https://www.faz.net/-gv6-pz9s

Branchen-Analyse : Konjunkturpakete machen Infrastrukturaktien reizvoll

  • Aktualisiert am

Azimut-Schiffsantrieb von ABB Bild: ABB

Im Kampf gegen die Kreditkrise haben die Staaten global enorme Konjunkturprogramme aufgelegt. Die Anleger an der Börse fragen sich, ob und wann die Infrastruktur-Aktien davon profitieren werden. Die Selektion einzelner Werte scheint ratsam zu sein.

          2 Min.

          Nicht kleckern sondern klotzen. So lautet in vielen Ländern die Devise im Kampf gegen die Kreditkrise und die weltweite Wirtschaftsflaute. Praktisch täglich wird irgendwo ein neues milliardenschweres konjunkturelles Ankurbelungspaket geschnürt. Und ein nicht unbeträchtlicher Teil dieser Gelder soll in Infrastrukturprojekte investiert werden.

          Das wirft unter den Marktteilnehmern an der Börse natürlich sofort die Frage auf, ob Infrastrukturaktien das Zeug zu den neuen Langfrist-Favoriten haben. Doch ganz so einfach ist das Finden eines abschließenden Urteils nicht. Denn noch befindet sich die Weltkonjunktur fast im freien Fall und der Welthandel ist in den vergangenen Wochen regelrecht eingebrochen. Auch ist zu bedenken, dass Konjunkturprogramme erst nach einer gewissen Zeitverzögerung wirken.

          China klotzt bei neuen Infrastrukturausgaben

          Auf das Favoritenschild gehoben werden in Anlegerkreisen derzeit vor allem Infrastrukturunternehmen aus China oder die ähnlich wie die Schweizer ABB (China steht für 12 Prozent der Konzernumsätze) zumindest stark im Reich der Mitte aktiv sind. Das hat damit zu tun, dass der geplante Anteil der Infrastrukturausgaben am gesamten Konjunkturprogramm in China am größten ist. Das dort verabschiedete Paket ist mit 585 Milliarden Dollar oder 12 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt am größten. Und 75 Prozent davon sollen in die Verbesserung der Infrastruktur gelenkt werden.

          Offenbar scheint das Programm sogar schon zu wirken. Zumindest sind die Investitionen in China in den ersten beiden Monaten des Jahres 2009 um 26,5 Prozent gestiegen und die Bankdarlehen haben sich im Februar vervierfacht. Hauptprofiteuere dieser Entwicklung sind laut Analyst Jakob Schöchli von Clairden Leu die Sektoren Versorger und Kohlebergwerke, sowie vor allem die Landwirtschaft mit einer Verdoppelung und die Eisenbahnen mit einer Verdreifachung der Investitionen.

          In Amerika wird das Stimulierungspaket auf 787 Milliarden Dollar beziffert und zwischen 80 und 130 Milliarden Dollar sollen in die Infrastruktur investiert werden. Der Gesamtbedarf zur Wiederherstellung der oft etwas veralteten amerikanischen Infrastruktur wird von Clariden Leu sogar auf zwei Billionen Dollar in den nächsten fünf Jahren veranschlagt.

          Es winkt eine zumindest relativ gute Performance

          Es scheint naheliegen, in den Bauunternehmen einen der Hauptprofiteure dieser Investitionen zu sehen. Auch der Bereich Energie-Infrastruktur dürfte einen dicken Teil vom Kuchen abbekommen. Zu den Firmen, die einem beim Schlagwort Infrastruktur immer mit zuerst einfallen, zählen Namen wie die bereits erwähnte ABB sowie Alstom, CRH, Caterpillar oder Ericsson und Siemens.

          Zudem gibt es längst eine längere Palette an Infrastruktur-Zertifikaten, wie etwa das INFRAX Infrastructure TR Index-Zertifikat (Isin DE000GS72RX9). Auch auf der Fondsseite gibt es Auswahl, wie etwas den Clariden Leu Infrastructure Fund. Praktisch alle Anlage-Vehikel aus dem Infrastruktursektor mussten in den vergangenen zwölf Monaten aber Verluste einstecken. Und ob die Bilanz künftig besser ausfallen wird, hängt sehr stark davon ab, wie es mit der Weltwirtschaft allgemein weitergehen wird. Allerdings sprechend die angeführten staatlichen Infrastrukturprogramme schon dafür, dass die Branchenvertreter eine gute Chance auf eine zumindest im Branchenvergleich gute Performance haben.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Demonstranten in Lausanne, einige Tage bevor sich die Wirtschafts- und Politikelite in Davos trifft. Nicht nur die Klimapolitik steht im Fokus der Protestler – auch der Kapitalismus.

          „Trust-Barometer“ : Deutsche zweifeln am Kapitalismus

          Nur noch jeder achte Deutsche glaubt, dass er von einer wachsenden Wirtschaft profitiert. Viele blicken pessimistisch in die Zukunft. Mehr als die Hälfte ist der Meinung, dass der Kapitalismus in seiner jetzigen Form mehr schadet als hilft.
          Schwer bewaffnet gegen schärfere Gesetze

          Pro-Waffen-Demonstration : „So fängt das an!“

          Aufmarsch der Bewaffneten: In Richmond demonstrieren Tausende gegen die Pläne der Regierung des Bundesstaates Virginia, die Waffengesetze zu verschärfen.
          Unser Newsletter-Autor: Carsten Knop

          F.A.Z.-Newsletter : Trump und Greta in Davos

          Unserem neuen Podcast folgt ein neuer Newsletter. In Davos spricht heute Donald Trump und China kämpft mit dem Corona-Virus. Was heute sonst noch wichtig wird, steht im Newsletter für Deutschland.
          Ein „harter Hund“? Klaus-Michael Kühne fordert stets viel als Investor – das macht nicht nur Freunde.

          Klaus-Michael Kühne : „Ich habe Opfer gebracht“

          Der Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne hat in seiner Karriere viel erlebt. Im Interview spricht er über einen grünen Bundeskanzler, seinen Kummer mit dem HSV und die dunklen Schatten der Vergangenheit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.