, Brasilianer und Russen sind derzeit ohnehin auf Einkaufstour - diese Absatzmärkte entwickeln sich superb.

          Kostensenkungen und Effizienzsteigerungen treiben die Kurse

          Ein weiterer Treiber für Aktienkurse sind Kostensenkungen und Effizienzsteigerungen. BMW bewies dies jüngst. Doch dies macht auch die Franzosen besonders attraktiv. Sie eifern nun dem Vorbild der deutschen Autohersteller nach. Derzeit erwirtschaften Renault und Peugeot erst wenige Prozent Rendite vor Zinsen und Steuern (Ebit). Wenn Peugeot und Renault ihre Gewinnmargen wie angekündigt in den nächsten Jahren verdoppeln, schlägt sich dies auch im Kurs nieder.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Vor der Wahl in Amerika : Welcome to Trumpland

          In Pennsylvania steht im Garten eines Hauses eine überdimensionale Trump-Figur. Sie ist ein Besuchermagnet für eingefleischte Fans des Präsidenten. Über einen Ort voller Enthusiasmus, Hoffnung und bedingungsloser Liebe.

          Neue Corona-Maßnahmen : Treffen unter dramatischen Vorzeichen

          Vor zwei Wochen konnten sich die Ministerpräsidenten nicht einigen. Jetzt sind die Infektionszahlen kaum noch kontrollierbar. Vor dem Treffen mit Merkel fordern immer mehr Politiker und Wissenschaftler harte Einschnitte mit strikten Kontaktbeschränkungen.
          Weil die Schnelltests dann am sichersten sind, wenn die Viruslast bereits hoch und der Infizierte wirklich infektiös ist, sind Antigentests sogar besonders geeignet, akute Risiken schnell zu erkennen: Ein Mädchen in Delhi lässt sich testen

          Viren-Schnelltests als Chance : Raus aus dem Schlamassel!

          Weniger Lockdown-Streit, mehr Pragmatismus wagen in der Pandemie: Wieso Schnelltests rasch helfen sollten, das Leben mit dem Virus erträglich und sicherer zu machen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.