https://www.faz.net/-gv6-rfk6

Branchen-Analyse : Technologiewerte im Rezessionsstrudel

  • Aktualisiert am

Ein Schocker Bild: AP

Eine Prognosesenkung von Intel war erwartet worden. Doch das Ausmaß schockierte die Analysten. Auch für andere Technologieunternehmen laufen die Geschäfte deutlich schlechter - von den Händlern ganz zu schweigen. Keine Zeit für spekulative Käufe.

          3 Min.

          Es ist gerade ein Jahr her, da wurden Technologieaktien als sicherer Hafen vor den Unbillen der Finanzkrise gepriesen (siehe Technologie als sichere Zuflucht vor der Finanzkrise). Schon seinerzeit gab es große Zweifel an dieser These (siehe Finanzkrise macht Technologietitel verwundbar; Wenig Hoffnung für Technologieaktien). Spätestens seit dem Mittwochabend dürfte offensichtlich sein, dass die These voreilig war.

          Mit einer drastischen Prognosekürzung brachte vor allem der Weltmarktführer für Prozessoren, Intel, die Branche ins Zittern. Intel erklärte, die Nachfrage bleibe in allen Regionen und Marktsegmenten deutlich hinter den Erwartungen zurück, zudem verringerten die PC-Hersteller ihre Lagerbestände. Das Unternehmen reduzierte seine Umsatzprognose für das vierte Quartal um 14 Prozent auf rund neun Milliarden Dollar. Im dritten Quartal hatte Intel noch 10,2 Milliarden Dollar Umsatz erwirtschaftet.

          Schockierte Analysten

          Auch die Prognose für die Gewinnspanne nahm der Konzern herunter. Die Brutto-Marge sieht Intel im vierten Quartal bei nur noch 55 Prozent. Zuvor hatte der Konzern mit 59 Prozent gerechnet. Intel senkt zudem seine Investitionen im Schlussquartal um 100 Millionen Dollar auf 2,8 Milliarden Dollar.

          Analysten waren schockiert. Sie hatten zwar mit einer Reduzierung der Prognose gerechnet, jedoch nicht in diesem Ausmaß. Nun müsse man sich im Technologiesektor auf neue Realitäten einstellen, sagte Analystin Taunya Sell von Wells Fargo. „Natürlich wird das auch Auswirkungen auf Microsoft im PC-Markt haben.“ Für ihren Kollege John Dryden deutet die neue Intel-Vorhersage auf ein extrem schwaches Weihnachtsgeschäft hin. „Wenn der Umsatz so tief fällt, heißt das, die Menschen haben ihren Urlaubs-Konsum im Wesentlichen eingestellt.“

          Da Intel als Stimmungsbarometer für die Technologiebranche gilt, rechnen sie auch bei anderen Unternehmen mit Einbußen, die sich auch bei den Chip-Herstellern National Semiconductor und Applied Materials zeigen.

          Stellenstreichungen

          National Semiconductor schraubte seine Umsatzprognose für das laufende Quartal um rund zehn Prozent nach unten und kündigte den Abbau von 330 Stellen an. Das Marktumfeld und die Auftragseingänge hätten sich in den letzten Monaten signifikant verschlechtert, teilte der Konzern mit. Besonders die Geschäfte der Handy-Chipsparte, die rund ein Drittel des Umsatzes ausmache, seien schwächer verlaufen. Aber auch in anderen Konzernsparten sei ein Abschwung zu spüren. Die Auftragseingänge zeigten gegenwärtig eine deutliche Schwäche.

          Applied Materials will 1800 Stellen streichen und damit die Belegschaft um rund zwölf Prozent verringern. Der Konzern verdiente im vergangenen Quartal nur noch gut halb so viel wie vor einem Jahr. Der Umsatz sank um 14 Prozent auf rund zwei Milliarden Dollar. „Die Tumulte an den Finanzmärkten in den letzten sechs Wochen sind beispiellos. Die Abschwächung der Weltwirtschaft wird alle Geschäftsbereiche von Applied erheblich belasten“, sagte Firmenchef Mike Splinter. Im ersten Geschäftsquartal rechnet Applied Materials mit einem Rückgang des Umsatzes um 25 Prozent bis 30 Prozent. Das Unternehmen verschiebt zudem den Rückkauf weiterer Aktien.

          Weitere Themen

          Die Vision der Deutschen Telekom

          Scherbaums Börse : Die Vision der Deutschen Telekom

          Das Unternehmen hat als einst gescheiterte Volksaktie eine unrühmliche Börsengeschichte hinter sich. Doch nun legt Konzernchef Höttges einen Rekordgewinn hin. Daher sollten Anleger die Vergangenheit ruhen lassen und in die Zukunft blicken.

          Topmeldungen

          Problemimmobilien : Kaputte Verhältnisse

          Hochhausruinen, überbelegte Altbauwohnungen, verwahrloste Siedlungen: In Deutschland gibt es zigtausend Problemimmobilien, besonders viele in Nordrhein-Westfalen. Dort nennt man viele Ursachen und immer wieder den Namen eines Unternehmens.

          Keine Stadt wie andere : Hamburg wählt sich selbst

          An diesem Sonntag wird die Hamburger Bürgerschaft gewählt. Die Stadt diskutiert, was sie ist, was sie bleiben und was sie werden will. Eine Geschichte über den Hafen, den Hundekot – und die Ungeduld.
          Ist das Gerede vom „großen Austausch“, die Drohung, dass man „sie“ jagen werde, Ausdrucksform eines grassierenden Wahnsinns?

          Der Hass und seine Stimmen : Sie sind nicht krank

          Warum die Verbindung zwischen den Morden in Hanau und der Propaganda der Rechtspopulisten die Taten nicht weniger unfassbar macht. Und wieso es falsch ist, die Neuen Rechten zu pathologisieren.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.