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Branchen-Analyse : Nachfrage beflügelt europäische Rüstungs- und Raumfahrtaktien

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Aktien europäischer Rüstungs- und Raumfahrtkonzerne wie die von EADS oder Bae Systems sind mometan angesagt an der Börse. Wieder zunehmende Flugreisen und aufgestockte Verteidigungsetats sorgen für ein positives Umfeld.

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          Die Aktienkurse der europäischen Rüstungs- und Raumfahrtkonzerne, darunter European Aeronautic, Defense and Space Co., Rolls-Royce Group Plc und BAE Systems Plc, dürften weiter steigen. Sie profitieren davon, daß Flugreisen wieder zunehmen und Verteidigungsetats aufgestockt werden.

          Seit Jahresanfang hat der Europe Aerospace & Defense Index von Morgan Stanley Capital International Inc. 18 Prozent zugelegt, verglichen mit plus 5,3 Prozent für den MSCI Europe Index und plus 2,7 Prozent für den Dow Jones Stoxx 50 Index.

          Geschäftsaussichten der Branche haben sich aufgehellt

          „Der Branchenausblick hat sich verändert", sagt Tim Albrecht, Fondsmanager bei DWS Investment in Frankfurt. „Für die zivile Luftfahrt sieht es sehr gut aus, das gilt auch für die Rüstungshersteller, die neue Aufträge bekommen." 2004 dürften die europäischen Fluggesellschaften 7,5 Prozent mehr Fluggäste befördern, prognostiziert David Henderson, Sprecher der Association of European Airlines in Brüssel. 2003 verzeichnete die Branche voraussichtlich einen Anstieg von 1,2 Prozent, nach deutlichen Verlusten von 4,8 Prozent 2002 und 4,7 Prozent 2001. Dahinter steckten die weltweite Wirtschaftsflaute, die Terroranschläge auf das World Trade Center in New York und der Ausbruch der Lungenkrankheit SARS in Asien.

          Für die Woche zum 30. Mai ermittelte der europäische Branchenverband eine Zuwachsrate von 17 Prozent, angetrieben von der Nachfrage nach Fernostflügen. Internationale Strecken werden dieses Jahr einen Gewinn von 3,2 Milliarden Dollar einfliegen, prognostiziert die International Air Transport Association. Letztes Jahr kam die Branche auf einen Verlust von schätzungsweise zehn Milliarden Dollar, wobei die Hälfte davon auf internationale Verbindungen entfiel. „Das Passagieraufkommen ist stark gestiegen und damit hat sich auch die Auftragslage der Flugzeugbauer erholt", sagt Dirk Thiels, Vermögensverwalter bei KBC Asset Management in Brüssel.

          Auch die EADS-Aktie befindet sich im Aufwind

          Außerdem haben steigende Öl- und Kerosinpreise dazu beigetragen, die Flotten auf effizientere Flugzeuge umzurüsten. Öl-Terminkontrakte kletterten am 1. Juni auf den Rekord von 42,33 Dollar je Barrel. Der Kerosinpreis erreichte am 17. Mai den höchsten Stand seit 1990, nämlich 48,65 Dollar je Barrel.

          Airbus SAS, der weltgrößte Hersteller von zivil genutzten Flugzeugen und eine Tochtergesellschaft von EADS, bekam am Freitag einen Großauftrag aus dem Reich der Mitte: China Eastern Airlines Corp. bestellte 20 Flieger für zwei Milliarden Dollar. Kurz zuvor platzierte JetBlue Airways Corp. einen Auftrag über 30 Flugzeuge im Wert von 1,8 Milliarden Dollar.

          Vor diesem Hintergrund dürfte der Kurs von EADS weiter steigen. Seit Jahresanfang hat die Aktie bereits zehn Prozent an Wert gewonnen. Rainer Hertrich, Co-CEO des Luftfahrtkonzerns, hält eine Kursverdopplung bis 2006 für "realistisch". Am Freitag notierten EADS bei 20,75 Euro 2,4 Prozent höher.

          Aufwärts geht es auch für die Aktien der Zulieferer. Rolls- Royce, der weltweit zweitgrößte Triebwerkhersteller, sind dieses Jahr 36 Prozent geklettert - der zweitgrößte Sprung im britischen FTSE 100 Index. Latécoère SA, spezialisiert auf Teile wie den Flugzeugrumpf, sind seit Jahresbeginn 25 Prozent gestiegen.

          Gewinnaussichten werden positiv eingeschätzt

          Die Rüstungsbranche profitiert davon, daß Irak-Konflikt und Terrorgefahr die Militärausgaben anschwellen lassen. So hat das amerikanische Repräsentantenhaus den Verteidigungsetat für das am 1. Oktober beginnende Haushaltsjahr auf 422 Milliarden Dollar (353 Milliarden Euro) angehoben. Die britische Regierung erhöhte die Rüstungsausgaben um 3,8 Prozent auf 27 Milliarden Pfund (41 Milliarden Euro).

          Aufträge winken den europäischen Rüstungskonzernen auch aus Asien. BAE gehört zu den drei Unternehmen, unter denen Singapur einen Auftrag im Wert von 1,5 Milliarden Dollar für Kampfflugzeuge vergeben will. Die BAE-Aktie hat seit Jahresanfang 26 Prozent an Wert gewonnen. Thales SA, Europas größter Anbieter von Rüstungselektronik, legten zehn Prozent zu. Rheinmetall AG gewannen 42 Prozent.

          „Die Gewinnaussichten dieser Unternehmen sind positiv", erklärt Nicholas Potter, Analyst für Luftfahrtwerte bei Theodoor Gilissen Securities in London. "Ich gehe davon aus, daß ihre Aktienkurse weiter steigen."

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