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Börsenweisheit : Trotz Kursrally spricht einiges gegen die Mai-Regel

Frühlingsgefühle oder schlechter Börsenmonat? Bild: Kerstin Papon

Eine bekannte Börsenweisheit rät Anlegern im Mai zum Aktienverkauf und zur Rückkehr an die Aktienmärkte im September. Aber die Dax-Bilanz der Herbstmonate fällt langfristig viel schlechter aus.

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          Es ist viele Jahre her, seit ein Jahresauftakt an den Börsen ähnlich fulminant war wie in diesem Jahr. Der Dax hat bislang 19 Prozent an Wert gewonnen, wobei sich seine Bilanz durch die Kursverluste in der vergangenen Woche deutlich verschlechtert hat. Als diese begann, hatte das Plus noch 22 Prozent betragen.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Zuletzt hatte der Dax im Jahr 2007 einen ähnlich starken Jahresstart hingelegt. Im Jahr 1998 war er noch schwungvoller und bescherte Anlegern bis Mai ein Plus von 31 Prozent. Doch auch für andere Indizes ist es bisher deutlich aufwärts gegangen, wie für den Euro Stoxx 50 um 16 Prozent.

          Da dürfte vielen Anlegern die wohl bekannteste Börsenregel „Sell in May and go away“ – also die Aktien im Mai erst einmal zu verkaufen und im Fortgang später zu dann hoffentlich niedrigeren Kursen wieder an den Markt zurückzukehren – in diesem Jahr besonders laut und vehement in den Ohren klingen.

          Doch das Marktumfeld für Aktien könnte aus der Sicht vieler Fachleute gerade in Deutschland kaum besser sein. Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank versorgt Wirtschaft und Finanzmärkte weiterhin mit Liquidität im Übermaß. Die Konjunktur läuft. Der Ölpreis ist vergleichsweise niedrig, und den exportstarken deutschen Unternehmen nutzt der schwache Euro, hübscht er doch ihre Absatz- und Gewinnzahlen auf. Zudem sind die Renditen niedrig. Zehnjährige Bundesanleihen rentieren derzeit mit knapp 0,4 Prozent. Im Tief waren es im April sogar nur 0,049 Prozent gewesen. Die Dividenden gelten denn auch inzwischen vielen als der neue Zins.

          Wechselhaft im April

          Doch freilich mehren sich auch die Stimmen am Markt, die glauben, dass den Aktienbörsen so langsam die Puste ausgehen könnte. Ganz von der Hand weisen kann man das nicht. Dazu reicht allein ein Blick auf den Kurschart des Dax. Rasant ging es in diesem Jahr für den Index nach oben, bis auf ein Rekordhoch von 12.391 Punkten am 10. April. Dann verließen ihn etwas die Kräfte. Aktuell liegt der Dax auf knapp 11.600 Punkten und damit 6,3 Prozent tiefer als im Hoch. Auch die Kursschwankungen haben in dem für besonders wechselhaftes Wetter bekannten Monat April wieder zugenommen – ein Ausdruck der Nervosität der Anleger.

          Eine wirkliche Evidenz hat die Mai-Regel nicht. Blickt man langfristig auf den Dax oder auch andere Aktienindizes, dann ist nicht einmal der Wonnemonat Mai im langjährigen Durchschnitt der schlechteste, sondern eher der August oder der September. Deswegen sollten Anleger, die dem berühmten Börsenbonmot folgen, auch nicht zu früh an die Märkte zurückkehren. Nach Berechnungen der Helaba ist das Sommerhalbjahr für den Dax traditionell schwach. So liegt das Plus in den Monaten November bis April seit dem Jahr 1965 im Durchschnitt bei 8,6 Prozent, in den Monaten Mai bis Oktober ergibt sich dagegen ein Wert von fast null – also auf jeden Fall eine signifikant schlechtere Wertentwicklung. Ähnliche Saisonmuster weisen auch die meisten anderen Indizes auf.

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