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Branchenanalyse : Amerikanische Einzelhandelswerte in der Defensive

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Trotz der Immobilien- und der dadurch ausgelösten Kreditkrise werde sich die amerikanische Wirtschaft robust entwickeln und die Weltwirtschaft am Laufen halten, heißt es vielfach. Der Konsumbereich sendet andere Signale.

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          Trotz der Immobilien- und der dadurch indirekt ausgelösten Kreditkrise werde sich die amerikanische Wirtschaft robust entwickeln und auf diese Weise die Weltwirtschaft am Laufen halten, heißt es vielfach.

          Der Blick auf die operative und die Kursentwicklung von Finanz- und Einzelhandelswerten lässt solche Argumente hinterfragen. Hing die amerikanische Konjunktur in den vergangenen Jahren in erster Linie an laxen Finanzierungsbedingungen und den durch zunehmende Verschuldung geförderten Konsumwahn, so läuft es in diesem Bereich doch längst nicht mehr rund.

          Viele Kunden - starke Rabatte - schwache Gewinne?

          Sonderangebote von fünfzig Prozent und mehr haben in den Vereinigten Staaten nach Thanksgiving zwar viele Kunden in die Geschäfte gelockt. Das ließ die Optimisten in den vergangenen Tagen frohlocken und in verleitete sie Verbindung mit Zinssenkungserwartungen zum Kauf von Aktien. Aus diesem Grund konnten sich die Börsen zumindest kurzfristig von den vorhergehenden Kursverlusten erholen.

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          Dabei blieben jedoch die Umsätze und Gewinne der amerikanische Einzelhändler nach Einschätzung von Analysten weitgehend auf der Strecke. Am vergangenen Wochenende haben nach Angaben des Branchenverbands NRF 147 Millionen Konsumenten die Geschäfte gestürmt. Das waren 4,8 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Verbraucher kauften nach NRF-Angaben durchschnittlich Waren im Wert von 347,44 Dollar. Damit lagen die Ausgaben 3,5 Prozent niedriger als vor einem Jahr.

          Solche Schätzungen mögen zwar noch etwas verfrüht sein. Allerdings rechnet der amerikanische Einzelhandel angesichts der hohen Energiekosten und des Wertverfalls am amerikanische Immobilienmarkt mit einem Plus vier Prozent den schwächsten Umsatzzuwachs seit dem Jahr 2004. ICSC, der Verband der Einkaufszentren, rechnet mit einem flächenbereinigten Anstieg um 2,5 Prozent.

          Möglicherweise sind solche Erwartungen noch etwas zu optimistisch. Die Skepsis lässt sich an Unternehmensmeldungen festmachen, wie beispielsweise jener, die die Sears Holdings am Donnerstag ausgab. Sears ist immerhin das größte Kaufhaus in den Vereinigten Staaten. Danach ging der Umsatz im dritten Quartal im Vergleich mit der Vorjahresperiode um 3,3 Prozent zurück auf 11,5 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn lag gerade noch bei zwei Millionen Dollar oder einem Cent je Aktie.

          Besonders ausgeprägt war der Umsatzrückgang bei jenen Geschäften, die seit der Fusion von Sears Roebuck mit Kmart durch Edward Lambert neu eröffnet wurden. „Wir sind über diese Entwicklung sehr enttäuscht,“ erklärte Aylwin Lewis, operativer Vorstand des Unternehmens. Er möchte die schwache Entwicklung zwar nicht auf das makroökonomische Umfeld zurückführen. Das tut er jedoch möglicherweise nur deswegen, um die angeschlagene Konsumentenstimmung nicht noch weiter zu verschlechtern.

          Zum Teil deutliche Kursverluste in den vergangenen Jahren

          Fakt ist, dass viele der im Standard & Poor's 500 Retailing Index enthaltenen Unternehmen in den vergangenen Monaten deutliche Kursverluste hinnehmen mussten. Die Papiere der Circuit City Stores verloren auf Sicht eines Jahres knapp 74 Prozent ihres Wertes, die Papiere von Office Depot knapp 57 Prozent, gefolgt von Dillards mit einem Minus von 47 Prozent. Deutliche Kursgewinne dagegen gab es bei den „virtuellen“ Unternehmen der Branche, allen voran bei Amazonaktien mit einem Plus von knapp 121 in einem Jahr, gefolgt von Expedia, Tiffany und Abercombie & Fitch. Allerdings stellt sich hier die Frage, auf was die Kursgewinne zurückzuführen sein mögen. Bei Amazon dürfte beispielsweise der Rückkauf von zuvor leer verkauften Papieren eine Rollen spielen.

          Selbst die Papiere des Extrem-Discounters Wal-Mart haben sich in den vergangenen Monaten kaum bewegt, obwohl das Unternehmen doch eigentlich von den knapper gefüllten Portemonnaies der Konsumenten profitieren können sollte. Immerhin hatte es in den vergangenen Wochen die Preise noch einmal aggressiv gesenkt. Ein großer Teil der Umsätze entfalle auf Produkte mit niedrigen Margen, heißt es denn auch von Seiten kritischer Analysten. Sie gehen davon aus, dass die Umsatz- und vor allem auch die Gewinnziele bei Firmen wie Wal-Mart möglicherweise nicht zu erreichen seien.

          Die bisherige Ertragsentwicklung verlief alles andere als optimal. Die Target , Limited Brands und Dillard's haben bei der Vorlage der jüngsten Quartalszahlen durchwegs die Analystenerwartungen verfehlt. J.C. Penney und Kohl's hatten bereits zuvor ihre Prognosen für das Jahresendgeschäft zurückgeschraubt. Allein Nordstrom Inc. und Saks konnten sich gut entwickeln und mit ihren Geschäftsergebnissen die Analystenerwartungen übertreffen - beide Unternehmen richten sich mit Waren im oberen Preissegment an eher betuchte Kunden. Das Segment ist nicht so zyklisch, wie der breite Konsum.

          Insgesamt dürfte man auf dieser Basis nicht nur die amerikanischen Konjunktur an sich, sondern auch die Aktien der Branche anhaltend kritisch betrachten müssen. Das gilt vor allem für jene Werte, die auf Basis möglicherweise zu optimistischer Gewinnschätzungen optisch auch noch vergleichsweise ambitioniert bewertet sind.

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