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Krisenpropheten : Börsenprognose mit Pi und biblischem Jahr

  • -Aktualisiert am

Der nächste Crash ist immer der schlimmste: Händler an der Frankfurter Börse nach dem Wall-Street-Crash 1987 Bild: dpa

Kursprognosen sind ein großes Geschäft. Auf diesem Markt tummeln sich eine Vielzahl merkwürdiger Indikatoren und eine Reihe von Krisenpropheten, deren Ernsthaftigkeit höchst umstritten ist.

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          „Wir sind alle an der Zukunft interessiert, denn dort werden Sie und ich den Rest unseres Lebens verbringen“, heißt es in einem der schlechtesten Filme aller Zeiten. Dabei ist das vielleicht noch der vernünftigste Satz aus Ed Woods Machwerk „Plan 9 from outer space“. Denn die Vorhersage fasziniert Menschen heute wie ehedem. Ob mittels Öl oder der Eingeweide von Opfertieren, Sternkonstellationen oder Kartenlegen, die Methoden sind Legion.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Aktuell sind es eher esoterische Kalenderdaten oder - ganz modern - mathematische Modelle, welche die Unsicherheit über das, was uns bevorsteht, verringern sollen. Besonders in Amerika, wo die Börse mehr öffentliches Interesse hervorruft und sich auch mit noch so kruden Prognosen Aufmerksamkeit erregen und Geld verdienen lässt.

          Im Mai dieses Jahres versuchte einer der umstrittensten unter diesen Propheten auch in Deutschland vornehmlich einer als Dokumentarfilm bezeichnete Biographie zu einem guten Kinostart zu verhelfen: „The Forecaster“ - der Vorhersager. Martin Armstrong, Hauptakteur des Films, hat auf Basis der Zahl Pi ein „Economic Confidence Model“ entwickelt, mit dem er je nachdem eine größere Wirtschaftskrise oder ein Zusammenbruch der Märkte prognostiziert. Seine These: Es geschieht alle 8,6 Jahre oder noch genauer alle 3141 Tage - das ist das Tausendfache der Zahl Pi.

          Damit will Armstrong sowohl den Einbruch des japanischen Leitindex Nikkei im Jahr 1989 als auch die Russland-Krise im Jahr 1998 vorhergesagt haben - und den Crash an der New Yorker Wall Street von 1987, den berüchtigten „Schwarzen Montag“, der dort den größten Kurssturz aller Zeiten mit sich brachte. Alles auf den Tag genau vorhergesagt.

          Der „Crash of Government“

          Nachvollziehen ließ sich die Theorie jedoch bis jetzt nicht. Selbst sieben Jahre Beugehaft und eine anschließende fünfjährige Haftstrafe wegen der Verschwörung zum Betrug konnten Armstrong nicht dazu bewegen, den Quellcode seines Modells offenzulegen. Deshalb sind seine Arbeit und das Modell weiterhin umstritten. Er selbst sieht sich als Opfer einer Verschwörung von Regierung und Großbanken, die ihn mundtot machen wollten.

          Für den 1. Oktober hat Armstrong den „Crash of Government“ prognostiziert. Als Vorhersage eines Kurseinbruchs an den Anleihemärkten soll man das aber keineswegs verstehen. Er sage überhaupt nur große Wendepunkte voraus. Der 1. Oktober werde rückblickend der Tag sein, an dem das Vertrauen auf die Sicherheit von Staatsanleihen begann. Mit der Regierung Obama habe sich der Freiheitsbegriff geändert. Es gehe nicht mehr um die Freiheit und die Menschen, sondern nur noch um den Machterhalt.

          Mitnichten sieht Armstrong einen Crash der Aktienmärkte voraus. Ganz im Gegenteil zu den Anhängern der Schmittah-Prognose, die auf dem Buch des messianischen Rabbis Jonathan Cahn „The Mystery of the Shemitah“ beruht, der den Bau des „One World Trade Center“ auch schon mal mit dem Turmbau zu Babel vergleicht.

          Gemäß den Anhängern Cahns droht derzeit ein historischer Kurseinbruch an den Aktienmärkten. Genauer gesagt, hätte sich dieser schon am 13. September ereignen sollen. Denn der 13. September war gleichzeitig der 29. Elul des biblischen Kalenders und der letzte Tag des Schmittah-Jahrs, des siebten Jahrs eines Zyklus, daher auch Sabbatjahr genannt. Und am Ende der beiden vergangenen Schmittah-Jahre, 2001 und 2008, stürzte der Dow Jones jeweils am 29. Elul um rund 7 Prozent ab.

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