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Branchen-Analyse : Amerikanische Chipaktien profitieren von wachsender Nachfrage

  • Aktualisiert am

Der Chart zeigt die Entwicklung beim Philadelphia Semiconductor Index Bild:

Nach einer schwachen Vorstellung im Vorjahr warten die amerikanischen Halbleiteraktien neuerdings mit einer guten Form auf. Eine anziehende Nachfrage und schrumpfende Lagerbestände rücken den Sektor wieder in den Fokus.

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          Die Halbleiteraktien im Standard & Poor's 500 Index weisen im Februar die zweitbeste Performance aller Branchengruppen auf. Diese Kursrally dürfte sich fortsetzen, nachdem Zeichen dafür sprechen, daß die Nachfrage anzieht und die Lagerbestände schrumpfen.

          Der Branchenindex der Chiphersteller im S&P 500 ist seit Anfang des Monats 6,8 Prozent gestiegen. Von den 24 Branchengruppen, aus der sich der amerikanische Benchmark-Index zusammensetzt, halten sich lediglich Energiewerte mit 13 Prozent Zuwachs besser. Im vergangenen Jahr waren die Halbleiter noch Schlußlicht und verloren 24 Prozent. Marktteilnehmer hatten sich besorgt gezeigt, daß ihre Gewinne beeinträchtigt werden, wenn sich die unverkauften Chips immer höher in den Lagern auftürmen.

          Die Lagerbestände schrumpfen

          „Es ist zu erkennen, daß die überschüssigen Lagerbestände abgebaut werden, außerdem zieht das Wirtschaftswachstum an und die Investitionen steigen", sagt Christopher McHugh, Fondsverwalter des Turner Midcap Growth Fund bei Turner Investment Partners in Berwyn, Pennsylvania. „Das weist darauf hin, daß es eine gute Idee sein dürfte, jetzt auf Halbleiteraktien zu setzen." Noch im zweiten Quartal 2004 waren die Lagerbestände von Intel Corp. 15 Prozent auf das Rekordvolumen von 3,2 Milliarden Dollar gewachsen. Im vierten Quartal gelang es dem weltgrößten Chiphersteller sie wieder um 18 Prozent auf 2,6 Milliarden Dollar abzubauen. Mit dazu beigetragen hat, daß die Nachfrage nach Halbleitern für Notebooks kräftig anzog, erläuterte der Chipkonzern.

          Mit diesem Erfolg als Polster kündigte Intel an, die Investitionen in Produktionsanlagen und Ausrüstung im laufenden Jahr um bis zu 39 Prozent auf 4,9 Mrd. Dollar bis 5,3 Milliarden Dollar aufzustocken. In Südkorea hob Konkurrent Samsung Electronics Co. die Investitionen 34 Prozent an.

          Auch bei Xilinx Inc. und Altera Corp., den beiden größten Anbietern von programmierbaren Chips, ist die Stimmung gut: Altera geht davon aus, daß der Umsatz im laufenden Quartal ein bis drei Prozent gegenüber dem Vorquartal zulegen wird. Xilinx rechnet mit einem Zuwachs zwischen einem und fünf Prozent.

          „Der Ausblick wird besser" und die Kunden dürften ihre Kapazitäten bald wieder ausbauen, erläuterte Mike Splinter, Vorstandschef des weltgrößten Chipausrüsters Applied Materials Inc., vergangene Woche. Nachdem der Auftragseingang im vergangenen Quartal 36 Prozent eingebrochen war, erwartet Splinter für die laufenden drei Monate ein gleichbleibendes oder bis zu zehn Prozent niedrigeres Auftragsvolumen.

          Fundamentale und charttechnische Analysten äußern sich zuversichtlich

          David Daglio, Fondsmanager des 1,3 Milliarden Dollar schweren Dreyfus MidCap Value Fonds, hat etwa 20 Telefonkonferenzen zu Quartalsergebnissen von Chipherstellern verfolgt. Dabei haben die meisten Top-Manager erklärt, daß die Lagerbestände schrumpfen und Umsatz oder Aufträge zunehmen. „Wir sehen immer mehr Anzeichen dafür, daß das Schlimmste hinter uns liegt, nachdem die Lager im zweiten Halbjahr 2004 aus allen Nähten platzten", führt Daglio aus. „Unserer Ansicht nach sind einige Chiphersteller und Anbieter von Halbleiterausrüstung attraktiv bewertet."

          Anfang des Monats riet Credit Suisse First Boston dazu, Aktien von Unternehmen wie Texas Instruments Inc., weltgrößter Hersteller von Handy-Chips, zu kaufen. Analysten von SG Cowen & Co. empfahlen Investoren ebenfalls, Chipaktien zu kaufen. Sie gehen davon aus, daß sich die Nachfrage bis 2006 kontinuierlich verbessern wird.

          Nach Ansicht von Matt Pugsley, Stratege bei BCA Research in Montreal, deuten Marktindikatoren wie Kurs-Charts darauf hin, daß die Aktien der Gruppe steigen werden. Die 26-Wochen-Veränderungsrate der Chiphersteller im S&P 500 wird positiv, sagt er. In den vergangenen zehn Jahren sei dies fünfmal vorgekommen und jedes Mal seien die Kurse geklettert, führt der technische Analyst aus. „Die Leute riechen eine Trendwende und steigen ein", erzählt Pugsley. „Sie kaufen, bevor die guten Nachrichten auf dem Tisch liegen. Deshalb sollte man auf technische Indikatoren achten."

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