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Branchen-Analyse : Energieaktien in Amerika steuern auf Hausse wie in den 70ern zu

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In der Vorwoche gaben Energieaktien deutlich nach. Doch langfristig sind die Aufwärtstrends intakt und vieles spricht für weiter steigende Energieaktien. Dennoch sind viele Fondsmanager bei Ölaktien unterinvestiert.

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          Die Kursverluste bei amerikanischen Energieaktien in der Vorwoche dürften nur eine Verschnaufpause bei einer Rally sein, die an die Hausse der Branche in den 70er Jahren herankommt. Seit Anfang 2004 hat der Standard & Poor's 500 Energy Index 51 Prozent zugelegt, mehr als sechsmal so viel wie der marktbreite S&P 500. In den zwei Jahrzehnten davor hinkten die Energiewerte dagegen der marktbreiten Benchmark hinterher.

          "Diese Aufwärtsbewegung kann noch jahrelang so weitergehen", sagt Doug Ralston, bei Trustmark National Bank in Jackson, Mississippi als Chief Investment Officer für die Investments verantwortlich. "Die Nachfrage nach Öl wird weiter steigen, und zwar durch China und andere Schwellenländer."

          Rohstoff-Indizes schlagen sich deutlich besser als der Gesamtmarkt

          In der Vorwoche ging es im S&P Energy Index 4,7 Prozent abwärts. Es war der erste Verlust seit sieben Wochen und der stärkste seit Januar 2003. Der Ölpreis stieg im Wochenverlauf bis auf 55,67 Dollar je Barrel, nur zwei Cent unter dem Allzeithoch von 55,67 Dollar im letzten Oktober, und fiel dann wieder. Für dieses Jahr kommt der Energie-Subindex des S&P 500 auf ein Plus von 18 Prozent, während der breite Index ein Prozent eingebüßt hat. Die zweitbeste Gruppe im S&P 500, die Rohstoffwerte, verzeichnen mit 5,2 Prozent nicht einmal ein Drittel vom Kursgewinn der Ölaktien.

          Der Aktienkurs von Exxon Mobil Corp., dem weltgrößten börsennotierten Ölkonzern, ist seit Jahresbeginn 19 Prozent gestiegen. Im Vormonat überrundete Exxon sogar General Electric Co. als das nach Marktwert größte Unternehmen der Welt. Die beste Performance im S&P 500 Index hat Valero Energy Corp. hingelegt, die drittgrößte Ölraffinerie in Amerika. Der Aktienkurs hat in diesem Jahr 52 Prozent zugelegt. Im Januar erklärte das Unternehmen, dass Analysten den Gewinn für dieses Jahr zu niedrig einschätzten.

          Intakter langfristiger Aufwärtstrend

          Von April 1972 bis Dezember 1980 kletterten Energieaktien mehr als doppelt so viel wie das breite Börsenbarometer, berichtet das Analyseunternehmen Rhodes Analytics, aus Boston. In den Jahren 1973 und 1974 verdoppelte sich durch das Ölembargo der arabischen Staaten der Ölpreis, 1981 erreichte er ein inflationsbereinigtes Hoch bei 75,71 Dollar je Barrel, nachdem der Iran seine Exporte verringert hatte, so das amerikanische Energieministerium. Von Anfang 1981 bis Februar 1999 schnitten Energiewerte nach Angaben von Rhodes rund 70 Prozent schlechter als der S&P 500 ab.

          Seit dem Jahr 2000 ist der Subindex für Ölproduzenten und Ölbohrunternehmen um 59 Prozent geklettert, der Ölpreis hat sich mehr als verdoppelt. Für den gleichen Zeitraum kommt der S&P 500 auf ein Minus von 18 Prozent. Nach den Charts von Rhodes zu urteilen, sind Energieaktien offenbar in einem "sehr langen Aufwärtstrend", erklärt Mary Ann Bartels, Analystin bei Merrill Lynch. Das bedeute, die Kurse dürften mindestens ein weiteres Jahr steigen.

          Angetrieben wird die Rally von der steigenden weltweiten Nachfrage. Chinas Ölbedarf legte im letzten Jahr um 900.000 Barrel je Tag auf 6,4 Millionen Barrel zu, zeigen Daten von Lehman Brothers Holdings Inc. In den vergangenen zwei Jahren war die Nachfrage um 500.000 beziehungsweise 300.000 Barrel je Tag gestiegen. Auch die Nachfrage aus Indien dürfte anziehen, schrieb Henry "Chip" Dickson, Chefstratege für Amerika ei Lehman, am 4. März in einem Bericht an seine Kunden. Im Vorjahr stieg Indiens Ölverbrauch um 100.000 Barrel je Tag.

          Viele Fondsmanager sind bei Ölaktien unterinvestiert

          Laut Dickson muß der Ölpreis über 40 Dollar je Barrel bleiben, damit die Energieunternehmen ihr Gewinnwachstum weiter halten können. Er rechnet damit, daß die Analysten ihre Gewinnprognosen für den Sektor im Laufe des Jahres nach oben korrigieren werden. Einige Analysten haben ihre Prognosen bereits angehoben. Für das erste Quartal erwarten Analysten einen Gewinnanstieg von 34 Prozent für die Ölunternehmen, im zweiten Quartal von neun Prozent, so die Konsensprognose von Thomson Financial. Zu Jahresanfang lagen die Prognosen bei plus 17 Prozent für das erste und minus vier Prozent für das zweite Quartal.

          Einige Fondsmanager laufen allerdings Gefahr, weitere Kursgewinne zu verpassen. Zwei Drittel der Investmentfonds, die den S&P 500 Index als Benchmark verwenden, sind laut Morningstar Inc. bei Ölaktien unterinvestiert.

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